Fellbach
 
Kleine Lichtblicke in Problemregion
"Fellbach und Rems-Murr-Kreis", 16.09.2011 02:43 Uhr
Stetten. Beim Infoabend der Kernen-Masvingo-Gesellschaft sorgt ein Reisebericht mit Diashow für positive Einblicke. Von Simone Käser

Manchmal sind es kleine Dinge, die ein Land in einem anderen Licht erscheinen lassen: Kinder, die ihr Foto auf dem Display einer Kamera bestaunen, Waisen, die stolz ihre Pateneltern auf dem Schulhof herumführen oder Touristen, die der Natur auch nachts im Zelt ganz nah sind. Die Erlebnisse von Familie Kopp lassen die dunklen Seiten von Simbabwe etwas in den Hintergrund treten. "Wir haben uns den Aufenthalt viel schwieriger vorgestellt. Man hat schon so viel Negatives gehört, aber es lief problemlos", sagt Klaus Kopp.

Von ihrer vierwöchigen Reise erzählte die Waiblinger Familie am Mittwoch beim Infoabend der Kernen-Masvingo-Gesellschaft (KMG) im Stettener TV-Heim. Und der Bericht fiel auf fruchtbaren Boden. Schließlich waren viele der Anwesenden selbst schon mindestens einmal zu Besuch in dem afrikanischen Land. "Dort ist immer noch vieles im Argen, aber es ist toll mal einem so positiven Bericht zu lauschen", sagte der Vorsitzende der Kernen-Masvingo-Gesellschaft, Christian Fleischer.

Seit dem Jahr 2008 wird Simbabwe von Staatschef Robert Mugabe und Oppositionsführer Morgan Tsvangirai in einer Einheitsregierung geführt. In den 90er-Jahren war Simbabwe ein blühendes Land. Doch in den 20 Jahren, die seitdem vergangen sind, gab es einen großen Wandel und Robert Mugabe begann als Diktator, das Land herunter zu wirtschaften. "Aber so schlimm, wie allerorts berichtet wird, ist es nicht. Glaubt man dem Auswärtigen Amt und Medienberichten, dürfte man dort nicht hinreisen, aber ich bin immer heil zurückgekehrt", sagt Dieter Kaiser. Er ist seit den ersten Tagen des Vereins im Jahr 1990 Mitglied in der KMG und hat das problembelastete Land mittlerweile schon 21 Mal bereist. "Gerade der Tourismus und das Engagement von jedem Einzelnen sind ja von großer Bedeutung für die langfristige Verbesserung der Situation", sagt Dieter Kaiser. Er habe afrikanische Patenkinder, die ihn schon zum Opa von "drei schwarzen Enkeln" gemacht hätten, sagt Kaiser.

Auch für die vierköpfige Familie Kopp aus Waiblingen war der Wunsch nach einem Patenkind ausschlaggebend für die Reise nach Simbabwe. Ursprünglich hatte die Familie, die schon in mehreren afrikanischen Ländern war, andere Reisepläne. "Doch für die von uns geplante afrikanische Region hätten wir eine Gelbfieberimpfung benötigt. Das wollten wir unter keinen Umständen", sagt Karin Kopp. Also entschieden sich Klaus und Karin Kopp gemeinsam mit den Kindern Daniel und Annika nach Simbabwe zu reisen. "Damit war die Mitgliedschaft in die KMG und damit auch die Idee, ein Patenkind von dort zu haben, klar", sagt Karin Kopp. Während ihrer Reise machten die Waiblinger bei der Bondolfi-Schule Station, besuchten Tierparks und kamen dabei mit Land und Leuten in Kontakt. "Es waren durchweg positive Begegnungen, und jeder wollte wissen, wie es uns gefällt", sagt Klaus Kopp. Auch wenn Ferien waren, beschrieb er die Stimmung in der Missionsstation von Bondolfi in Simbabwe, wo sich unter anderem Schwester Katharina um Patenkinder von Kernenern kümmert, "wie im Film Sister Act".

Die Familie lernte auch ihr neunjähriges Patenkind Loice kennen. "Die Kleine ist Vollwaise, darf aber bei Angehörigen leben", sagt Karin Kopp. Auf die Frage nach den allgemeinen Umständen in Simbabwe berichteten die Waiblinger den rund 25 Zuhörern von schlechten Sanitäranlagen, hohen Preisen und einer zu geringen Ernte. "Aber wir haben niemanden Hunger leiden sehen, und es gab keine gefährliche Situationen". Die wichtigste Frage bewahrte sich die alte Garde der KMG für die Neuen bis zum Schluss auf: Gibt es ein nächstes Mal? "Klar. Wir reisen wieder nach Simbabwe", kam es einstimmig.

Info Die 8. Simbike mit dem Motto "Hilfsgüter für Masvingo" startet am Sonntag, 10 Uhr, Parkplatz beim St.-Rambert-Stadion.

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