Kino "Tal der Wölfe" erntet Zuspruch
Simone Käser, 03.02.2011 11:51 Uhr
 Foto: Verleih
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Stuttgart - Auf der Empore sind fast alle Plätze belegt. Während die letzten Zuschauer schnell und leise auf ihre Plätze huschen, wird auf der Leinwand ein überdimensionaler Fleischspieß eingeblendet: Werbung für einen Dönerladen. Bis auf gelegentliches Murmeln und das Rascheln der Popcorntüten ist es still im Kinosaal des Ufa-Palasts - die Besucher warten gespannt, dass "Tal der Wölfe - Palästina" endlich beginnt; jener Film, der aufgrund seiner antisemitischen Haltung schon im Vorfeld Kritik erntete ».

Letzte Woche lief der umstrittene türkische Film, nachdem die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) ihm in erster Instanz zunächst die Freigabe verweigert hatte, nach Revision doch in den deutschen Kinos an. "Letzten Donnerstag, um 15 Uhr, bekamen wir die Freigabe", sagt Peter Haberlik. Er ist der Theaterleiter im Stuttgarter Ufa-Palast und kann einschätzen, ob eine Produktion erfolgreich startet. "Generell hat ein guter Streifen rund 6000 Besucher pro Woche. Von dieser Zahl können wir bei ,Tal der Wölfe' klar ausgehen. Die Nachfrage war von Anfang an sehr hoch."

"Türkisches Kino boomt"


Die Filmszenen spiegeln sich in den Reaktionen der Kinobesucher wider. Ist das vom Actionheld Polat Alemdar geführte türkische Sondereinsatzkommando erfolgreich im Kampf gegen die "jüdischen Bösewichte", breitet sich in den Sitzreihen augenblicklich erleichtertes Lachen aus. Geht dagegen ein Schuss daneben, zucken die vornehmlich männlichen Besucher unterschiedlichen Alters auch schon Mal erschrocken zusammen.

Schon seit einigen Jahren erreichen türkische Filme sehr gute Besucherzahlen. "Das hat damit zu tun, dass das türkische Kino in den letzten Jahren einen Boom erlebt hat, und damit, dass es in Deutschland eine gute Basis an türkischsprachigen Zuschauern gibt", sagt Matthias Roesch. Er ist der Geschäftsführer der Stuttgarter Firma Kinostar Filmverleih. Sie ist seit drei Jahren Marktführer für den Verleih türkischer Filme.

Anfangs habe es auch Versuche gegeben, die Filme zu synchronisieren, die aber schnell wieder eingestellt wurden. "Die Filmbesucher sprechen vorwiegend Türkisch und wollen die Originalsprache hören. Ein synchronisierter Film ist nie so gut wie das Original", sagt Roesch. Also wurde auf Untertitel umgestellt. Aber den brauchen in der Nachmittagsvorstellung die wenigsten. Das Publikum ist überwiegend türkischsprachig.

Heftige Debatten


In der Winterzeit läuft wöchentlich ein türkischsprachiger Film im Ufa an. "Damit holen wir uns ein neues Publikum ins Haus, vergraulen zum Teil aber das alte", sagt der Ufa-Theaterleiter Haberlik. Über die Entscheidung, diesen umstrittenen Film zu zeigen, habe es intern heftige Debatten gegeben. "Es war grenzwertig, aber wir sind schließlich ein Wirtschaftsunternehmen", sagt er. Die Altersbeschränkung von 18 Jahren prüft das Kino sowohl an der Kasse als auch beim Einlass. Das war in der Vorstellung klar zu sehen.

Der Abspann läuft. Auf der Empore klatschen die Kinobesucher dem türkischen Actionhelden Polat Alemdar und seiner Truppe für ihren "erfolgreichen Einsatz" Beifall. Die Distanz der Kritiker ist dem Publikum offenbar reichlich fremd.
Kommentare (2)
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FEB
04
GarthEnnis, 06:47 Uhr

Oh Mann...

....und das Abendland macht sich in die Hosen, wenn in einem Ego-Shooter mal ein paar Talibans dran glauben müssen oder besser noch, mal wieder Karikaturen über eine Gottheit auftauchen. Sorry, dieser Film gehört definitv nicht in deutsche Kinos. Und ich schliesse mich meinem Vorschreiber an.. den Satz sollte man sich einrahmen.

FEB
03
ich, 14:50 Uhr

so siehts aus

"Es war grenzwertig, aber wir sind schließlich ein Wirtschaftsunternehmen" aus dem ganzen artikel ist mir nur dieser sehr schöne satz im gedächtnis geblieben der ziemlich gut den heutigen zeitgeist in industrie und wirtschaft wiederspiegelt. das sind doch mal wirklich wahre worte.