Ravensburg - Nach den Missbrauchsvorwürfen gegen ein ehemaliges Kinderheim der kirchlichen Stiftung Piuspflege im oberschwäbischen Attenweiler (Kreis Biberach) hat sich die Staatsanwaltschaft der Sache angenommen. Es werde ermittelt, sagte ein Sprecher der Anklagebehörde Ravensburg am Mittwoch auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa. Über die zuständige Diözese Rottenburg-Stuttgart soll das Opfer gefunden werden, dass sich beim Nachrichtenmagazin "Spiegel" gemeldet hatte. Dann werde geprüft, was passiert sei, was nachweisbar sei, wer die Taten begangen habe und ob diese möglicherweise bereits verjährt seien.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, machte sich am Mittwoch auf den Weg nach Rom zu einem Gespräch mit Papst Benedikt XVI. über die Welle von Missbrauchsfällen in katholischen Einrichtungen. Der Freiburger Erzbischof will dem Papst an diesem Freitag in einer turnusmäßigen Audienz Bericht erstatten.
In Ravensburg will sich eine Kommission des Bistums nach Angaben eines Sprechers am 18. März und hinter verschlossenen Türen mit den Vorwürfen befassen. Am Freitag hatte der Diözesanrichter bereits mit drei Opfern gesprochen, die sich beim Bistum gemeldet hatten. Bis zur Kommissionssitzung soll auch mit dem ehemaligen Pfarrer des Kinderheims gesprochen werden, dem die Taten vorgeworfen werden. Der Diözesanrichter legt der Kommission dann seine Ergebnisse und Bewertungen vor. Darüber berät die Kommission und empfiehlt dem Bischof ein mögliches weiteres Vorgehen, erklärte der Sprecher. Vertreter von Staatsanwaltschaft oder Polizei hätten sich bislang aber noch nicht in der Diözese gemeldet.
Der Vorsitzende der Piuspflege war am Mittwoch zunächst nicht zu erreichen. In einem früheren Interview mit der "Schwäbischen Zeitung" hatte Pater Alfred Tönnis aber bereits gesagt, als Rechtsnachfolger müsse die Piuspflege sich entschuldigen, wenn sich die Anschuldigungen bewahrheiteten.