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Stuttgart - Die katholischen Verbände in der Diözese Rottenburg-Stuttgart kritisieren die von Bischof Gebhard Fürst verfügte Absage einer Tagung über Kirche und Sexualität an der katholischen Akademie in Hohenheim. Das Thema Sexualität dürfe in der heutigen Zeit kein Tabuthema sein - "auch und vor allem nicht in der katholischen Kirche", sagt Harald Hellstern, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft katholischer Organisationen und Verbände in der Diözese. Andernfalls bekomme die Kirche ein zunehmendes Akzeptanz- und Glaubwürdigkeitsproblem. In der Arbeitsgemeinschaft sind 36 katholische Verbände mit 90.000 Mitgliedern zusammengeschlossen.
Die Tagung hätte im Oktober unter dem Titel "Let's think about Sex" stattfinden sollen. Theologen, Sexualwissenschaftler und Journalisten sollten über das Verhältnis von katholischer Sexualmoral und offener Gesellschaft sowie über Missbrauchsfälle sprechen. Sie alle sind jetzt ausgeladen worden. Der Bischof soll zunächst in die Vorbereitungen der Tagung eingebunden worden sein, nicht aber in die Umsetzung des Konzepts einschließlich der Auswahl des Titels. Dem Vernehmen nach hat er sich an dem Design der Veranstaltung und letztlich auch explizit an dem Titel "Let's think about Sex" gestört.
Die Basis fordert einen Dialog ohne Tabus
Angesichts der bestehenden Spannungen zwischen verschiedenen Strömungen in der katholischen Kirche fürchtete der Bischof offenbar eher eine Polarisierung als eine Unterstützung des laufenden Dialogs. Viele Gläubige und Gemeinden fordern im Zuge der Diskussionen über Missbrauchsfälle eine rasche Erneuerung der katholischen Kirche. Demgegenüber sehen wertkonservative Kreise genau in diesen Prozessen eine Gefahr für die Zukunft der Kirche. Es heißt, gegen die Tagung hätten vor allem Vertreter der konservativen Strömung in der katholischen Kirche protestiert, weil sie sich bei der Veranstaltung als nicht ausreichend repräsentiert sahen.
Laut den katholischen Verbänden ist die Begründung, den Dialogprozess zwischen Kirchenleitung und der Basis nicht stören zu wollen, nicht aufrechtzuerhalten. "Mit dem Verbot der Tagung wird das Gegenteil erreicht", erklärte Hellstern. Viele Verbandsmitglieder von der Basis hätten nun das Gefühl, einen Maulkorb verpasst zu bekommen. Dies führe dazu, dass man die Sinnhaftigkeit des Dialogprozess hinterfrage. Die Verbände fordern nun einen offenen Dialog ohne Tabus.
Auf Anfrage erklärte ein Sprecher der Diözese, dass sich Bischof Fürst Diskussionen zum Thema Sexualität durchaus stellen wolle. "Fragen wie Sexualmoral müssen diskutiert werden", erklärte er und verwies auf diverse Jugendforen, wo dies durchaus geschehe. "Diese Themen sind keinesfalls tabu", betonte er. Zur Frage nach einen Ersatz der abgesagten Veranstaltung gab er jedoch keine Auskunft.


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Let's do it in the dark!
Das Thema ist da, das Thema wird bleiben. Wenn man sich religiös wie gesellschaftlich drumherum drückt, offen über Sex zu denken bzw. zu reden, dann passiert das eben im Verborgenen, im Dunkeln. Damit ist den Millionen von Prostitierten, Homosexuellen, Vergewaltigten und Menschen, die immer noch rot anlaufen wenn sie das Wort Busen oder Penis hören bzw. aussprechen, nicht geholfen. Sex ist kein Tabu. Das sollte auch die katholische Kirche langsam aber sicher mal merken. Da ist Frau Käßmanns Formulierung" Sexualität ist ein Geschenk Gottes" doch viel zutreffender.
Zähneknirschend
Wer zähneknirschend jahrzehntelang auf Sex verzichten muss, der möchte halt nicht auch noch darüber dikutieren. Der Verzicht auf Sex muss zu pathologischen Zuständen führen. Daher sind Päpste des Mittelalters gute Vorbilder, denn sie hatten Frauen und Kinder.
Aktionärsversammlung zum Thema Sex
Unangenehmes anzusprechen, Missstände zu diskutieren, Lösungen finden, das gehört zu jeder Aktionärsversammlung, mit der sich o.g. kath. Veranstaltung durchaus vergleichen lässt - jeder Katholik ist ein Aktionär seiner Kirche im übertragenen Sinne. In der freien Wirtschaft hätte man, wenn der Aktienkurs und Absatz Richtung rot läuft einen Topmanager wie Bischof F. längst mit hoher Abfindung herauskomplimentiert. Zu gutem (Kirchen-)Management gehört Kenntnis des Marktes und die Reaktion auf aktuelle Veränderungen, Bedürfnisse, durch gutes Marketing seine Schäfchen bei der Stange zu halten, sonst laufen sie weg und werden vom bösen Wolf (Heuschrecken-Konkurrenz!) gefressen. Also mal Nachhilfe bei sog. "Werbefuzzis" nehmen, dann kommen die Anglizismen auch nicht mehr so schwer über die Lippen...