Kinderwissen Durchtriebene Kuckucksfrau

Von Kinderchefreporter Paul 

Der Vogel ist beim Täuschen anderer Vögel noch raffinierter als gedacht.

Einfallsreicher Brutparasit: Der Kuckuck legt seine Eier in fremde Nester. Foto:  
Einfallsreicher Brutparasit: Der Kuckuck legt seine Eier in fremde Nester. Foto:  

Stuttgart -

Dass der Kuckuck seine Eier in fremde Nester legt, weißt Du sicherlich. Wenn dann das Kuckuckskind aus dem Ei schlüpft, ist das für die ungewollten Adoptiveltern echt schlimm: Sie füttern ein Riesenbaby, das meist viel größer ist als sie selbst – und das die eigentlichen Eier und Vogelkinder mit der Zeit aus dem Nest wirft, weil es dann die ganze Aufmerksamkeit seiner Eltern und damit auch viel mehr Futter ­bekommt.

Eigentlich ist das ziemlich fies, aber für die Kuckuckseltern ist es nun einmal ein einträgliches Geschäft: Sie müssen sich nur um die Eiablage kümmern – den Rest übernehmen dann die hinters Licht geführten fremden Vogeleltern. Brutparasitismus nennen das die Biologen. Forscher an der britischen Universität Cambridge haben herausgefunden, dass insbesondere das Kuckucksweibchen bei seinen Betrugsmanövern sogar noch viel durchtriebener vorgeht, als bisher bekannt war: Es lenkt die Nestbesitzer mit seinem Ruf ab – und der ist dem Ruf eines Sperbers recht ähnlich.

Der Sperber ist ein Raubvogel, der gerne auch denjenigen Vogelarten nachstellt, in deren Nest die Kuckucksfrau ihre Eier legt. Dazu zählt insbesondere der Teichrohrsänger. Jetzt haben die britischen Wissenschaftler herausgefunden, dass ein Kuckucksweibchen einen Teichrohrsänger durch einen sperberähnlichen Ruf verwirrt hat, nachdem es ein Ei gelegt hat. Es kam, wie es kommen musste: Der Teichrohrsänger versuchte, den vermeintlichen Feind zu entdecken, und war deshalb abgelenkt. In dieser Zeit legte die Kuckucksdame ihr Ei in das fremde Nest.

Anzumerken ist, dass die Kuckucksfrau nicht – wie das Männchen – „Kuckuck“ ruft, sondern ganz anders, nämlich eine Art „Kiii-kiii-kiii“. Das klingt offenbar für die Teichrohrsänger wie ein gefährlicher Sperberruf. Denn als die Forscher den Rohrsängern gezielt Aufnahmen von Sperbern und Kuckucksweibchen vorspielten, ließen sie sich von den Vogelrufen ablenken. Der „Kuckuck“-Ruf von Kuckucksmännchen hingegen beeindruckte die Teichrohrsänger nicht.