Katastrophe von Smolensk Was weiß der BND vom Absturz Lech Kaczynskis?

Von Andreas Förster 

Ein neues Buch über die Flugzeugkatastrophe von Smolensk, bei der vor fünf Jahren Polens damaliger Präsident Lech Kaczynski umkam, beschäftigt die polnischen Medien. Der Autor kreidet dem russischen Geheimdienst FSB die Explosion des Flugzeugs an.

Am 10. April 2010 starben im russischen Smolensk der polnische Präsident Lech Kaczynski und mehr als 90 Vertreter der politischen und militärischen Elite Polens. Foto: AFP
Am 10. April 2010 starben im russischen Smolensk der polnische Präsident Lech Kaczynski und mehr als 90 Vertreter der politischen und militärischen Elite Polens.Foto: AFP

Stuttgart - Vor fast genau fünf Jahren starben bei einem Flugzeugabsturz im russischen Smolensk der polnische Präsident Lech Kaczynski sowie hohe Regierungsmitglieder und Militärführer Polens. Ein in diesen Tagen im Düsseldorfer Econ Verlag erscheinendes Buch über die Katastrophe schlägt hohe Wellen in den polnischen Medien – es stellt die These auf, bei dem Absturz könne es sich um einen Anschlag des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB gehandelt haben. Als Beleg für die These zitiert Buchautor Jürgen Roth unter anderem aus einem Dokument des Bundesnachrichtendienstes vom März 2014, in dem ein Komplott aus polnischen Spitzenpolitikern und dem FSB beschrieben wird. Der BND allerdings dementiert auf Anfrage der StZ sehr deutlich.

Am 10. April 2010 war die Präsidentenmaschine, eine Tupolew 154 M, beim Landeanflug auf den Smolensker Flughafen in dichtem Nebel in eine Baumgruppe gerast und zerborsten. Alle 96 Insassen kamen ums Leben. Präsident Kaczynski und seine Begleiter wollten eine Gedenkveranstaltung für ermordete polnische Soldaten besuchen, die vor 75 Jahren vom sowjetischen Geheimdienst im russischen Katyn getötet worden waren. Die Ursachen des Unglücks sind bis heute nicht vollständig aufgeklärt, was auch an Ermittlungspannen der russischen und polnischen Behörden liegt. Vor zwei Wochen erhob die polnische Justiz Anklage gegen zwei Offiziere der russischen Luftraumüberwachung, was die durch die Ukraine-Krise angespannten diplomatischen Beziehungen zwischen Polen und Russland weiter belasten dürfte.

„Verschlussakte S“ mit neuen Einzelheiten

Vor diesem Hintergrund erscheint nun „Verschlussakte S“ von Jürgen Roth. Der renommierte Journalist trägt in dem Buch eine ganze Reihe bekannter, aber bislang auch unveröffentlichter Details zusammen, die aus seiner Sicht die Anschlagsthese stützen. Das bemerkenswerteste Dokument, aus dem Roth zitiert, ist dabei ein Papier des BND vom März 2014.

Es soll sich um eine Art Quellenbericht eines BND-Agenten handeln über seine Gespräche mit einem hochrangigen polnischen Regierungsmitglied und einem führenden Agenten des russischen FSB. Roth zitiert daraus wie folgt: „Eine mögliche Erklärung der Absturzursache der TU-154 am 10.04.2010 in Smolensk liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem Sprengstoffattentat, ausgeführt durch eine Abteilung des FSB im ukrainischen Poltava, geführt durch General Juri D. aus Moskau.“ Der Auftrag für das Attentat sei „direkt“ von einem hohen polnischen Politiker an den FSB-General gerichtet worden. „Wann und wo dieses geschehen sein soll, konnte nicht geklärt werden.“ Der FSB-General habe daraufhin Kontakt mit einer im ukrainischen Poltava stationierten operativen Gruppe um den FSB-Offizier Dmitro S. aufgenommen, der einer auf „wissenschaftliche und technische Dienstleistungen“ spezialisierten Abteilung 3 des FSB angehört.

Der Bundesnachrichtendienst dementiert

Die These, dass hinter dem Absturz ein Komplott aus polnischen Oppositionspolitikern und russischen Geheimdienstlern stecken könnte, ist nicht neu. Schon kurz nach der Katastrophe kamen entsprechende Spekulationen auf, die unter anderem mit einem Milliardendeal des russischen Energiekonzerns Gazprom begründet wurden, den Präsident Kaczynski seinerzeit angeblich blockieren wollte. Nachgewiesen werden konnten diese Thesen nicht. Dass aber auch der BND entsprechende Erkenntnisse gehabt haben soll, wäre neu.

Der deutsche Geheimdienst weist eine solche Behauptung entschieden zurück. „Der BND hat zu keiner Zeit die Auffassung vertreten, geschweige denn gegenüber der Bundesregierung berichtet, bei dem tragischen Flugzeugabsturz von 2010 habe es sich um einen Anschlag handeln können“, sagte BND-Sprecher Martin Heinemann der StZ. Auch das in dem Buch zitierte Dokument kenne man nicht. „Das Dokument vom März 2014 wurde bei einer kurzfristig angestrengten hausweiten Suche nicht gefunden. Ob es sich dabei gegebenenfalls um eine Fälschung handeln könnte, kann hier zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschließend bewertet werden“, so der Sprecher.

8 Kommentare Kommentar schreiben

Katastrophe von Smolensk: In Polen haben schon die Parlaments-Ausschuss, sowie mindestens zwei, wenn nicht drei Konferenzen unabhängiger Wissenschaftler die Tatsache bestätigt, dass es am 10.4.2010 am Bord des TU154M bei Smolensk zu zwei Bombenexplosionen kam. Hier schreibt der Autor des Artikels, als ob es nur "Spekulationen" gab... Bitte besser informieren! Polens ist doch ein Nachbarland, aber man konnte denken es handelt sich um Burundi, oder Bhutan...

Grüße aus Burundi: Herr Jankowski, von welchem Polen sprechen sie denn? In dem Polen in dem ich gerade lebe, glauben nach der letzten Umfrage 51% der Befragten daran, dass es ein Unfall war. Wenn Sie zu der Minderheit gehören (nach dieser Umfrage 31% der Befragten), dann seien Sie doch wenigstens so redlich und erwähnen doch bitte, dass die offiziellen Ermittlungen zu dem Schluss gekommen sind, dass es eindeutig an den polnischen Piloten lag. Nach diesen Ermittlungen gab es keine Bombenexplosionen, eher aufgezeichnete Panik vor dem Absturz... Beste Grüße aus Burundi ehm Warszawa!

Herr Sawicki, wer einen Airbus mit fast 300 unschuldigen Passagieren abschießen kann: So wie jüngst durch die Russen über der Ostukraine, dem kann man dieses Verbrechen mit Sicherheit auch zutrauen. Das können Sie nicht leugnen. Egal wie viele Prozentpolen das glauben oder nicht.

Haben Sie eindeutige Beweise?: Herr Bogunovic, zwei offizielle polnische Kommissionen fanden bisher keine Beweise für ein Attentat. Beweise sind etwas anderes als Vermutungen. Nur weil die russische Armee, das eine Flugzeug abgeschossen hat (dafür gibt es anders als in diesem Fall zahlreiche Indizien und Zeugenaussagen), ist es kein Beweis dafür, dass sie es 2010 getan haben. So haben die Sowjets auch bei den Nürnberger Prozessen argumentiert. Weil die Deutschen in ganz Europa rumgemordet haben, haben sie auch bei Katyń mehrere Tausend polnischer Offiziere umgebracht, so der sowjetische Versuch damals. Nun ja, die westliche Rechtsprechung beruht nun mal auf Beweisen und nicht auf Vermutungen und ideologisch motivierten Wünschen. Wenn ich es richtig verstanden habe, bezieht sich Roth auf ein Dokument des BND und der BND bestreitet es. Weil Vieles im Dunkeln liegt und ein Dokument eines Geheimdienstes, siehe z.B. Irak-Krieg auch zu falschen Schlüssen führen kann, überzeugt mich diese Argumentation nicht. Glauben sie wirklich das die Black-Box-Mitschnitte aus dem Cockpit, die eindeutig auf Panik kurz vor dem Abschluss hindeuten und die ganzen offiziellen Experten, wie die Mehrheit der polnischen Medien sich irren und eine Systemopposition, mit einem verwirrten Herrn Kaczyński an der Spitze, der allen, die die Bürgerplattform gewählt haben, entweder das politische Interesse abspricht oder ein Fehlen an Intelligenz attestiert, recht haben muss? So lange es keine eindeutigen Beweise gibt, gilt auch für die russische Mafia um Putin und vor allem für Donald Tusk und seine Partei die Unschuldsvermutung. Aber gegen Glaubensgrundsätze helfen bekannter Weise keine Argumente und Beweise.

Katastrophe von Smolensk: Herr Jankowski, Sie haben Recht, es ist die einzige Wahrheit zu der Katastrophe von Smolensk: Es war ein Atentat auf die polnische Oposition von 2010.

renommiert?: Bei Recherche im Internet fand ich keinerlei Hinweis, dass der Autor Jürgen Roth "renommiert" sei. "Umstritten" wäre wohl eher angemessen.

Renommiert?: Lieber Herr Hertzer, muss man Ihnen denn sagen wer renommiert ist und wer nicht? Recherchieren sie immer zuerst, bevor sie ein Buch lesen? Lesen sie es doch einfach und bilden sie sich eine eigene Meinung. Die Autorin von Harry Potter gilt als renommiert, heisst das, dass sie gut ist und man auf jeden Fall ihre Bücher lesen muss?

Absturz Lech Kaczynskis?: Derselbe Schwachsinn-Artikel wurde nach kurzer Zeit von der FAZ wieder gelöscht. Stuttgarter Zeitung = BILD

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