Keller Was knarzt denn da so?
Nadia Köhler, 15.01.2010 07:19 Uhr
Im Keller wohnen die imaginären Geister. Foto: dpa
Im Keller wohnen die imaginären Geister. Foto: dpa
Stuttgart - Es gibt nicht sehr viele alleinverantwortliche Tätigkeiten, die man mit sieben Jahren übertragen bekommt. Wer in diesem Alter von seiner Mutter einen Korb und einen Kellerschlüssel in die Hand gedrückt bekommt und dazu den Auftrag: "Du sorgst jetzt dafür, dass dein Vater immer frische Äpfel hat", der muss zugreifen, denn so eine Gelegenheit, seine Selbstständigkeit unter Beweis zu stellen, kommt so schnell nicht wieder.

Einziger Haken an dieser Aufgabe: die Obststeigen lagerten im Keller. Und zwar nicht in einem weiß gestrichenen, mit Neonröhren ausgeleuchteten Untergeschoss irgendeines Neubaus, sondern in einem Keller eines uralten Gemäuers. Allein die steilen, ausgetretenen und kaum beleuchteten Stufen ließen jedes Mal aufs Neue befürchten, dass diese Treppe schnurstracks in ein Verlies führen könnte, in dem Hui Buh, das Schreckgespenst, mit seinen Knochen kegelt. Doch was da unten auf einen wartete, war gruseliger als ein tolpatschiger, übermütiger Spukgeist.

Der Weg zu den Äpfeln führte nur durch eine schwere stählerne Luftschutztür. Beide Hebel knarzten entsetzlich, wenn man sie mit aller Kraft nach unten drückte. Genauso musste es sich anhören, wenn Vampire ihre Sargdeckel öffneten. Tatsächlich wusste niemand so genau, was die Nachbarin, Frau Faltermeyer, hinter ihrem mit dunklen Dielenbrettern vernagelten Verschlag lagerte. Herr Faltermeyer jedenfalls war erst kürzlich verstorben...

Der Vater aß täglich sechs Äpfel. In einen Korb passten 18 Äpfel. Der Gang in den Keller war also jeden dritten Tag fällig. Kein Wunder, dass Obstessen bis heute reine Überwindungssache geblieben ist.
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