Kinder-Uni Einfach mal beim Laufen Vokabeln büffeln

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Wer sich bewegt unterstützt sein Gehirn beim Lernen. Diese wissenschaftliche Erkenntnis erklärt Nadja Schott vom Institut für Sport- und Bewegungswissenschaft der Universität Stuttgart am Freitag bei der Kinder-Uni. Die Nachwuchs-Studenten bauen dabei auch ein Gehirn nach und lernen, wie es sich entwickelt.

Nadja Schott lässt die  Studenten immer wieder aufstehen. Foto: Uni
Nadja Schott lässt die Studenten immer wieder aufstehen.Foto: Uni

Stuttgart - Das Gehirn ist nicht von Geburt an komplett mit all seinen verschiedenen Regionen vorhanden. Es entwickelt sich – gewissermaßen von hinten nach vorne. Wie sich das genau verhält, erklärt Nadja Schott vom Institut für Sport- und Bewegungswissenschaft der Universität Stuttgart heute bei der Kinder-Uni. Und zwar sehr anschaulich, denn die Nachwuchsstudenten werden im Laufe der Vorlesung ein Gehirn basteln, das mit jeder Minute komplexer, aber auch perfekter wird.

„In einem jungen Gehirn gibt es ein weit verzweigtes Netz aus Feldwegen. Da kann man nicht mit einem Ferrari mit 180 Kilometern pro Stunden durchbrausen. Da braucht es gut ausgebaute Autobahnen, die sich im Laufe der Entwicklung unter anderem beim Lernen bilden. Da kann man dann mit einem Ferrari auch 220 Kilometer schnell fahren“, erklärt die Sportwissenschaftlerin. Und beim Lernen hilft Bewegung. Das hat man in vielen wissenschaftlichen Studien herausgefunden.

Sauerstoff hilft den Hirnzellen beim Lernen

„Wer sich bewegt und viel Sport macht, ist zwar nicht unbedingt schlauer als andere Menschen, aber er kann besser lernen“, sagt die Professorin. Durch die Bewegung werde das Gehirn besser durchblutet und mit Sauerstoff versorgt. Das helfe den Hirnzellen beim Lernen. Damit lerne man zwar nicht schneller, aber man werde aufmerksamer. Und wer aufmerksam sei, könne genauer reagieren, und damit werde auch die Leistung besser. Für die Schule bedeutet dies: Eigentlich sollten die Kinder mindestens einmal pro Schulstunde aufstehen, sich kurz recken und strecken oder eine Runde durchs Klassenzimmer drehen. Dann ginge das mit dem Rechnen, Lesen und Schreiben viel besser, meint die Expertin. In ihren Vorlesung hält sie sich daran, ihre Studenten bewegen sich im Hörsaal. Und einen Tipp für das Lernen daheim hat sie auch parat: Beim Vokabeln büffeln oder angesichts kniffliger Rechenaufgaben einfach mal loslaufen – das gilt übrigens auch für Jugendlichen, Eltern und Großeltern.

Die 47jährige Nadja Schott ist schon viel herumgekommen in der Welt und hat überall Kinder getroffen, denn sie hat mit Straßenkindern gearbeitet, beispielsweise drei Jahre lang in Indien oder auch in Papua-Neuguinea. Direkt nach dem Tsunami vor zehn Jahren war sie in Thailand und hat mit traumatisierten Kindern gearbeitet. Dabei hat sie die Bewegung als Mittel zum Zweck eingesetzt, damit die Kinder überhaupt über das Erlebte reden konnten.

Mittlerweile ist sie seit fünf Jahren an der Uni Stuttgart und erforscht, wie sich Bewegung auf das Denken und Lernen auswirkt – sowohl bei Kindern als auch bei älteren Erwachsenen. Denn schließlich kann bei der Hirnentwicklung oft genug etwas schief gehen.

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