Kinokritik: American Assassin Gewaltbereite Männer außer Kontrolle

Von Bernd Haasis 

Beinharte, sinnfreie Action treibt einen Agenten-Schleifer und seine aufmüpfigen Schüler an, die jeder ihrem eigenen Racheplan folgen.

Übungsrangelei mit Messer : Michael Keaton und Dylen O’Brien in „American Assassin“. Foto: Verleih 13 Bilder
Übungsrangelei mit Messer : Michael Keaton und Dylen O’Brien in „American Assassin“. Foto: Verleih

Stuttgart - Dies ist einer jener Filme, in denen Menschen zu Brei gefahren, Frauen verprügelt und Fingernägel ausgerissen werden. Er unterstellt dem Iran, er wolle das Atomabkommen unterlaufen. Eine Bombe explodiert, die Amerikaner kommen mit dem Schrecken davon und verschwenden keinen Gedanken ans nun nuklear verseuchte Mittelmeer. Zu lernen gibt es nur dies: Wenn dir einer Böses will, dreh ihn durch den Fleischwolf.

Blanke Rache und sonst nichts treibt Mitch an, dessen Verlobte kurz nach seinem Antrag am Urlaubsstrand von Islamisten massakriert wurde. Als Konsequenz infiltriert er als Selbstjustizler im Alleingang eine islamistische Zelle, wonach ihn die CIA aufgreift und dem beinharten Schleifer Hurley überstellt, der menschliche Kriegsmaschinen heranzüchtet. Bald kommen sie einem Abtrünnigen auf die Spur, der das US-Militär mit Anschlägen überzieht.

Diese gewaltbereiten Männer sind außer Kontrolle

Michael Keaton gibt dem eindimensionalen Bootcamper Hurley zumindest eine stramme Statur, kommt mit solchen B-Rollen aber wieder ins Karriere-Trudeln nach seinem sensationellen Comeback mit „Birdman“. Dylan O’Brien („Maze Runner“) und Taylor Kitsch („John Carter“) als Meisterschüler dagegen sind kaum voneinander zu unterscheiden – zornige Ziegenböckchen unter sich. Beide sind auf ihre Art aufmüpfig, echte Loyalität kennt hier niemand, was beunruhigenderweise bedeutet: Diese gewaltbereiten Männer sind letztlich außer Kontrolle. Der Abtrünnige diente einst den USA und fühlte sich dann verraten – ein uraltes Motiv und ein „Skyfall“-Abklatsch, nur ohne die Eleganz und den Größenwahn, ohne die ausgeklügelten Szenarien von „Mission: Impossible“, ohne den inneren Konflikt bei „Bourne“.

„Homeland“-Regisseur Michael Cuesta hat eine saubere Action-Oberfläche inszeniert: Spektakulär steigt der Atompilz, ein Flugzeugträger kippt, Agenten rennen, rasen und schießen vor Postkartenkulisse in Istanbul und Rom – ganz sinnfrei.