Kolumne Ludwigsburg Still mit Stil

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Ludwigsburg kommt noch größer raus: Dank prominenter Unterstützung von Yvonne Catterfeld, Andreas Bourani und Silbermond. Außerdem durch einen ganz speziellen Wettbewerb.

Unsere Frau in Ludwigsburg: Yvonne Catterfeld ist eine  von drei neuen Botschafterinnen, die der Schlossverwalter Stephan Hurst ernannt hat. Foto: Staatliche Schlösser und Gärten
Unsere Frau in Ludwigsburg: Yvonne Catterfeld ist eine von drei neuen Botschafterinnen, die der Schlossverwalter Stephan Hurst ernannt hat. Foto: Staatliche Schlösser und Gärten

Ludwigsburg - Ein Botschafter, so viel ist gewiss, hat ein schönes Leben. Wie jeder weiß, also jeder, der sich mit dem Werk Joseph von Westphalens befasst hat, oder mit dem Wirken des schönen Thomas Borer aus der Schweiz, ist man als Botschafter hauptsächlich damit beschäftigt, Parties zu besuchen oder zu geben und sich mit anregenden Frauen auszutauschen. Womöglich muss man als Botschafter auch mal zu einer gestrengen Unterredung mit einem erbosten Staatschef und dann und wann ein bisschen klug daher reden. Aber im Großen und Ganzen ist es ein angenehmes Leben. Wenn man dann auch noch das ganz besondere Glück hat, Botschafter des Bieres zu sein oder des Frohsinns, dann, also dann hat man als Botschafter das ganz große Los gezogen. Immer bester Laune, niemals auf dem Trockenen. Perfekt!

Ein Hoch auf Ludwigsburg

Ein Posten, von dem die Einheimischen bis jetzt gar nicht wussten, dass es ihn gibt, ist nun sogar gleich dreifach vergeben worden: Silbermond, Andreas Bourani und Yvonne Catterfeld sind „neue begeisterte Botschafter für Ludwigsburg“, verkündet Stephan Hurst, der Hüter der Ludwigsburger Schlösser. Im Hauptberuf sind die Botschafter Sänger und in dieser Funktion bei den Music Open im Schloss aufgetreten.

Davor aber hat Stephan Hurst sie durch die „Prunkräume“ geführt, die offenbar mächtig Eindruck auf die neuen Mitarbeiter im herrschaftlichen Dienst gemacht haben. Damit, muss man anerkennen, hat auch Ludwigsburg das ganz große Los gezogen. Man stelle sich nur vor: Silbermond nächste Woche auf dem Highfield-Festival in Großpösna – und von der Bühne verkündet Stephanie Kloß: „Ludwigsburg, dort geht der Himmel auf !“ Oder Andreas Bourani beim Papenburg-Festival im Herbst. Was ist die Vorstellung verlockend, ihn rufen zu hören: „Hey, ein Hoch auf Ludwigsburg!“ Getoppt nur durch den nun möglichen Auftritt von Yvonne Catterfeld bei „The Voice of Germany“, wo sie singend bekennen könnte: „Ludwigsburg, du hast mein Herz gebrochen!“ Wie gesagt: das ganz große Los für Ludwigsburg! Und dabei wissen die neuen Botschafter noch gar nichts vom neuesten Coup der Stadt: Einem Fotowettbewerb für stillende Mütter!

Stillende Mütter gehören zum Stadtbild

Ja, richtig gelesen! Die Stadtverwaltung und die hiesigen Hebammen möchten herausfinden, wo Mütter in Ludwigsburg am liebsten stillen. Bis zum 15. September können Frauen, die mit der Materie vertraut – oder besser: befasst – sind, bis zu drei Bilder von sich an ihren Lieblingsstillorten einsenden. Der Titel des Wettbewerbs lautet allerdings nicht „Still mit Stil“, sondern „Stillen in der Stadt macht satt“. Weshalb die Motive – natürlich – in Ludwigsburg generiert werden müssen.

Aber, ganz wichtig: Auf keinen Fall sind Zusendungen von stillen Örtchen erwünscht. Die Absicht des Wettbewerbs ist es ja gerade, zu zeigen, dass stillende Mütter in die Mitte der Gesellschaft gehören. „Stillende Mütter sind ein selbstverständlicher Teil unsere Stadtbildes“, versichert der Erste Bürgermeister Konrad Seigfried. Dass seine Worte so klingen als ob Mütter mit einem Kind an der Brust bis jetzt mit Bußgeld belegt worden wären, ist nicht mehr als eine unwohlwollende Interpretation. Tatsächlich ist in dieser reißbrettartigen Stadt nichts authentischer, als Frauen mit halb entblößtem Oberkörper.

Zu später Stunde auf der Wilhelmstraße kann man sie sehen, zu fast jeder Zeit am Bahnhof. Recht freizügig kann es auch im Schloss zugehen (siehe die Führung: „Die Mätresse – im Bett geadelt“) Und wenn jetzt die Weinlaube wieder ihre Buden öffnet, dann . . .  – ach, schweigen wir besser stille. Denn ist es nicht auch so, dass die Bedeutung des Stillseins schändlich unterschätzt wird? Oder, um es mit Oscar Wilde zu sagen: „Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten.“