Kilianskirche in Heilbronn Scherbenhaufen statt Glaskunst

Von Brigitte Fritz-Kador 

Nach jahrelangem Streit landen die Entwürfe für die Fenster der Heilbronner Kilianskirche in der Schublade. Ein Kunsthistoriker triumphiert, die Künstler gehen leer aus.

Die Entwürfe für die Fenster der Kilianskirche in Heilbronn von Foto: Fritz-Kador
Die Entwürfe für die Fenster der Kilianskirche in Heilbronn vonFoto: Fritz-Kador

Heilbronn – Ein Scherbenhaufen – mehr ist nicht mehr übrig von der einstmals mit viel Euphorie und Einsatz betriebenen Idee, die Fenster im Chor und in einem Seitenschiff der Heilbronner Kilianskirche mit zeitgenössischer Glaskunst zu gestalten. Die Entwürfe werden in einer Schublade im Dekanat landen.

Vier Jahre dauerte der Streit, der eigentlich nur Verlierer kennt, auch wenn sich der Kölner Kunsthistoriker Cornelius Steckner als Sieger fühlen mag. Steckner sah in dem Vorhaben das Urheberrecht an dem von seinem Großvater Charles Crodel in den 60er Jahren gestalteten Fensterwerk verletzt. Im Laufe der Zeit wurde er selbst ernannten Hüter über die gesamte Kirche. Bis heute schickt er „eigene“ Gutachter los, spinnt Verschwörungstheorien und lässt auch landeskirchliche Gremien nicht außen vor.

Als Sieger werden sich auch jene Heilbronner fühlen, die sich zu Wort meldeten, in ihrer Argumentation aber oft übers Ziel hinaus schossen. So wurde versucht, mit Begriffen wie Plagiat, sexuell aufgeladener Motivwahl und teils obszönen Vergleichen versucht, vor allem die Künstlerin Xenia Hausner zu desavouieren. Von ihr und von dem Esslinger Künstler Bernhard Huber stammen die von einer Jury ermittelten Fensterentwürfe, für deren Verwirklichung der Verein für die Kilianskirche sein Spendengeld von derzeit knapp 600 000 Euro aufwenden wollte.

Der Kunsthistoriker Streckner darf sich als Sieger fühlen

Der Kunsthistoriker Steckner hat vor einem Jahr seine Urheberrechtsklage nur einen Tag vor der Verhandlung am Stuttgarter Landgericht zurückgezogen. Zuvor hatten Kirche und Verein aufgrund der Klage zwei teure Gutachten erstellen lassen, die eine Urheberrechtsverletzung nicht für plausibel hielten. Seither konzentriert Steckner sich auf den Sanierungsbedarf der Kirche.

Um diesen neuerlichen, teils haltlosen Vorwürfen zu entgehen, wurde ein drittes, noch teureres Gutachten erstellt. Daraus geht ein kleiner akuter, langfristig allerdings auch ein höherer Sanierungsaufwand hervor – 2,7 Millionen Euro innerhalb von bis zu zehn Jahren.

Die Schlussfolgerung für den Verein: Er wird der Bitte der Kirche entsprechen und ihr fast seinen gesamten Spendenstand für die Sanierung der Kirche überlassen: Die Summe entspricht den Kosten für die Gerüstarbeiten. Die Sitzung, in der dieser Beschluss gefasst wurde, war geprägt von vielerlei Emotionen, auch weil der gesamte Vereinsvorstand sich im Herbst wegen einer anonymen Anzeige wegen „Untreue im Umgang mit Spenden“ gegenüber der Staatsanwaltschaft erklären musste.

Der Bildhauer und gewählte Jury-Vorstand für die Kunstfenster, der Bildhauer Gunther Stilling, sprach angesichts des Umgangs mit den Künstlern von einem „Geist der Lügen und der Täuschung“ und dem „Triumph des Wohnzimmergeschmacks“ einflussreicher Bürger. Als deren Sprecher beschwor der Heilbronner Unternehmer Klaus Kölle den Verein, die „Spaltung der Bürgerschaft“ zu verhindern. Ein öffentlicher, sachlicher, kunsthistorischer Diskurs indes fand nie statt.

Der Dekan entschuldigt sich bei Bildhauerin Xenia Hausner

Stark betroffen von dem Streit zeigt sich Dekan Otto Friedrich, der nicht ohne Bitterkeit und Selbstkritik auf die Vorgänge zurückblickt. Dass in Heilbronn ein kleiner Kreis von Bürgern als informelle Gruppe letztlich erfolgreich darin gewesen sei, die von einem repräsentativ gewählten Gremium ordnungsgemäß gefassten Beschlüsse zu torpedieren, habe mehrere Gründe.

Ein „Brennen für die neuen Glaskunst“ sei in der Stadt nicht zu bemerken gewesen. Kaum einer habe sich in dem Streit zu Wort gemeldet. Man habe aber auch selber Fehler in der Kommunikation begangen. Sollten die Entwürfe von Xenia Hausner und Bernhard Huber je wieder herausgeholt werden, müssten ihnen die neu gewählten Gremien dafür Rückendeckung geben, sagt Friedrich. Alle notwendigen Genehmigungen liegen vor.

In einem Schreiben an Xenia Hausner hat Friedrich sich dafür entschuldigt, was man ihr in Heilbronn angetan hat. Xenia Hausner will sich nicht mehr äußern, aber ihre materiellen Ansprüche geltend machen, notfalls auf juristischem Weg. Steckner droht damit, bei jedem Versuch, die Kunstfenster verwirklichen zu wollen, seine Klage wieder aufleben zu lassen.