
Beim Gautag des Kepler-Gaus in Weil der Stadt (Kreis Böblingen) hatte es unlängst eine handfeste Überraschung gegeben: Christine Schultheiß, seit drei Jahren Präsidentin des Dachverbandes der Chöre im Altkreis Leonberg, legte ihr Amt mit sofortiger Wirkung nieder. Die Belastung sei einfach zu groß geworden, sagte die 34-Jährige, die nicht nur zwei Kinder mit vier und sieben Jahren zu betreuen hat, sondern auch wieder in ihren Beruf als Bankkauffrau eingestiegen und zudem im Liederkranz Gebersheim aktiv ist.
Nach langem Hadern und Überlegen habe sie sich deshalb dazu entschlossen, sich als Aktive ganz aus dem Kepler-Gau zurückzuziehen, sagt Schultheiß. Der Schritt sei ihr schwer gefallen, da sie immer "mit Herzblut" dabei gewesen sei. Doch irgendwann müsse man Prioritäten setzen. Das hat sie nun getan - und das sei "für alle ein bisschen ein Schock" gewesen, sagt der Gau-Chorleiter Kai Müller. Umso mehr, als der Rücktritt dann doch relativ kurzfristig kam, berichtet Müller, der die Entscheidung bedauert; denn Schultheiß habe den Job toll gemeistert. Daher habe man es auch "nicht so richtig ernst genommen", dass die Gebersheimerin "schon länger" ihren Rücktritt erwogen habe. Ein Aspekt, wenn auch nicht der ausschlaggebende, sei bei der letztendlichen Entscheidung auch die mangelnde Resonanz auf die für Juli in Leonberg geplanten Chortage gewesen, räumt Christine Schultheiß ein.
Schon im Zusammenhang mit der jüngsten Arbeitstagung des Kepler-Gaus im Februar hatte sie noch als Präsidentin durchklingen lassen, dass sie sich "mehr Unterstützung zur Anerkennung der ehrenamtlichen Arbeit des Präsidiums" sowie eine rege Teilnahme der Chormitglieder an den Chortagen wünsche.
Ziel der Chortage ist es, die Chöre des Kepler-Gaus zusammen zu bringen. Zudem sollen möglichst viele Menschen für den Chorgesang begeistert und als Mitglieder gewonnen werden. Auch der Chorleiter Kai Müller merkt kritisch an, er denke, "dass manche nicht 100-prozentig zu ihren Aufgaben stehen". Ebenso sieht es Andrea Schnauder, die Pressesprecherin des Kepler-Gaus. Wie Müller weist sie darauf hin, dass die Chortage vor einem Jahr einstimmig beschlossen worden seien. Und dann, so Müller, "geht man auch davon aus, dass alle dabei sind". Das ist aber wohl nicht der Fall; im Gegenteil: Es heißt, manche Chöre dächten gar über einen Austritt aus dem Kepler-Gau nach. "Das stellen wir ihnen frei", sagt Kai Müller dazu.
Damit die präsidentenlose Zeit nicht allzu lange währt, wird nun für den 25. April ein außerordentlicher Gautag anberaumt. Dann soll eine neue Präsidentin gewählt werden. Angelika Puritscher soll es werden. Die erste Vorsitzende der Concordia Flacht hat ihre Bereitschaft erklärt.


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