Kanzlerkandidat Peer Steinbrück: Kanzler sind unterbezahlt

Von dpa 

Sind monatlich knapp 18.000 Euro zu wenig für einen der wichtigsten Jobs der Welt, den des Kanzlers? Steinbrück will ihn haben und findet: Ja. Außerdem bescheinigt er Kanzlerin Merkel einen „Frauenbonus“.

Sind monatlich knapp 18.000 Euro zu wenig für einen der wichtigsten Jobs der Welt, den der Kanzlerin? Peer Steinbrück will ihn haben und findet: Ja, zu wenig. Damit stößt er selbst in der eigenen Partei auf Widerspruch. Foto: dpa
Sind monatlich knapp 18.000 Euro zu wenig für einen der wichtigsten Jobs der Welt, den der Kanzlerin? Peer Steinbrück will ihn haben und findet: Ja, zu wenig. Damit stößt er selbst in der eigenen Partei auf Widerspruch.Foto: dpa

Berlin (dpa) - Schon wieder Kopfschütteln über Peer Steinbrück: Der SPD-Kanzlerkandidat klagt über ein zu geringes Kanzlergehalt und erntet damit selbst in der eigenen Partei Widerspruch. „Nahezu jeder Sparkassendirektor in Nordrhein-Westfalen verdient mehr als die Kanzlerin“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ („FAS“). Amtsinhaberin Angela Merkel (CDU) bescheinigte er zugleich einen „Frauenbonus“. Weibliche Wähler würden ihre Durchsetzungskraft in hohem Maße anerkennen.

Neun Monate vor der Bundestagswahl im Herbst 2013 stießen die Äußerungen in der SPD auf Widerspruch. Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) findet „die Politiker in Deutschland angemessen bezahlt“. Er habe davon immer leben können, sagte er der „Bild am Sonntag“. „Und wem die Bezahlung als Politiker zu gering ist, der kann sich ja um einen anderen Beruf bemühen.“

Der Bundestagsabgeordnete Dieter Wiefelspütz befand in der „FAS“: „Wenn wir Politiker uns an den Gehältern in der Wirtschaft orientieren, dann machen wir einen Fehler.“ Sein Kollege Hans-Peter Bartels riet Steinbrück in der Zeitung, sich eher am öffentlichen Dienst zu orientieren. Als Kanzler wirken zu können, sei eine Ehre. „Man macht es nicht, um reich zu werden.“ Ähnlich äußerten sich der Haushaltspolitiker Carsten Schneider und Schleswig-Holsteins SPD-Chef Ralf Stegner. Nur Generalsekretärin Andrea Nahles sprang dem Kandidaten bei. „Peer Steinbrück hat etwas ausgesprochen, das schlicht stimmt. Die Aufregung darüber kann ich nicht nachvollziehen“, sagte sie der „Bild“-Zeitung.

Steinbrück hatte erklärt: „Ein Bundeskanzler oder eine Bundeskanzlerin verdient in Deutschland zu wenig - gemessen an der Leistung, die sie oder er erbringen muss und im Verhältnis zu anderen Tätigkeiten mit weit weniger Verantwortung und viel größerem Gehalt.“ Ähnlich hatte Anfang November auch SPD-Parteichef Sigmar Gabriel argumentiert.

Der Parlamentsgeschäftsführer der Unionsfraktion, Michael Grosse-Brömer (CDU), befand das Kanzlergehalt zwar gemessen an der Verantwortung ebenfalls für „sehr niedrig“. Aber: „Beschwerden darüber hat man von der Bundeskanzlerin selbst bisher jedenfalls nicht gehört“, sagte er der Zeitung. Umso erstaunlicher sei Steinbrücks Klage.

Steinbrück bezeichnet sein Verhältnis zum Geld als "rein instrumentell"

Das Bundeskabinett hatte im Mai für sich die erste Gehaltsanhebung seit zwölf Jahren beschlossen. Nach einem ersten Erhöhungsschritt erhält die Kanzlerin derzeit 16.684 Euro Gehalt und eine reduzierte Abgeordnetendiät von 3969 Euro zuzüglich 4045 Euro Aufwandsentschädigungen als Kanzlerin (1023 Euro) und Abgeordnete (3022 Euro). Das Kanzleringehalt steigt zum Januar in einem weiteren Schritt um 1,2 Prozent, auch die Diät wird dann erhöht.

Der SPD-Kanzlerkandidat, der wegen seiner hohen Nebeneinnahmen durch Vorträge in der Kritik steht, bezeichnete sein Verhältnis zum Geld als „rein instrumentell“. Es habe Zeiten gegeben, in denen er sehr wenig gehabt habe. „Heute bin ich, jedenfalls aus der Sicht vieler Menschen, ein vermögender Sozialdemokrat. Aber Geld löst bei mir keine erotischen Gefühle aus.“

Zu Kanzlerin Merkel meinte Steinbrück, sie habe sich „in einer Männerwelt durchgesetzt, wirkt sehr unprätentiös und tritt bescheiden auf“. Auch bei SPD-Wählern komme das gut an. „Das heißt aber nicht, dass ich als der Gottseibeiuns wahrgenommen werde“, fügte Steinbrück hinzu. Er werde nicht versuchen, sich grundsätzlich zu ändern oder in einem Kurs zu lernen, Beliebtheitspunkte zu sammeln. „Das würde ohnehin als Schauspielerei entlarvt.“ Wahlen würden nicht nach Beliebtheit entschieden.

Auf der Beliebtheitsskala der deutschen Politiker rangiert Merkel auf Platz zwei hinter Bundespräsident Joachim Gauck. In der vierteljährlichen Umfrage des Instituts TNS Forschung für das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ wünschten sich 71 Prozent der Befragten künftig „eine wichtige Rolle“ für sie. Das waren 5 Prozentpunkte mehr als im September. Für Steinbrück wünschten sich das unverändert 54 Prozent. Damit kommt er auf Platz 7 hinter den SPD-Politikern Hannelore Kraft (3.) und Frank-Walter Steinmeier (5.).

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15 KommentareKommentar schreiben

so eine Sch....e labern?: „Heute bin ich, jedenfalls aus der Sicht vieler Menschen, ein vermögender Sozialdemokrat. Aber Geld löst bei mir keine erotischen Gefühle aus.“ Was soll das sein? Quatsch Comedy Club?

Unwählbar wie der Rest auch.: Einzig die Linke als Oppositionspartei setzt im Bundestag noch Gegenakzente. 'Mutti weg!' ist im Prinzip zwar richtig, aber nicht genug, um eine Stimme an SPD oder Grüne zu verschleudern. Besser eine starke linke Opposition als eine schwache rot-grüne Regierung.

So langsam glaube ich ...: ... Steinbrück will gar nicht Kanzler werden. Er strengt sich wirklich mächtig an, nicht gewählt zu werden ...

Kanzlerin fühlt sich nicht unterbezahlt: Kanzlerin lässt mitteilen, sie halte das Gehalt natürlich nicht für zu niedrig. Glaube die CDU kann sich auf Bundestagswahl freuen, als einzige Partei der Mitte... Wann die Grünen wohl die Reißleine ziehen?

Nahles und Steinbrück - das soziale Horror-Duo!: Im Rahmen ihrer 'Sozial-Kampagne' scheint die SPD ihren eigenen Lügen doch nicht so recht zu glauben. Steinbrück textet: „Ich will etwas dagegen tun, dass unsere Gesellschaft immer mehr auseinander fällt“. Klar: vor allem will er in Zukunft als Politiker endlich mehr verdienen! Er spricht davon, daß 'junge Menschen oft unsichere und schlecht bezahlte Jobs haben'. Versteht sich, daß so etwas bei einem 'Polit-Profi' wie ihm natürlich nicht passiert. Diese politische Heuchelei ist einfach nur rotzfrech! Weder im Stil noch in den Inhalten unterscheidet sich so die SPD von der CDU. Frau Merkel kann sich ruhig zurück lehnen und abwarten. Die Grünen werden so in diesem Lügen-Sog der SPD untergehen und bundespolitisch keine Rolle spielen. Frau Nahles labert vollmundig von den Grundwerten der SPD wie Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Gerechtigkeit und Solidarität spielen in ihrer Logik schon längst keine Rolle mehr, dafür aber die Freiheit, ihre politische Karriere zu machen. Dazu gehört natürlich selbstverständlich, mindestens so viel wie ein durchschnittlicher Sparkassendirektor zu verdienen. Ihr sind die Menschen wurstegal - sie ist nur für Geld in die Politik gegangen! Danke, Frau Nahles - damit liegen sie auf einer Linie mit ihren Kollegen der FDP!

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