Kinokritik zu Thor – Tag der Entscheidung Donnerwetter, der Hammer fehlt!

Von Gebhard Hölzl 

Thor schwingt bekanntlich den größten Hammer im Superhelden-Universum von Marvel. Im Kinoneustart „Thor: Tag der Entscheidung“ ist das wuchtige Werkzeug weg. Der neuseeländische Regisseur Taika Waititi impft der Heldenwelt hier viel Selbstironie ein.

Das erstgeborene Gotteskind hat mehr Macht: Cate Blanchett als  herrschsüchtige Hela in „Thor: Tag der Entscheidung“ Foto: Verleih 8 Bilder
Das erstgeborene Gotteskind hat mehr Macht: Cate Blanchett als herrschsüchtige Hela in „Thor: Tag der Entscheidung“ Foto: Verleih

Stuttgart - Zack! Bang! Wums! Seit Superman 1938 abhob, begleiten Helden mit übernatürlichen Fähigkeiten das Zeitgeschehen. Der Verlag DC, gut im Geschäft dank Batman und Superman, bekam ab 1939 Konkurrenz durch Marvel, wo noch heute Spider-Man, Wolverine, der Hulk, Doctor Strange und Black Widow in Diensten sind. „Rächer in höherem Auftrag“ waren in jedem Jahrzehnt der amerikanischen Geschichte sehr gefragt. Bald tummelten sich die agilen Herrschaften etwas weniger agil, die Tricktechnik war noch ncht so weit, auch im Fernsehen und im Kino. Filmklassiker entstanden dabei keine.

Richtig „marvelous“ läuft es im Kino für die Marvel-Helden aber seit 2007. In jenem Jahr hat Kevin Feige den Posten des Produktionschefs bei den Marvel Studios übernommen. Seit seiner Jugend ist er ein Comicfan, die von ihm verantworteten Filme, darunter der Superhit „Marvel’s The Avengers“, haben weltweit über zwölf Milliarden Dollar eingespielt. Längst ist er selbst ein Supermann, Hollywoods „Goldjunge“, der aus einem Fundus von über 5000 Typen­ schöpfen kann. Er ist der wahre Guardian Of The (Marvel-)Galaxy, die er mit eiserner Hand, Übersicht und einer guten Nase für angesagte Charaktere regiert. Als Familienverband treten die mit unverwechselbaren Eigenschaften ausgestatteten Damen und Herren gerne auf, teilen sich jedoch eine (Fantasie-)Welt. Dieser Aspekt des „shared Universe“ eint die Kinogänger, jeder kann mit seinem Idol mitfiebern und gleichzeitig zusehen, was dessen Kollegen treiben.

Hippiehaupt und Hirschgeweih

So nun auch bei Göttersohn Thor (Chris Hemsworth), dem markigen Germanen unter den stromlinienförmigen US-Boys, der in „Thor: Tag der Entscheidung“ seinen dritten Soloheldenauftritt absolviert. Neue Story, alte Probleme: Der Hammer namens Mjölnir ist weg, das wallende Hippiehaupthaar einer modischen Kurzhaarfrisur nebst gestutztem Hipster-Bart gewichen. Gegnerin diesmal ist die ältere Schwester Hela, lustvoll verkörpert von der wie eine Domina ledergewandeten Cate Blanchett. Helas Haupt ziert ein Hirschgeweih, aus dem sie Kraft bezieht.

Die Götterwelt Asgard hat sie erobert, im genretypischen Wettlauf gegen die Zeit versucht nun der Zweitgeborene – und ­damit in Sachen Superkräften Hela Unterlegene – seinen Weg zurück in die Heimat zu finden, um Ragnarök zu verhindern, die Götterdämmerung. Doch zuvor muss er noch – Brot und Spiele sind auch im Universum angesagt – einen Gladiatorenkampf bestehen mit seinem alten Verbündeten, dem Avenger Hulk (Mark Ruffalo), gewohnt grün, grimmig und gigantisch.

Sehen Sie hier den Trailer zum Film:

Die Story ist – nicht wirklich überraschend – dünn. Was zählt, sind die 3-D-Effekte, Schauwerte und Heldentaten. Optik ist alles, spektakulär die Ausstattung, versponnen das Kostümdesign. Die Action hält sich mit der Tricktechnik ungefähr die Waage, als großer Trumpf der Sagen-Gaudi besticht der schräge, durchaus selbstironische Humor. Dafür ist der neuseeländische Regisseur Taika Waititi verantwortlich, der sich mit der Vampirgroteske „Fünf Zimmer, Küche, Sarg“ international einen Namen gemacht hat – eine clevere Verpflichtung, die Feiges Handschrift trägt.

Mit Blick auf die Rente

Hemsworth steht sympathisch und frech grinsend, jedoch ohne schauspielerisch aufzufallen, als stählerner Titan seinen Mann, derweil Tom Hiddleston („Kong: Skull Island“) als Loki, Idris Elba („Luther“) als Heimdall und Anthony Hopkins als Thors Papa Odin ihre Parts gewohnt souverän abspulen – wobei Letztgenannter wohl primär mit Blick auf seine Rentensicherung mitgewirkt hat.

Darstellerisch punktet Neuzugang Jeff Goldblum als fieser Grandmaster, Veranstalter der finalen Speer-und-Sandalen-Variante, die im Prinzip einem Hightech-Videospiel gleicht. Hier lässt Stanley Tuccis Caesar Flickerman aus „Die Tribute von Panem“ grüßen. Fehlt noch die Augenweide: Valkyrie heißt die weibliche Kampfmaschine, Tessa Thompson („Westworld“) gibt den „Avengers“-Neuzugang. Altbewährtes, das Trommelfell strapazierendes Blockbusterkino von der Stange ist dieser Superhelden-Film – Fortsetzung folgt garantiert.

Thor: Tag der Entscheidung. USA 2017. Regie: Taika Waititi. Mit Chris Hemsworth, Cate Blanchett, Tom Hiddleston, Mark Ruffalo, Idris Elba. 130 Minuten. Ab 12 Jahren.