Karl-Theodor zu Guttenberg Die Uni und ihr Werbeträger
Bärbel Krauß, 17.02.2011 17:37 Uhr
Bayreuth/Berlin - Die erste Nacht inmitten des Mediensturms hat der Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg im afghanischen Kampfgebiet verbracht. Südlich von Kundus besuchte er den Außenposten Nord in der hart umkämpften Provinz Baghlan. Diesmal wurde er nur von einer kleinen Delegation begleitet. Anders als bei den jüngsten Visiten mit seiner Frau Stephanie und Johannes B. Kerner beziehungsweise mit Kanzlerin Angela Merkel hatte er keinen Medientross im Schlepp. Bilder liefert die Bundeswehr allerdings trotzdem - mit Hilfe eigener Fotografen.Die wichtigste Kampfzone, in der er sich jetzt bewähren muss, liegt allerdings in Oberfranken, wo er seinen Wahlkreis hat und Bezirkschef der CSU ist. Der Universität Bayreuth muss Guttenberg binnen 14 Tagen schriftlich erklären, wie es sich mit den beanstandeten Zitaten in seiner Doktorarbeit verhält.

"Wir nehmen die Vorwürfe sehr ernst", sagte der Universitätspräsident Rüdiger Bormann. Hinweise auf Fehler beim Promotionsverfahren gebe es nicht. "Wir haben sehr strenge Qualitätsmaßstäbe und sind gut beraten, diese einzuhalten." Für mögliche Konsequenzen im Fall Guttenberg sei eine vierköpfige Kommission zur Selbstkontrolle der Wissenschaft an der Universität zuständig.

Die Affäre um den Plagiatsverdacht schlägt weiter hohe Wellen. Dabei gehören die kurzzeitigen Versuche, Guttenbergs Eintrag in der Online-Enzypklopädie Wikipedia den Vornamen "Xerox" zu verpassen, noch zu den harmlosen. Xerox ist ein Drucker- und Kopierhersteller. Schon gibt es Hinweise, dass Guttenberg auch einen Absatz von der Webseite der US-Botschaft, Passagen aus einem Beitrag des Europaabgeordneten Andreas Schwab (CDU) sowie mehrere Absätze aus einer Rede des Juraprofessors Gerhard Casper ohne ausreichende Quellenangabe verwendet habe.

Klare Regeln an der Universität Bayreuth


"Nicht seine Betreuer müssen für den korrekten Umgang mit Zitaten sorgen. Das ist Aufgabe des Doktoranden", betont Felix Hanschmann, einer der beiden Juristen, die die Promotionsaffäre ins Rollen gebracht haben gegenüber der StZ. In den Regeln der Universität Bayreuth zum Umgang mit wissenschaftlichen Fehlverhalten nimmt die "unbefugte Verwertung unter Anmaßung der Autorschaft (Plagiat)" einen hohen Stellenwert ein.

Der Bremer Rechtsprofessor Andreas Fischer-Lescano wundert sich in seiner Rezension der Guttenbergschen Doktorarbeit zum Thema "Verfassung und Verfassungsvertrag: konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU" aber auch unverholen darüber, dass der in seinen Augen schwache Inhalt mit der Bestnote "summa cum laude" gewürdigt wurde. "Der wissenschaftliche Ertrag der Arbeit ist bescheiden", schreibt Fischer-Lescano. "Das liegt vor allem daran, dass der Autor seinen Verfassungsbegriff nicht hinreichend entfaltet und damit weit hinter der wissenschaftlichen Diskussion zurückbleibt".

Guttenbergs Argumentation "mäandert vor sich hin und zermürbt die Leser durch seitenlanges Politsprech und die Nacherzählung rechtspolitischer Diskussionen". Es werde nicht deutlich, "worin der aktuelle Erkenntniswert der seitenlangen Dokumentation zu den Gottesbezügen in Verfassungstexten" liege. Fischer-Lescano kleidet seinen Verriss in eine scheinbar milde Formulierung: "Das Gesamturteil ,summa cum laude' erscheint darum mehr als schmeichelhaft".

Nun gilt der Spruch von den drei Juristen und fünf Meinungen wahrscheinlich auch bei der inhaltlichen Beurteilung von Doktorarbeiten. Trotzdem ist die gute Note für Guttenbers in die Kritik geratene Arbeit für manche Beobachter ein Anlass, auf seine Rolle als Werbeträger für seine alte alma mater hinzuweisen. Beispielsweise haben die Jurastundenten einen Film gedreht, in dem der Minister als Stargast auftritt.

Darin rät er nicht nur generell zum Jurastudium, sondern erklärt ganz direkt, dass dafür "fraglos nur ein Ort" in Frage komme: Bayreuth. Auf der Internetseite der Universität wiederum wirbt Guttenberg mit einem Brief für die Teilnahme an der "World Model United Nations" in Singapur - und beim nächsten Treffen der Rechts- und Wirtschaftsalumnis von Bayreuth im Mai ist er als Gastredner vorgesehen. "Das hat gar nichts mit einander zu tun", betont Frank Schmälzle, der Sprecher der Universität.
Kommentare (11)
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FEB
18
katerramus, 09:20 Uhr

was zum Schmunzeln

die NZZ hat die Geschichte zur Werbung genutzt, einfach rechts auf die Anzeige schauen : http://www.nzz.ch/ nett gemacht

FEB
18
Sabine, 09:02 Uhr

RAGNAROEKR und Jens K.

Es geht nicht darum einen Herrn von Guttenberg zu verunglimpfen. Aber wenn sich die Vorwürfe tatsächlich bestätigen sollten, gehört ihm der Doktortitel entzogen. Es ist sonst ein Schlag ins Gesicht für jeden der seine Dissertation selbst schreibt. Oder gibt es etwa Sonderrechte für Herrn zu Guttenberg. Bei jedem anderen Doktoranden würde es hier Überprüfungen und evtl. Sanktionen geben. Es kann nicht sein, dass hier bei einem Politiker eine Ausnahme gemacht wird. Gleiches Recht für alle.

FEB
18
Roland, 08:37 Uhr

"ragnaroekr"

Immer, wenn man denkt, blöder ginge es nicht mehr,dann kommt so ein Kommentar wie vom Grossgeschriebenen daher..........

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