Kanaren Erdöl im Urlaubsparadies?

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Der Energiekonzern Repsol sucht von diesem Wochenende an vor Fuerteventura nach Erdöl. Die Proteste der Bevölkerung haben nichts genützt, doch Greenpeace wartet schon.

Angst um Natur und Tourismus: Bewohner der Inseln warnen vor Ölbohrungen Foto: AFP
Angst um Natur und Tourismus: Bewohner der Inseln warnen vor ÖlbohrungenFoto: AFP

Fuerteventura - Greenpeace wartet schon. Die Umweltschutzorganisation hat ihr Forschungsschiff Arctic Sunrise in die Wasserstraße zwischen den Kanarischen Inseln und Marokko geschickt. Das offizielle Ziel lautet: Die biologische Vielfalt in dieser Region des Atlantiks zu untersuchen – „bevor sie Repsol zerstört“. Repsol ist der große spanische Energiekonzern, der in diesen Tagen mit der Suche nach Erdöl rund siebzig Kilometer östlich von Fuerteventura beginnen will, in einem Gebiet, dem es den Namen „Sandía“ gegeben hat, zu deutsch Wassermelone.

Die Regierung sieht keine Gefährdung

Hier soll bereits an diesem Wochenende das Bohrschiff Rowan Renaissance ankommen, das bis vor Kurzem noch vor der Küste Angolas nach Öl bohrte. Jetzt also vor den Kanaren. Rund 1000 Meter unter dem Meeresspiegel werden die Bohrungen ansetzen und von dort wahrscheinlich 3000 Meter in die Tiefe gehen.

Vielen Menschen auf den Kanaren sind die Bohrungen überhaupt nicht geheuer. „Die Gewässer, das Meer, der Strand, der Tourismus – das ist unser Erdöl“, sagt Antonio Hormiga vom Tourismusverband Fuerteventuras. So wie er fürchten viele Bewohner der spanischen Inselgruppe mögliche Schäden für die Umwelt und das Image. Denn Erdöl im Urlauberparadies, das passt für sie nicht zusammen.

Doch die spanische Regierung gab den Probebohrungen im August ihren Segen. Die Wahrscheinlichkeit eines Unglücks sei minimal, hieß es zur Begründung. Die kanarische Regionalregierung sieht das freilich anders. Sie wollte unter den Inselbewohnern eine Volksbefragung durchführen, doch die Regierung in Madrid hat dieses Vorhaben gestoppt. Nun muss das Verfassungsgericht entscheiden, ob die Befragung in näherer Zukunft doch noch stattfinden kann. Währenddessen bereitet Repsol alles für den Beginn der Bohrungen vor.

Bei der Prospektion könnten Wale zu Schaden kommen

Eine der Sorgen der Umweltschützer gilt den Meeressäugern. „Hier leben 28 der rund hundert Wal- und Delfinarten, die es auf dem Planeten gibt“, sagt Vidal Martín von der Gesellschaft für das Studium der Meeressäuger im Kanarischen Archipel. Die Bohrungen belasteten das Gehör und die Körper der Tiere, „das ist belegt“, erklärt Martín. Der Energiekonzern Repsol verspricht im Gegenzug, mögliche Auswirkungen der Bohrungen auf die Tierwelt im Blick zu haben. Ein Schiff mit drei Fachleuten an Bord werde das Verhalten von Walen und Delfinen im Gebiet Sandía beobachten, um frühzeitig mögliche Probleme festzustellen, hieß es.

Eine geschützte Walart könnte verhindern, dass auch in der Nähe der Balearen im Mittelmeer nach Erdöl gebohrt wird. Die Vertragsstaaten der sogenannten Bonner Konvention für den Schutz wandernder Wildtierarten haben vor Kurzem dem Cuvier-Schnabelwal den höchsten Schutzstatus zugesprochen.

Diese Walart, zu deren wichtigsten Lebensräumen die Inselgruppe der Balearen gehört, ist besonders lärmempfindlich. Doch für die Ortung möglicher Ölvorkommen werden Druckluftkanonen eingesetzt, die unter Wasser im Zehn- bis 15-Sekundentakt einen Explosionsschall mit bis zu 260 Dezibel aussenden. Dieser Lärm kann für den Cuvier-Schnabelwal tödlich sein. Den Plänen, bei Ibiza und Formentera nach Öl zu suchen, könne deswegen „nur eine Absage erteilt werden“, meint Carlos Bravo von der Bürgerinitiative Alianza Mar Blava.

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jetzt jammern wir wieder, aber wehe es bohrt keiner mehr und wir können nicht mehr auto fahren. ist das scheinheilig. und von photovoltaik auf fuerteventura fährt in deutschland kein auto. das von herrn hoch nicht und das der frau kienzle auch nicht.

Statt das schöne Fuerteventura zu gefährden, könnte man dort in den fast unbewohnten wüstenähnlichen Weiten mitten in der Insel Solaranlagen oder weitere Windkrafträder anlegen. Sonne scheint lange und viel, Wind weht fast dauernd - ebenso wie im benachbarten Afrika. Damit könnte man neben Strom für die direkte Versorgung den übrigen Strom in speicherbare Energieträger wie Wasserstoff oder Methan umwandeln. Damit könnte man heizen und auch Fahrzeuge antreiben - man müsste nur mehr bauen die diese Stoffe verarbeiten können. Bei der Verbrennung wird neben Energie nur wieder Wasser und CO2 freigesetzt, das man vorher dafür gebunden hat - es ist also tatsächlich klimaneutral und umweltfreundlich. Erdöl dagegen ist endlich und viel zu wertvoll um verbrannt zu werden. Wenn man den Erdölverbrauch um 90 % senken würde, würden die vorhandenen Quellen noch lange reichen, man bräuchte nicht im Meer an ökologisch empfindlichen Stellen bohren. Man sollte Erdöl nur noch für die Zwecke verwenden, für die man im Moment noch keinen passenden Ersatz hat - das sind im Moment vermutlich (?) z.B. die Herstellung bestimmter Kunststoffe, Schmiermittel, und ähnliches. Ölheizungen sollte man ersetzen (Glühbirnen wurden doch auch abgeschafft - dabei waren die viel weniger schlimm für die Umwelt) - Benzin und Diesel aus Erdöl durch Stoffe aus nachwachsenden oder regenerativ erzeugten Stoffen ersetzen - um einige Beispiele zu nennen. Anfänge sind vorhanden, unsere Regierungen sollten diese konsequent fördern und ggf. schädliches verbieten - und sofort die Bohrgenehmigung an und um den Kanaren widerrufen. Unsere Regierungen scheinen nicht aus den Fehlern der Vergangenheit lernen wollen. Hätten unsere Vorfahren vor mehreren hundert Jahren beispielsweise nicht den Wald auf Fuerteventura abgeholzt, wäre heute nicht der größte Teil der Insel wüstenartig. Natürlich ist die geringe Niederschlagsmenge eine der wesentlichen Ursachen für den geringen Bewuchs - aber ohne ausreichende Vegetation verdunstet und versickert das wenige Wasser um so schneller. Öl an den wunderschönen langen hellen Sandstränden von Fuerteventura - es wäre eine Katastrophe und sehr traurig.

Und weiter geht die Zerstörung der Erde. Man bohrt, man versucht und man sucht nach der ultimativen Lösung, koste es, was es wolle. Auf die Natur den Mittelfinger nach oben und jene, die es beschützen möchten werden nieder geschlagen nach Hause geschickt. Welche Machthungrigkeit regiert uns auf Gottes Erdboden? Hallo Natur, wann beginnst Du endlich, der Menschheit zu zeigen, wer hier mächtiger ist? Ein Verbrechen, das täglich unbestraft bleibt? Gruß vom Motzkigele

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