Weitere Kreise
 
 
Klinikverbund Südwest „Arbeitsklima hat sich verbessert“
Gerlinde Wicke-Naber, 17.02.2012 10:19 Uhr
Der Sindelfinger Oberbürgermeister Bernd  Vöhringer ist momentan  Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikverbunds Südwest. Foto: factum/Weise
Der Sindelfinger Oberbürgermeister Bernd Vöhringer ist momentan Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikverbunds Südwest. Foto: factum/Weise

Böblingen - Nach einem turbulenten Jahr, in dem der langjährige Geschäftsführer des Klinikverbunds nach internen Querelen plötzlich abgetreten war, hat nun der Sindelfinger Oberbürgermeister Bernd Vöhringer am 1. Januar den Vorsitz im Aufsichtsrat des Klinikverbunds übernommen. Im Gespräch mit unserer Zeitung spricht er darüber, was nun besser werden soll und welche Perspektiven er für den Verbund sieht.

Herr Vöhringer, was wollen Sie nun anders machen?

Also erst einmal habe ich auch nur eine Stimme. Wir sind drei Gesellschafter und dann haben wir noch zahlreiche Aufsichtsräte. Deshalb kann ich nicht alleine einen neuen Kurs vorgeben.

Aber die Richtung, in die es gehen soll, kennen Sie schon?

Wir werden einiges verändern. So denken wir darüber nach, die Zuständigkeiten des Geschäftsführers ein wenig zu verändern und den Aufsichtsrat bei verschiedenen Entscheidungen noch besser einzubinden. Bei Personalentscheidungen nicht nur auf der Führungsebene, sondern auch auf der zweiten Ebene planen wir zum Beispiel die Einbindung des Aufsichtsrats durch einen Personalausschuss. Zudem werden wir die Rolle der Ärztlichen Direktoren stärken.

Das ist die Konsequenz aus der Affäre Weiß, der als zu mächtig gegolten hat. Wann kommt der neue Geschäftsführer?

Die Stelle ist ausgeschrieben. Bisher haben wir 30 Bewerber. Spätestens im Juni wird die Entscheidung fallen, vielleicht aber auch früher. Doch momentan sind wir mit der Geschäftsführerin Frau Frank sehr zufrieden. Das Klima hat sich mit ihr positiv verändert. Das merken wir auch an Kleinigkeiten. So war die Weihnachtsfeier des Personals in der Sindelfinger Klinik viel besser besucht als in den vergangenen Jahren.

Sie sagen, das Betriebsklima wäre besser geworden. Die Betriebsräte klagen jedoch über ein nicht ausreichendes Mitspracherecht.

Da habe ich aber vom Chef des Gesamtbetriebsrats ganz anderes gehört. Er hat die Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung sehr gelobt. Im Übrigen sitzen in allen unseren Aufsichtsräten Mitglieder des Betriebsrats. Dazu sind wir nicht verpflichtet. Das machen wir freiwillig. Die Mitgliedschaft im Aufsichtsrat mit Sitz und Stimme ist die höchste formelle Mitsprache eines Betriebsrats.

Trotzdem gilt die Suche nach Personal und vor allem das Halten qualifizierter Mitarbeiter als das größte Problem. Der Verbund konkurriert mit anderen Kliniken auf einem leer gefegten Stellenmarkt.

Das ist richtig. Deshalb müssen wir ein attraktiver Arbeitgeber sein. Dazu wird gerade von Frau Frank und ihrem Team eine Pflegekonzeption erarbeitet. Zudem gibt es neue attraktive Ausbildungsgänge zum Beispiel in der Intensivpflege. Wir arbeiten aber auch an Themen wie der Kinderbetreuung für die Mitarbeiter. Auch der anvisierte Klinikneubau auf dem Flugfeld ist eine gute Perspektive und zeigt, dass der Verbund vorwärtsgeht.

Ein Manko, das immer wieder beklagt wird, sind die Strukturen der Holding. Ergeben sechs Aufsichtsräte wirklich Sinn? Wäre nicht ein einheitliches Gremium besser?

Dieses Argument höre ich immer wieder. Solche Strukturdiskussionen sind für die Politik offensichtlich spannend. Es ist aber viel wichtiger, sich auf die wesentlichen Fragen des Klinikverbunds zu konzentrieren, statt über Gremien zu diskutieren. Viel wichtiger ist, dass wir uns um die Perspektiven des Verbunds kümmern. Wir brauchen eine einheitliche medizinische Konzeption für die ganze Holding. Daran arbeiten wir. Das ist in der Vergangenheit nicht immer optimal gelaufen.

Die kleinen Häuser des Verbunds fürchten, dass sie die Verlierer sein könnten. Erst recht, wenn die avisierte Flugfeldklinik kommt.

Dafür sehe ich keinen Anlass. Auch die kleinen Kliniken sind hervorragend ausgestattet. Leonberg hat die Gefäßchirurgie und erhält jetzt einen Linksherzkathetermessplatz. Herrenberg hat eine gute Geburtenstation. Es war in den vergangenen Jahren die ausdrückliche Politik des Geschäftsführers, den Fokus auf die kleinen Häuser zu legen.

Legt die Stadt etwas für einen eventuellen Klinikneubau auf dem Flugfeld zurück? Das Geld dazu hätten Sie mit mindestens 104 Millionen Euro Gewerbesteuereinnahmen.

Für das neue Klinikum stellen wir zunächst nichts ein. Zumal ja auch die Grundüberlegung vom damaligen Geschäftsführer Gunther Weiß war, dass die Klinik sich im Wesentlichen tragen muss aus den Landesmitteln und der Effizienzsteigerung.

Stimmen diese Berechnungen so noch? Immerhin hat der Klinikverbund es ja auch nicht geschafft, sein angestrebte Ziel einer schwarzen Null zu erreichen. Der Landrat Roland Bernhard hält einen dauerhaften Zuschuss für den Klinikverbund in Höhe von mehreren Millionen Euro für notwendig.

Ich habe im Kreistag auch für den Zuschuss gestimmt. Es ist so, dass wir die schwarze Null nicht erreicht haben. Trotzdem halte ich es für einen Fehler, uns grundsätzlich davon zu verabschieden. Wir haben unser Potenzial zur Effizienzsteigerung noch nicht ausgeschöpft. Letztlich gilt aber, dass die zuständigen Stellen wie der Bund, das Land und die Krankenkassen gefordert sind, für eine auskömmliche Krankenhausfinanzierung zu sorgen. Uns ist aber auch klar, dass man diese Problematik mit dem Land und dem Bund nicht auf dem Rücken der Patienten austragen kann. Deshalb halte ich es für richtig, in einer Interimsphase die Arbeit vom Kreis zu bezuschussen. Was das neue Klinikum angeht, warten wir erst mal die Ergebnisse des Gutachtens ab.

Wird sich Sindelfingen als dritter Gesellschafter an den Zuschüssen beteiligen?

Wir beteiligen uns bereits über die Kreisumlage.

Das tun die anderen Kommunen auch. Die haben aber anders als Sindelfingen kein Mitspracherecht im Verbund.

Dafür haben wir ja auch das Sindelfinger Krankenhaus mit einem erheblichen Wert in den Verbund eingebracht. Die Klinik ist zusammen mit dem Böblinger Haus das Flaggschiff des Verbunds. Und das wird oft gerne unterschlagen. Es ist im Übrigen ein wesentlicher Bestandteil der damaligen Verhandlungen vor unserem Beitritt zum Verbund gewesen, dass die freiwilligen Zuschüsse vom Kreis und nicht von der Stadt Sindelfingen finanziert werden. Der ehemalige Böblinger Landrat Bernhard Maier hat immer darauf hingewiesen, dass die Doppelbelastung von Sindelfingen aufhören muss, und dass diese Möglichkeit durch den Verbund dann gegeben ist.

Ihr Mitgesellschafter, der heutige Landrat Roland Bernhard, fordert mehr finanzielles Engagement von Sindelfingen.

Davon weiß ich nichts. Wenn Herr Bernhard das so wünscht, wird er mir das sicher selbst sagen.

 

 

Kommentare (0)
Autor*
Betreff*
Ihr Kommentar*
Optionale Felder
Die Redaktion veröffentlicht ausgewählte Kommentare auch in der gedruckten Ausgabe der Stuttgarter Zeitung. Voraussetzung ist, dass der Beitrag mit Namen, Postanschrift und E-Mail (Adressen werden nicht veröffentlicht) vorliegt.
Email-Adresse (wird nicht veröffentlicht)
Anschrift