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Stuttgart - Angebot und Nachfrage gehen in der Gastronomie nicht immer Hand in Hand, was unkalkulierbaren Faktoren wie der Lage, der Zeit oder der Mund-zu-Mund-Propaganda zuzuschreiben ist. Was Ersteres angeht, liegt das Klein und Fein etwas abseits im hintersten Eck der City, und doch läuft es gut - auch dank der elektronischen Medien: Auf Facebook konnten Fans die Entstehung der Lokalität verfolgen, um dann nach den ersten Besuchen auf dem Bewertungsportal Qype viel Lob zu posten. Zudem ist die Chefin Brigitte Alkan-Reimann keine Unbekannte: 17Jahre lang war sie Teil der schwäbischen Familieninstitution namens Kochenbas, nun hat sie sich von der "starken Persönlichkeit" der Mutter gelöst und macht ihr eigenes Ding. Sicherheitshalber primär als Mittagstisch, doch wegen der Nachfrage soll der Abendbetrieb nach den Ferien auf den Donnerstag ausgeweitet werden.
Der Name der Location gilt zuerst für die Räumlichkeit selbst, die so klein ist, dass man die eng zusammengestellten Zweiertische kaum verlassen kann, ohne groß Aufhebens zu machen. Die Bänke sind mit gestreiftem Filz im Retrolook verkleidet, an den Wänden hängt echtes und an der Decke falsches Porzellan in Form einer Tapete. Und auf die Tische kommt "schwäbische Küche, modern gekocht". Zuständig dafür ist Sebastian Neid, der nach der Pleite des noblen Gui auch ein Lied von den unkalkulierbaren Faktoren singen könnte. Unterstützt wird er hinterm Sichtfenster zur Küche von Frank Tetzel.
Auch die Hauptspeisen sind deftig
Die schwäbischen Tapas (7,80 Euro) sind eine große und grobe Vorspeise: zwei Vollkornbrotscheiben mit Leber-, Blutwurst und Sauerkraut - aber mit feinem Schäumchen. Auch die Hauptspeisen sind deftig: Die Tomatensauce zum Kalbsbäckle mediterraner Art (17,80 Euro) ist etwas säuerlich wie auch das Senfdressing des großen Salats zum gefüllten Kräuterflädle auf Portpfifferlingen (14,60 Euro). Trotzdem: Man spürt, dass hinter zartem Fleisch, fester Polenta, fluffigem Flädle gute Produkte und souveränes Handwerk stehen, das allerdings erst beim Nachtisch filigran wird. Das Himbeereis auf Schokobrownie (5,80 Euro) begeistert die Begleitung - schade nur, dass das zweite Dessert auch eine Schokokreation ist, was eben nicht alle mögen. Zudem enttäuscht der Service an unserem Abend - die Chefin ist nicht im Haus - mit schlechtem Timing und schlechtem Blick für Nichtstammgäste.
Gelobt seien die Weine: Der Trollinger vom Hausberg Kriegsberg interessiert uns weniger, wir gehen lieber fremd mit einem kräftigen Barbazul (5,90 Euro) aus dem Sherry-Anbaugebiet. Aber auch die vertrauteren Tropfen aus Heilbronn (je 2,90 Euro für 0,1 Rosé und Riesling von Kießling) gefallen uns. Und wenn wir jetzt trotz des überschwänglichen Lobs anderer drei Sterne für die Küche geben, dann heißt das immer noch: gut - was oft gut genug ist.
Klein und Fein, S-Mitte, Kronenstraße 45, Telefon 0711/ 72232396 klein-fein-stuttgart.de.
Geöffnet: Mo bis Do 11.30 bis 14.30, Fr 11.30 bis 23, Sa 18 bis 23 Uhr. Ferien bis zum 21. August.
Die Bewertung
Küche ***
Service **
Ambiente ****
***** = herausragend, **** = überdurchschnittlich, *** = gut, ** = Luft nach oben, * = viel zu verbessern
Die Beurteilung berücksichtigt auch das Preis-Leistungs-Verhältnis. Das günstige Lokal um die Ecke wird nach anderen Kriterien bewertet als ein Sternerestaurant. Der Test gibt Aufschluss über die Tagesform der Küche


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