Kicken im Stuttgarter Westen Fußball verbindet die Völker

Von Claudia Leihenseder 

Sie kommen aus vielen verschiedenen Ländern, den Spaß am Fußball haben sie gemein: immer dienstags kicken junge Flüchtlinge in der Halle des Ebelu im Stuttgarter Westen.

Immer dienstags treffen sich die Fußballbegeisterten ferner Länder in der Sporthalle des Friedrich-Eugen-Gymnasiums. Foto: Claudia Leihenseder
Immer dienstags treffen sich die Fußballbegeisterten ferner Länder in der Sporthalle des Friedrich-Eugen-Gymnasiums.Foto: Claudia Leihenseder

S-West - Der Fuß von Fabian Schönleber ist auf dem Ball. „Kann ich den haben?“, fragt Mustafa ungeduldig und versucht ein überzeugendes Grinsen. „Erst baut ihr die Tore auf“, antwortet der Sportlehrer. „Die bauen auf, und ich kann ja schon mal spielen“, versucht es der 17-Jährige Syrer im Bayern-Trikot. Vergebens. Auch er muss warten, bis Khaled, Ismail, Atta und die anderen die Fußballtore aufgestellt haben. Dann – endlich – geht es los.

So oder so ähnlich fängt wohl fast jedes Fußballtraining an: mit ungeduldigen Jungs und geduldigen Trainern. Doch hier, immer dienstags um 18.45 Uhr in der Sporthalle des Friedrich-Eugen-Gymnasiums (FEG), ist etwas anders: Es spielen bunt zusammengewürfelt junge Flüchtlinge aus vielen verschiedenen Ländern – und können ihre Sorgen, Probleme oder das Heimweh für eineinhalb Stunden vergessen.

Jungs aus Marokko, Afghanistan oder Eritrea

Wie etwa Khaled Alosman. Vor sieben Monaten ist der 15-Jährige aus Syrien in Deutschland angekommen. Allein, ohne Mutter oder Vater. Ins Gesicht geschrieben ist ihm das allerdings nicht. Fröhlich spielt er mit den anderen Jungs aus Marokko, Afghanistan oder Eritrea. Schnappt sich den Ball, kickt ihn nach vorn, spielt ab – und jubelt über das Tor seines Mitspielers aus Albanien. „Ich habe auch in Syrien in zwei Mannschaften gespielt“, erzählt Khaled in passablem Deutsch. Warum er zum Flüchtlingskick ins FEG kommt? „Weil ich gerne Fußball spiele“, sagt er und lächelt. Seine Leidenschaft geht inzwischen so weit, dass er in der B-Jugend des SSC Stuttgart spielt.

Leidenschaft bringt auch sein Kumpel Mustafa Ahmad mit. Die beiden kennen sich aus dem Kernerheim, der Erstanlaufstelle für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Der 17-jährige Syrer wohnt inzwischen allerdings in Böblingen in einer WG – und kommt trotzdem jede Woche nach Stuttgart zum Kicken.

Froh, in Deutschland zu sein

So weit hat es Atta Toryalai nicht. Er muss nur von der Forststraße, wo er seit drei Monaten wohnt, ums Eck zur Sporthalle des FEG finden – und schon kann es losgehen. Toryalai sticht ein wenig aus dem Haufen von Jungs heraus. Er sieht älter aus und spricht zunächst kein Wort. Dann kommt er selbst auf die Bank und fängt an zu erzählen: „Ich bin 28 Jahre alt und zum dritten Mal hier dabei“, sagt er höflich auf Englisch. Er sei sehr froh, in Deutschland zu sein – und Fußball spielen zu dürfen: „Wir lieben Fußball. Wir lieben unseren Coach. Hier ist es gut. Merkel ist gut.“ Dann steht er wieder auf und mischt sich unter die Spieler.

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