Klinikumzug Hasskampagne von Abtreibungsgegnern

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Der Ton der radikalen Abtreibungsgegner wird immer schärfer: Sie wollen den Umzug der Klinik des Ehepaars Stapf noch verhindern. Krankenhausbürgermeister Wölfle spricht von „massiven Attacken“.

Der Arzt Friedrich Stapf ist   im Visier von radikalen Abtreibungsgegnern. Anfang kommenden Jahres muss seine Klinik den jetzigen Standort verlassen. Foto: dpa
Der Arzt Friedrich Stapf ist im Visier von radikalen Abtreibungsgegnern. Anfang kommenden Jahres muss seine Klinik den jetzigen Standort verlassen.Foto: dpa

Stuttgart - Radikale Abtreibungsgegner haben die anvisierte und eigentlich geheim gehaltene zukünftige Adresse der Abtreibungsklinik Stapf herausgefunden und daraufhin eine Hasskampagne gestartet. Das Ziel: den Umzug noch zu verhindern. Auf einer christlich-fundamentalistischen Internetseite, die Abtreibung mit dem Holocaust gleichsetzt, hat der selbst ernannte Lebensrechtler Klaus Günter Annen eine lange Liste an Post- und E-Mail-Adressen sowie Telefonnummern veröffentlicht, die „Sie gerne für Ihren Protest verwenden“ dürften.

Kontakte zur Stapf-Klinik tauchen dort auf, die Adressen der städtischen Bürgermeister und der Gemeinderäte, aber auch die Daten von Vertretern des Immobilienbesitzers, der Hausverwaltung sowie der Mieter aus dem Gebäude.

Immobilienfirma plant rechtliche Schritte

Dem Aufruf folgte offenbar ein regelrechtes Bombardement mit E-Mails und mit Briefen. Auch eine Protest­demonstration soll angekündigt worden sein. „Die Nachrichten sind extrem hetzerisch“, sagt ein Vertreter der Immobilienfirma mit Sitz im Ausland. Zuerst sei nur eine Mitarbeiterin belästigt worden, nach und nach seien immer mehr seiner Angestellten von den Abtreibungsgegnern angeschrieben worden, um sie einzuschüchtern. Zu den Unterzeichnern habe auch eine sogenannte Christlich Soziale Arbeitsgemeinschaft gehört. Die Firma plane, rechtliche Schritte einzuleiten, um ihre Mitarbeiter zu schützen.

Wie berichtet, muss die Stuttgarter Abtreibungsklinik, die Friedrich Stapfs Ehefrau Nicole gehört, zum Ende des Jahres eine städtische Immobilie an der Türlen­straße räumen. Entsprechend erleichtert klang der Mediziner, als er Ende Oktober berichten konnte, neue Räume gefunden zu haben, auch wenn noch kein Mietvertrag unterzeichnet sei. Nun jedoch gibt Stapf, der auf der radikalen Internetseite übel verunglimpft wird, „keinen Kommentar“ ab. Das zeigt, wie brisant die Geschichte ist. Es ist bekannt, dass sich der bundesweit bekannte Abtreibungsarzt bereits vor Gericht erfolgreich gegen Klaus Günter Annen gewehrt hat. So darf dieser die Straße, in der die Münchner Dependance liegt, inzwischen nicht mehr betreten.

Bürgermeister kritisiert die Attacken

Auch Krankenhausbürgermeister Werner Wölfle (Grüne) weiß von den aktuellen „massiven Attacken“. Er zählt selbst zu den Opfern der Kampagne der radikalen Abtreibungsgegner. Die Stadt sei mit dem Vermieter im Gespräch und werde „alles unternehmen“, damit diese „Fanatiker“ nicht bekämen, was sie wollten. Er sei von der „Vehemenz der Szene“, die bundesweit agiere, selbst überrascht worden. „Ich will auf keinen Fall, dass die gewinnen“, stellt Wölfle klar. Er kündigt an, vom städtischen Rechtsamt juristische Schritte prüfen zu lassen. Er schätze die Meinungsfreiheit sehr, so der Bürgermeister, aber diese persönlichen Attacken gingen zu weit. „Das dürfen wir nicht zulassen“, sagt der Krankenhausbürgermeister – und sichert Friedrich Stapf seine „klare Unterstützung“ zu.

Bei Pro Familia Baden-Württemberg wird begrüßt, dass die Stadt tätig werden will, schließlich erachtet die Gesellschaft für Familienberatung eine wohnortnahe Versorgung mit einer qualitätsvollen Abtreibungsklinik als sehr wichtig. Auch die Beratungsstellen von Pro Familia haben bereits ihre Erfahrungen mit den Abtreibungsgegnern gemacht: „Die handeln richtig verbrecherisch und üben Druck aus“, kritisiert Ruth Weckenmann, die erste Vorsitzende von Pro Familia Baden-Württemberg. Sie versuchten, betroffene Frauen einzuschüchtern und sie zu kriminalisieren. Damit werde aber die Gesundheit der Frauen aufs Spiel gesetzt.

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3 Kommentare Kommentar schreiben

Für das Leben!: Was wollen Abtreibungsgegner denn eigentlich und was treibt sie an gegen Abtreibung zu sein ? Es ist schon eigenartig, daß man das erklären muß. Würde ein Mensch ein Kätzchen oder einen Welpen zerstückeln - er wäre ein Tierquäler und würde zu Recht verurteilt werden. Wenn so was bekannt wird - geächtet wäre er in der Gesellschaft. Wörter wie "bestialisch" , "grausam" würden fallen. Und wie gehen wir mit unserem eigenen Nachwuchs um ? Wir gehen wir um mit der Frucht unseres Leibes ? Es gibt kein Recht auf Abtreibung, aber ein Recht auf Leben! Die Duldung des Gesetzgebers ändert doch nichts an der Tatsache daß ein Menschenleben vernichtet wird. Das Recht des Menschen darauf leben zu dürfen kann kein Gesetz verbiegen und umdeuten. Haben wir wirklich nur noch Herzen aus Stein in der Brust daß das keiner mehr spürt – will denn niemand mehr den unschuldigsten Menschen, den ungeborenen Kindern helfen, deren Schrei niemand hört ? Ist es nicht verständlich daß es schier unerträglich ist solch einen „Betrieb“ vor der eigenen Haustüre zu haben wenn man so empfindet ? Ausgerechnet in Deutschland in einem der reichsten Länder der Welt soll es nicht möglich sein ein Kind zur Welt zu bringen aus Furcht vor finanziellen Nachteilen? Ausgerechnet hier bei uns müssen jedes Jahr über 100000 Menschen getötet werden ? das waren 2013 laut statistischem Bundesamt bei 250 Arbeitstagen 412 Menschen pro Arbeitstag – jeder einzelne Fall ist ein Menschenleben. Ich finde man kann da nicht abwägen was das kleinere „Übel“ ist. Ein Menschenleben ist kein Übel sondern ein Glück über das wir uns freuen sollten. Man kann auch nicht argumentieren daß ein ausgetragenes und zur Adoption freigegebenes Kind ja unter Umständen sich nicht recht wird entwickeln können wenn es herausfindet daß schon seine eigene Mutter es nicht haben wollte. Unstrittig ist doch wohl daß das Kind Lebt und das zählt ! Für mich ist eine Mutter die austrägt und zur Adoption freigibt keine Rabenmutter - eher eine Heldin! Nicht Dr. Stapf und seine Kliniken sind das Problem sondern unsere Einstellung zum Leben ist das Problem und diese Einstellung muß sich ändern.

Wer hasst die Produzenten ungewollter Schwangerschaften ? : Natürlich keiner, denn es geht bei diesem vermeintlichen Liberalismus nur um eine lukrative Geschäftsidee mit den Schwächen der Menschen. Es ist klar, dass dieses Thema seit 50 Jahren angeblich politisch durch ist, jedoch sollte die Gewissensbildung nicht abgeschlossen sein ! Es würde einer angeblich kinderfreundlichen Stadt gut zu Gesichte stehen, wenn sie trotz eines Bundesgesetz-Auftrages, auf eine solche Klinik verzichten würde !

Nur dummer Hass: Ich versteh nicht, wie so ein Dummkopf soviel Zulauf bekommt. Das mit dem Holocost zu vergleichen, wo man selektiv und systemmatisch Menschen quälte und umbrachte, geht zu weit! Der *** soll man hinschauen, was mit den Frauen und Kinder wird, die derartig auf die Welt erpresst wird. Keine Frau oder Arzt entscheidet oder treibt aus freien Stücken ab. Die sogenannten Christen predigen von der Liebe und lassen jeden Sonntag ihren Heiligenschein schwirren, dann das! Was ist eigentlich mit den Männer? Davon keine Rede! Hass und Krimalisierung statt Ermutigung und Annahme! Wir wissen auch, was passierte, als Frauen weder abtreiben noch ihr Kind bekommen konnte, und sind gottfroh, daß diese Zeiten vorbei sind. Die Frauen eine Chance bekommen. Es kommt oft das Gegenargument, das Kind zur Adoption freizugeben. Aber sowohl die Frau als das Kind muß die Schwangerschaft und Geburt überstehen, gesundheitlich und emotional. Was wird aus den Kinder? Wie kann man jemanden zwingen, das Kind zu lieben und anzunehmen? Man geht gerne von der heilen Welt aus, aber was ist mit Verwaltigungen oder zu frühe Schwangerschaften? Was ist, wenn die Eltern das emotional nicht schaffen, (noch) ein Kind? Hier sieht man nur die Tat, die Abteibung. Man richtet über die Köpfe aller hinweg. Kein Richter würde so urteilen, sondern abwägen! Das zeugt wenig von Christenliebe!

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