Stuttgart - Schlimme Orte, die ich ohne Kinder nie kennengelernt hätte, heute: das Spaßbad. Im Wort Spaßbad stecken bereits zwei Fehler. Spaß im eigentlichen Sinne findet dort nicht statt, und Baden ist auch nicht möglich. Ein Tag im Spaßbad geht so: du stehst im Wellenbad, eingezwängt zwischen schlecht sitzenden Tätowierungen, kreischenden Zahnspangen und hüpfst wie ein depressiver See­löwe in den maschinell betriebenen Wellen. Später in der „Black  Hole“­- Dunkel-Wasserrutsche, für die du 17 bis 52 Minuten schlotternd anstehst, ruinieren dir die Lichtblitze den Sehnerv bzw. rauscht dir ein anderer, vergleichbar motivierter Vater mit Karacho in den Gluteus maximus. Später quälst du dich in der „Sportsbar“ durch eine Bratwurst von unglücklichen Schweinen, während sich die Kinder Ketchup auf den Badeanzug kippen. Und zur Krönung steigst du in ein lauwarmes, immer leicht müffelndes, aber stolz „Sole“-Bad genanntes Salzwasser und zahlst am Ende einen Gesamtpreis, der dir den letzten Rest Spaß endgültig austreibt.

Noch betrüblicher ist der Spielzeugsupermarkt. Ja, ich weiß, du denkst an diese Kinder, die sich im kleinen Spielwarenladen in der verschneiten Straße aufgeregt und mit roten Wangen die Gesichter platt drücken, weil eine lustige Spieldose oder ein Feuerwehrauto zu sehen sind. Das war mal so. Heute gehst du in den Spielzeuggroßmarkt, und das heißt: zwei Kilometer Regalwände, mehrere Tonnen bunt verarbeitetes Plastik inklusive 3235 Varianten von Rosa. Dazwischen vier Millionen Playmobil-Figuren in allen denkbaren Varianten. Die Kinder rasen durch die Gänge, zerren ständig neue Packungen raus, und du verlierst völlig den Überblick. Das Einzige, was du in deinem Tran denken kannst: Welche Playmobil-Figuren gibt es eigentlich noch nicht? Playmobil-Investmentbanker? Playmobil-Scheidungsanwalt? Playmobil-Talkshow?

Wir alle wissen: im Alter wird Geschmack immer wichtiger. Du isst nur besenreine Produkte aus der Region, gönnst dir handgeklöppelte Spitzenweine und könntest Tage damit verbringen, deren Abgänge zu interpretieren. Am Wochenende kochst du raffinierte Sachen mit Minze, Dorade oder Lenden. Als Eltern machst du das natürlich nicht. Da gehst du ins Fast-Food-Restaurant. Das musst du. Machst du es nicht, verweigern sie dir irgendwann die Gefolgschaft. Dort ist es wie immer: eine Riesenschlange. Du stehst grundsätzlich an der Kasse, an der gerade eine neue Kraft eingelernt wird. Sie müht sich ab, Pommes in die Packung zu bekommen, du schaust fassungslos zu. Stunden später stößt dir das Essen immer noch auf.

Bleibenden Eindruck hinterlässt auch das Wartezimmer beim Kinderarzt. Rechts und links hocken schniefende und hustende Kinder, Kinder mit Pusteln, mit Ausschlägen, mit Fieber. Schnell wird dir klar: hier geht jeder kränker raus, als er reingekommen ist. Das ist so etwas wie eine Fanmeile für Keime und Bakterien. Zu lesen gibt es zerfledderte Bilderbücher und Bauklötze. Aus Platzgründen kurz noch drei weitere Orte: Beach-Soccer-Halle, Reiterhof, Kinderschuhladen.