Karlsruhe Keine Chance für Demo der Neonazis

Von Stefan Jehle 

Die Neonazi-Demo in Karlsruhe ist von Gegendemonstranten verhindert worden. Etwa 2500 Menschen blockierten den Aufmarsch der Rechtsradikalen. Bei Rangeleien mit Demonstranten der linken Antifa wurden acht Polizisten verletzt.

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Karlsruhe - Die Neonazi-Demo in Karlsruhe ist am Samstag von Gegendemonstranten verhindert worden. Etwa 2500 Menschen blockierten am Hauptbahnhof den Aufmarsch der Rechtsradikalen. Bei Rangeleien mit Demonstranten der linken Antifa wurden acht Polizisten verletzt. Die Demo war am Freitagabend vom Verwaltungsgerichtshof genehmigt worden. Am Samstag war der Bahnhofsvorplatz von sieben Uhr morgens abgesperrt, ein massiver Polizeieinsatz mit mehr als 1300 Beamten sollte die verschiedenen Gruppierungen getrennt halten. Doch zu der Demonstration von etwa 200 angereisten Rechtsradikalen kam es nicht. Die Gegendemonstranten hatten sich an den drei mit Absperrgittern begrenzten Zugangsseiten des Bahnhofs postiert, und ließen den Rechten keine Möglichkeit für den geplanten Marsch durch die Ettlinger Straße Richtung Stadtmitte.

Auf dem Bahnhofsvorplatz waren zeitweilig NPD-Flaggen zu sehen. Auf der Ostseite des Bahnhofs befanden sich zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als 1000 Gegendemonstranten. Die Versammlungsbehörde der Stadt Karlsruhe entschied kurzfristig dass die Rechten die Kundgebung auf dem Bahnhofsvorplatz durchführen müssen. Ansonsten hätte, so hieß es, ein gewaltsames Aufeinandertreffen beider Demonstrationsgruppen gedroht. An der Nordseite des Platzes war es zuvor zu Zusammenstößen zwischen linken Demonstranten und Polizeikräften gekommen. Etwa 40 Mitglieder der Antifa hatten die an der Absperrung stehenden Beamten mit Pyrotechnik, Flaschen und Eiern beworfen. Die Polizisten setzten kurzzeitig Schlagstöcke ein. Nach Angaben der Polizei wurden acht Beamte verletzt, einer davon musste im Krankenhaus behandelt werden. Die Antifa spricht auf eigener Seite von 15 Verletzten. Die Polizei würdigte dennoch noch am Samstag „die Vielzahl besonnener und friedlicher Demonstranten“. Nach etwa vier Stunden verließen die Neonazis Karlsruhe wieder. Im Anschluss kam es dabei zu Spontankundgebungen der Rechten in den benachbarten Städten Bruchsal und Mühlacker.

An der Westseite des Bahnhofsplatzes in Karlsruhe fand kurz vor der Mittagszeit eine von der Stadt organisierte Kundgebung statt. Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) hatte unter dem Motto „Karlsruhe zeigt Flagge“ gemeinsam mit mehr als 60 Verbänden und Organisationen den Präsidenten der Industrie- und Handelskammer (IHK), Wolfgang Grenke und den Vorsitzenden des Betriebsrats von Porsche, Uwe Hück, als Redner gewinnen können.

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4 Kommentare Kommentar schreiben

Argument Nahverkehr: Beide Demos hätte man vor dem Hintergrund der ohnehin angespannten Nahverkehrssituation nicht zulassen sollen. Wer am Sa in KA mit der S-Bahn unterwegs war wird mir zustimmen - zu den Baustellen bedingten Umleitungen und Planänderungen kamen dann noch die durch die Demos. Einheimische und Gäste strandeten gleichermaßen und die KVV hatte es wie immer nicht im Griff. MfG Tom

@coco: guter Kommentar!

So kriegt man die Rechten nicht klein: Immer dasselbe Spielchen! Ein gutmeschlich angehauchter OB meint, eine Demo, die nach geltendem recht möglich ist, "verbieten" zu müssen, toll! Ergebnis? Jedesmal dasselbe, die Rechnten ziehen vor Gericht und schon führen sie 1:0. Bravo! Dann geht`s weiter in der linksradikalen Szene, man rottet sich zusammen, um angeblich "das Böse Undemokratische" zu bekämpfen. Zwischenstand? Dir Rechten kriegen zwar keinen "Ballbesitz", führen aber bereits 2:0, wegen der vom linken Mob verletzten Polizisten. Wie bitte passt das zu Meinungsfreiheit? Ignoriert sie doch einfach, lasst sie marschieren, lasst sie grölen, wenn`s ihnen langweilig wird, gehen sie nach Hause. Auch hier passiert das, was immer passiert: Naive Deutsche lassen sich vor einen fremden Karren spannen, oder glaubt hier ernsthaft einer, den Linken läge was am Verschwinden der Rechten?

Hass: "Ansonsten hätte, so hieß es, ein gewaltsames Aufeinandertreffen beider Demonstrationsgruppen gedroht." Für mich passt "Demonstration" und "Gewalt" nicht zusammen. Das Land ist vor der Gewalt eingeknickt. Am Stuttgarter Bahnhof war es der Polizei damals möglich, Gewalt aus einer zehnfach so großen Menge zu verhindern, in Karlsruhe war das hier nicht möglich. Da scheint jemand bei der Polizei arg geschlafen zu haben. Bei den Verantwortlichen scheint keiner dazugelernt zu haben.

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