Klassengrößen Lehrer wenden sich gegen die CDU
Renate Allgöwer, 28.01.2012 14:23 Uhr
In der Tübinger Geschwister-Scholl-Schule lernen Kinder mitunter selbstständig – ganz unabhängig vom Klassenteiler. Foto: dpa
In der Tübinger Geschwister-Scholl-Schule lernen Kinder mitunter selbstständig – ganz unabhängig vom Klassenteiler. Foto: dpa
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Stuttgart - Die CDU ist auf dem Weg, sich mit den Gymnasiallehrern zu überwerfen. Auslöser ist der Klassenteiler. Der Philologenverband empört sich, "es ist für die Glaubwürdigkeit der CDU nicht sonderlich förderlich, wenn die Politik des früheren CDU-Kultusministers Helmut Rau heute aus den eigenen Reihen als falsch abqualifiziert wird". Segensreich sei die Bildungsoffensive gewesen, lobt Bernd Saur, der Vorsitzende des Philologenverbands, und die Senkung des Klassenteilers sei ihr Herzstück.

Der Ärger trifft vor allem die Junge Union. Deren Vorsitzender Nikolas Löbel hatte am Wochenende der Nachrichtenagentur dpa erklärt, aus seiner Sicht sei es kein Unterschied, ob ein Lehrer 20 oder 30 Kinder vor sich habe. Er sieht keinen Sinn in der Senkung des Klassenteilers: "Diese Diskussion wird nie ein Ende nehmen." Löbel war noch einen Schritt weiter gegangen und hatte angesichts der Haushaltslage auch noch gefordert, Lehrerstellen zu streichen.

Die Pädagogen machen Löbel jetzt deutlich, dass "die Klassengröße eine zentrale Rolle spielt, wenn es um Zuwendung und Zeit der Lehrkraft für die Förderung jedes einzelnen Schülers geht". Das gelte besonders in den Fremdsprachen, betont Bernd Saur. Für Doro Moritz, die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sind die Ideen der Jungen Union "ein Offenbarungseid". Damit stelle sich die CDU bildungspolitisch ins Abseits.

28 Kinder pro Klasse sind zu viel

Auch Peter Hauk, der Oppositionsführer im Landtag hatte bei der CDU-Klausur in Schöntal den Klassenteiler als die entscheidende Größe für das Personalmanagement in den Schulen infrage gestellt. Gegenüber der Stuttgarter Zeitung relativierte Hauk am Montag: "Ich habe das ausdrücklich nicht mit der Forderung verbunden, von einer Senkung abzuweichen." Auch sehe er, anders als die Junge Union "in der jetzigen Situation keinen Anlass zur Streichung von Lehrerstellen" - außer natürlich denen, die für die von der Union bekämpften Gemeinschaftsschulen und für den Schulversuch neunjähriges Gymnasium notwendig seien, betont Hauk.

Jedoch seien weitere Instrumente nötig, um den Personalbedarf an Schulen zu ermitteln. "Wir müssen uns sicher daran orientieren, wie der Förderbedarf an einzelnen Schulen ist", führte Hauk weiter aus. Damit ist die Opposition nicht weit von der Regierungslinie entfernt. Die Grünen betonen, "die reine Fokussierung auf den Klassenteiler lenkt den Blick vom Wesentlichen". Ihre bildungspolitische Sprecherin Sandra Boser hält andere Maßnahmen wie einen Stundenpool oder die Ganztagsschule für pädagogisch effizienter als die Senkung des Klassenteilers.

Auch die Kultusministerin will "die Ressourcen künftig dort einsetzen, wo sie wirklich gebraucht werden". Die neue Nachdenklichkeit in der CDU wertet Boser als eine Bestätigung, "dass die Bildungsoffensive nicht durchfinanziert war". Die FDP dagegen hält an der Senkung des Klassenteilers fest. Für einen erfolgreichen Unterricht sei es unabdingbar, dass die Klassen nicht zu groß seien. Das ist auch die Linie der GEW. In der Grundschule sei der pädagogische Nutzen unbestritten, sagt Moritz. In der Grundschule seien 28 Kinder pro Klasse zu viel, an den weiterführenden Schularten sollte der Teiler auf 28 sinken, fordert die GEW.

Kommentare (11)
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FEB
18
Mutter, 19:11 Uhr

Klassenteiler

Wenn der Klassenteiler bei 30 ist, wieso sind hier in Heidelberg (Gymnasium) die Klassen mit 31 Schülern besetzt. Die Kinder klagen ständig über Kopfschmerzen, weil es so laut ist. Keine guten Bedingungen zum Lernen.

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JAN
29
Stuttgarter, 12:53 Uhr

Schön!

Sehr schön, dass man sich in den Zeiten des demographischen Wandels so unglaublich toll um den Nachwuchs kümmert. Auch der CDU müsste mittlerweile aufgegangen sein, dass ca. 2035 Deutschland weltweit den größten Anteil von Bürgern über 60 Jahren hat. Schön, dass man sich jetzt so sorgsam um die Jungen bemüht! Meine Güte, mehr als bis zur Nasenspitze sollte man schon denken können.

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JAN
29
Marc Tz., 12:01 Uhr

Ehrlichkeit?

Die Politik ist hier wieder mal nicht ehrlich & konsequent: Vor kurzem war ausführlich zu lesen, dass Personalausgaben fast 50% des Landeshaushalts ausmachen und daher dort zwingend gespart werden müsse, so dass der Haushalt wieder ins Lot komme (also die ständige Neuverschuldung aufhört). Wie passt dazu die deutliche Senkung der Klassenteiler, also auf Deutsch: Mehr teures Lehrerpersonal bzw. kein logischer Abbau von Lehrerstellen bei sinkender Schülerzahl infolge demographischer Entwicklung?

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