Klinikum Stuttgart „Goldener Handschlag“ für Schmitz

Von Jörg Nauke 

Der Stuttgarter Gemeinderat hat am Donnerstag der Aufhebung des Vertrags mit dem Klinikumschef Ralf-Michael Schmitz mit sofortiger Wirkung zugestimmt. Der 55-Jährige erhält eine stattliche Abfindung.

Ralf-Michael Schmitz ist nicht mehr Geschäftsführer des Klinikums. Foto: Lg/Achim Zweygarth
Ralf-Michael Schmitz ist nicht mehr Geschäftsführer des Klinikums.Foto: Lg/Achim Zweygarth

Stuttgart - Das Stuttgarter Klinikum trennt sich mit sofortiger Wirkung von seinem Geschäftsführer Ralf-Michael Schmitz. Der Gemeinderat hat am Donnerstag in nichtöffentlicher Sitzung einem Auflösungsvertrag zugestimmt. Das bestätigten Parteienvertreter ebenso wie die Höhe des Abfindungsbetrags von 900 000 Euro. Der Betrag soll sukzessive ausbezahlt werden. Schmitz war bisher mit rund 400 000 Euro pro Jahr der am besten verdienende Geschäftsführer eines städtischen Eigenbetriebs. Zudem war er 2014 mit einem langfristigen Vertrag bis 2021 ausgestattet worden. Der 55-Jährige soll angekündigt haben, den vorzeitigen Ruhestand anzustreben.

Teile des Gemeinderates wollten den Rechtsweg beschreiten

Im Gemeinderat wurde die Kündigung von Teilen der SPD und von SÖS-Linke-Plus abgelehnt. Nein-Stimmen und Enthaltungen wurden auch damit begründet, dass die Belegschaft diesen „goldenen Handschlag“ nicht verstünde. Schmitz sei ohnehin bekannt dafür gewesen, die Mitarbeiter schlecht zu behandeln. Und es gebe gute Chancen, einen Arbeitsgerichtsprozess gegen Schmitz erfolgreich durchzuziehen. Diese Meinung teilen die Juristen unter den Stadträten allerdings nicht; sie sollen stattdessen auf das moderate Verhandlungsergebnis hingewiesen haben.

Geschäftsführer Schmitz steht nicht nur wegen des Umgangs mit dem Personal und einem Defizit von 27 Millionen Euro in der Dauerkritik, auch sieht man die Verantwortung für die Millionenverluste beim Libyen-Projekt wohl in erster Linie bei ihm. Zudem gibt es einen ebenfalls vom Rechnungsprüfungsamt monierten Dienstleistungsvertrag mit Kuwait, der das Ziel definiert, eine orthopädische Klinik zu optimieren und Operationen durchzuführen. Die Partner sind allerdings unzufrieden und halten deshalb Zahlungen zurück. Das Rechnungsprüfungsamt untersucht die Verantwortung der Geschäftsführung. Schmitz ist für das Geschäftsjahr 2014 bisher nicht entlastet worden. Es soll am Donnerstag auch mitgeteilt worden sein, dass Schmitz durch die Vertragsauflösung nicht aus der Haftung für ein eventuelles Fehlverhalten entlassen würde. Die Stadt strebt offenbar an, aus einer Geschäftsführerversicherung einen niedrigen Millionenbetrag einzunehmen.

Trennung hatte sich angedeutet

Das Ende der Ära Schmitz hatte sich abgezeichnet. Spätestens als nach dem Bekanntwerden der Kündigung des Klinischen Direktors Jürgen Graf Krankenhausbürgermeister Werner Wölfle (Grüne) deutlich machte, die Neustrukturierung ohne Schmitz’ Mithilfe anzugehen, standen die Zeichen auf Abfindungsvereinbarung.

Den Stadträten wurde mitgeteilt, es werde wohl von den sich bewerbenden Personen abhängen, ob künftig ein Arzt die alleinige Geschäftsführung übernehme und ihm ein Kaufmann helfe, oder ob man zur Doppelspitze zurückkehre, die Schmitz noch gut kannte: Nachdem sich das Klinikum 2004 zwangsweise vom externen Management der Sana AG getrennt hatte, leitete er bis Ende 2006 mit Jürgen Matschke den Eigenbetrieb. Letzterer verabschiedete sich aber nach nur 18 Monaten in Richtung Ansbach. Seitdem stand Schmitz allein an der Spitze des Unternehmens.

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9 KommentareKommentar schreiben

Unfassbar: Für 900 000 Euro muss ein "normaler" Mitarbeiter des Klinikums Stuttgart 15-20 Jahre lang arbeiten. Das ist die ABFINDUNG für denjenigen, unter dessen Führung das Klinikum Stuttgart nicht nur ökonomisch, sondern insbesondere auch fachlich tief gesunken ist... Das ist wirklich unfassbar.

Ich sehe mal wieder...: ...ich habe in meinem Leben alles falsch gemacht. Ich habe Mitarbeiter und Untergebene nicht schlecht behandelt, ich habe nicht Millionenverluste produziert - und werde deshalb auch nicht mit einer knappen Million in den unverdienten Vorruhestand gehen können. Glückwunsch, Herr Schmitz!

Abfindung: Na danke auch, die Mitarbeiter sollen sparen, sparen, sparen und dann bekommt die Person, die ordentlich Mist gebaut hat, eine riesige Abfindung, die sozusagen als Abschiedsgruß von den Mitarbeitern erwirtschaftet werden muss. Die Damen und Herren im Gemeinderat dachten sich wohl, auf eine Million Verust mehr kommt es nun auch nicht mehr drauf an, vielleicht sollten sie so großzügig, auch mal die Gehälter, des viel zu überlasteten Personals bedenken.

Na wunderbar : Unsere Eliten predigen Tag ein Tag aus, dass wir länger arbeiten müssen, am besten über 70. Und die oberen, die streben einen Ruhestand mit 55 an. Na super!

900.000 € Abfindung?: Für was? Für die Geschichte, die er schrieb Nicht schlecht Herr Specht! Weiter so mit den Einnahmen, die vom Bürger stammen! Es lohnt auf alle Fälle! Unfassbar! Was für eine schräge und unfaire Welt, in der wir leben! ABWARTEN, WIR WERDEN BESTIMMT OCH VIEL UNANGENEHMES LESEN UND ZU SPÜREN BEKOMMEN, GANZ SICHER! Gruß vom Motzkigele

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