Kakao aus nachhaltigem Anbau Ritter Sport geht unter die Bauern

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Der Schokoladenhersteller aus Waldenbuch will von 2025 an nur noch Kakao aus nachhaltigem Anbau verwenden. Dafür forstet der Mittelständler auf einer 25 Quadratkilometer großen Fläche in Nicaragua Regenwald auf.

Eine Million  Kakaofrüchte will Ritter auf der firmeneigenen Plantage in Nicaragua pro Jahr ernten. Dafür wird sogar eine spezielle Erntemaschine entwickelt. Foto: Ritter Sport
Eine Million Kakaofrüchte will Ritter auf der firmeneigenen Plantage in Nicaragua pro Jahr ernten. Dafür wird sogar eine spezielle Erntemaschine entwickelt.Foto: Ritter Sport

Waldenbuch - Zweimal im Jahr reist Andreas Ronken für jeweils eine Woche nach Nicaragua, um sich mit eigenen Augen von den Fortschritten auf „El Cacao“ zu überzeugen. „Wir sind dort selbst zu Farmern geworden und lernen von den Bauern vor Ort“, sagt der neue Chef des Schokoladenproduzenten Ritter Sport, der gerade dabei ist, in die Rohstoffproduktion einzusteigen. Ronken berichtet vom Aufbau der ersten eigenen Kakaoplantage des Mittelständlers. Auf 25 Quadratkilometern Brachland – in etwa die Fläche von 3500 Fußballfeldern – forstet das Unternehmen in der Region El Rama Regenwald auf.

Was alles nötig ist, um die laut Ronken „wahrscheinlich größte Kakaoplantage der Welt“ entstehen zu lassen, verdeutlicht der gelernte Maschinenbau-Ingenieur mit ein paar Zahlen: „Wir pflanzen 1,5 Millionen Bäume, verlegen 40 Kilometer Straße, bauen Entwässerungskanäle und acht Brücken.“

Ein Teil der Fläche bleibt der Natur überlassen

Etwa zwei Drittel der Fläche sollen bewirtschaftet werden, das übrige Drittel bleibt der Natur überlassen. Um keine Monokulturen entstehen zu lassen, werden neben den Kakaobäumen auch Bananen und andere Pflanzenarten angebaut. 2017 sollen die ersten Kakaofrüchte geerntet werden. Das Ziel bis 2023 ist eine jährliche Ernte von 3000 Tonnen Kakao – etwa einem Drittel des Jahresbedarfs von Ritter.

Bereits heute arbeiten etwa 220 Menschen auf El Cacao, bis 2023 soll ihre Zahl auf 400 ansteigen. Ronken legt Wert darauf, dass die Arbeiter sich nicht auf dem Areal ansiedeln. „Wir holen sie jeden Morgen mit Bussen aus ihren Dörfern ab und fahren sie nach Feierabend wieder dahin zurück.“ Nachhaltigkeit umfasse Mensch und Natur: „Wir wollen zeigen, dass man auf Kakaoplantagen komplett nachhaltig produzieren kann, mit hoher Qualität des Kakaos und auskömmlichen Löhnen.“

Schlimme Zustände auf manchen Plantagen in Westafrika, von wo heute etwa 70 Prozent der weltweiten Kakaoproduktion stammt, haben das schwäbische Familienunternehmen schon früh veranlasst, nach Alternativen zu suchen. 1990 startete Marli Hoppe-Ritter, eine Enkelin des Firmengründers, die Zusammenarbeit mit einem Kleinbauern in Nicaragua. In diesem Jahr feiert die Kooperation Jubiläum, doch aus einem Bauern sind 3500 geworden, die zusammen zehn Prozent des Jahresbedarfs von Ritter abdecken.

Die Kooperationen mit den Bauern bleiben bestehen

Wird an den Kooperationen festgehalten, wenn El Cacao voll in Betrieb ist? „Natürlich“, sagt Ronken, schließlich sollen bis 2025 einhundert Prozent des Kakaos in den quadratischen Tafeln, von denen täglich drei Millionen das Werk in Waldenbuch verlassen, aus nachhaltigem Anbau stammen. Heute sind es 15 Prozent. Dafür investiert das Unternehmen jährlich acht Millionen Euro. Der Umsatz lag 2014 bei 430 Millionen Euro. Vor allem wegen hoher Kakao- und Haselnusspreise habe es beim Ergebnis am Ende nur zu einer schwarzen Null gereicht, erklärte Mitinhaber Alfred T. Ritter im Januar.

Ritter hatte seinen Chefsessel zum Jahreswechsel an Andreas Ronken abgegeben. Der 47-Jährige ist bereits seit neun Jahren für Produktion und Entwicklung verantwortlich und nun zusätzlich Geschäftsführer. El Cacao sei das wichtigste, aber nicht das einzige Projekt zur Nachhaltigkeit. So erzeugt der Mittelständler auch einen großen Teil seines Stroms und Wärmebedarfs am Firmensitz selbst. Alle ökologischen und sozialen Aktivitäten wurden nun erstmals in einem Nachhaltigkeitsbericht zusammengefasst, den Ronken am Mittwoch vorgestellt hat. Damit will der Hersteller, der 2014 vor allem mit einem Rechtsstreit gegen die Stiftung Warentest in den Schlagzeilen war, seine Abnehmer vom eigenen Produkt überzeugen: „Ich spüre ein deutlich höheres Interesse am Thema Nachhaltigkeit im Handel“, sagt Ronken.