Kolumne Ludwigsburg Transformationsprozesse im Rathaus

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Im Ludwigsburger Bürgerbüro soll bald ein Roboter Dienst schieben. Das kann natürlich nur ein Anfang sein. Aber: Ist es der Anfang von etwas Gutem?

Sind das die  künftigen Mitarbeiter der Stadt? Foto: imago stock&people
Sind das die künftigen Mitarbeiter der Stadt? Foto: imago stock&people

Ludwigsburg - Mit großer Erleichterung ist die Nachricht aufzunehmen, die das Ludwigsburger Rathaus frisch verschickt hat: 55 junge Leute haben mit dem Beginn dieses Monats ihre Berufsausbildung bei der Stadtverwaltung begonnen. Erleichterung ist deshalb angezeigt, weil die Nachricht belegt, dass im Rathaus wirklich Menschen arbeiten, zumindest noch eine Weile. Zweifel sind ja angebracht, seit die Verwaltung Ende August verkündet hat, dass bald ein Kollege namens Roboter seinen Dienst antreten soll.

Eheschließung wird zur Zeitverschwendung

Angeblich soll er die Besucher des Bürgerbüros nur begrüßen, sie an den richtigen Schalter oder das passende Büro begleiten und gegebenenfalls erste Fragen beantworten. Auf Deutsch oder auf Englisch. Aber es ist ja klar wie das Ende von „Star Wars“, dass es bei diesen schlichten Tätigkeiten nicht bleiben kann. Bildet man sich in Ludwigsburg etwas ein auf die digitale Innovationslust oder nicht? Eben.

Eher früher als später wird eine Armada von Roboterlein im städtischen Einsatz sein, um dem Ludwigsbürger das Leben zu erleichtern. Strafzettel bezahlen bei der Stadtkasse? – Nicht mehr nötig: Roboter an den Parkplätzen unterbinden falsches Parken. Ehe schließen im Standesamt? – Pure Zeitverschwendung, wenn erst mal Roboter die digitale Bürgerakte führen. Baugenehmigung beantragen? – Unnötig, es gibt keine Bauplätze. Am Ende dieser Entwicklung wird man gar nicht mehr aufs Rathaus müssen. Praktisch – wenn vielleicht nicht gerade für die 55 neuen Auszubildenden und ihre altgedienten Kollegen.

Endlich Zeit für Wichtiges

Apropos: Für den Oberbürgermeister ist die Roboterlösung natürlich wie geschaffen. Alsbald wird Werner Spec sein transformiertes Alter-Ego in diese ineffizienten Ausschusssitzungen und Bürgerveranstaltungen setzen, wo es Geduld, Spaß und Dankbarkeit simulieren darf, während sich der wahre OB ungehemmt um die wirklich wichtigen Themen kümmern kann. Saubere Luft, Ludwigsburg 6.0, solche Dinge.

Wie jeder versierte Science-Fiction-Leser weiß, liegt es in der Natur der Maschinen, irgendwann gegen die Menschen zu revoltieren und das Ruder zu übernehmen. In Ludwigsburg jedoch erscheint das völlig undenkbar. Die Stadt wirbt schon jetzt um Auszubildende für das folgende Jahr. Möge die Macht mit ihnen sein.