Kolumne von Sibylle Krause-Burger Männer – eine gefährliche Spezies

Von Sibylle Krause-Burger 

Es gibt Frauen, die sich wie Testosteron-geladene Männer geben. Ohne viel Erfolg – meint unsere Kolumnistin Sibylle Krause-Burger.

Syriens blutiger Herrscher Assad   will keine Macht abgeben. Foto: dpa
Syriens blutiger Herrscher Assad will keine Macht abgeben.Foto: dpa

Stuttgart - Dies vorweg: Ich habe nichts gegen Männer! Ganz im Gegenteil. Sie sind unersetzlich, wie der Barde Herbert Grönemeyer einst sang, und so liebenswert verletzlich. Heutzutage nehmen sie sich sogar Elternzeit und schieben Kinderwagen in aller Öffentlichkeit durch die Gegend, was vor fünfzig Jahren noch ganz undenkbar, und im Falle, dass es doch geschah, der patriarchalischen Würde absolut abträglich war. Der moderne oder sagen wir besser der gezähmte Mann hält sein Gockel-Gen einigermaßen in Schach, erlaubt seiner Frau ungehindert Karriere zu machen und überlässt ihr sogar politische Macht. Doch das ist natürlich bloß die eine Seite der Medaille. Die andere, vor allem, wenn man nicht nur auf Europa schaut, lehrt uns auch unerfreulichere Dinge. Da haben die weniger gezähmten Männer das Sagen. Denn es sind Männer, die anderen Männern lustvoll die Köpfe abschneiden; es sind Männer, die Karikaturisten wie Freiwild erschießen; es sind Männer, die Frauen wegen eines nichtigen Vergehens steinigen; es sind Männer – fast immer – die sich in die Luft sprengen und andere Menschen mit in den Tod reißen; es sind Männer, die als Anführer irgendwelcher obskurer Milizen Bürgerkriege am Laufen halten, Frauen und Kinder entführen und vergewaltigen; es sind Männer, die an die ehrwürdigen Mauern des Kölner Doms urinieren; es sind Männer, die Menschen millionenfach zur Flucht aus ihrer Heimat zwingen und der Weltgemeinschaft mehr als nur eine Menge Ärger bescheren.

Männer gieren nach Herrlichkeit in Ewigkeit

Der Mann, in Mitteleuropa offiziell halbwegs zivilisiert, zeigt auch hier hinter heimischen Wänden gelegentlich sein aggressives – seines wahres? – Wesen. Auf alle Fälle ist er eine gefährliche Spezies: in jungen Jahren wegen des Überschusses an Testosteron, in alten, wegen des Kummers über den Mangel. Der junge Mann liebt sich als Kämpfer – wofür auch immer – der ältere Mann als Herrscher; ersterer im Blutrausch, letzterer im Machtrausch, wobei das eine vom anderen nicht immer klar zu trennen ist. Warum nur konnte der Herr Assad nicht ein Quäntchen seiner Macht abgeben? Es hätte der Welt viel erspart. Weshalb ertragen Kerle wie dieser Erdogan kein kritisches Wort und sperren jeden, der es dennoch zu äußern wagt, ins Foltergefängnis, weshalb muss so einer einen ganzen Staatsapparat auf die eigene fehlbare Person ausrichten? Reichte es nicht, was er bis dahin hatte? Und wie können die steinalten und pseudoheiligen Potentaten in Saudi-Arabien oder im Iran tagsüber essen und nachts noch schlafen, nachdem sie Landsleute reihenweise auspeitschen, erschießen, aufhängen und köpfen lassen? Schließlich der Nordkoreaner, der Fettsucht mit Machtsucht verbindet und seinen Onkel holterdiepolter dem Henker übergab. Aus Spaß? Er lacht ja immer, dieser Nero der Neuzeit, ein verwöhntes, dickes und mörderisches Kind. Alles Männer! Oder Pseudomänner in ihrer Gier nach unangreifbarer Größe und Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Das wächst immer wieder nach. Es erbittert jeden halbwegs vernünftigen Menschen, es macht auch mich zornig. Klar. Und wie ich in meiner höchstpersönlichen Verzweiflung ob so scheußlicher Unabänderlichkeiten diesen Text in die Tasten klappere, wie ich dabei denke, dass wir Frauen doch ein bisschen menschenfreundlicher gestrickt sind, weil uns das Menschengebären-und behüten von der Natur aufgegeben ist, da passiert es. Eine Frau! Tatsächlich, eine Frau, eine Parteivorsitzende ausgerechnet in unserem menschenfreundlichen Merkel-Deutschland will – im Fall, dass es zu viel wird mit der ungebremsten Zuwanderung – notfalls an den Grenzen auf die Flüchtlinge, also auf andere Frauen und auf Kinder schießen lassen. Peng Petry. Auch Ihre Stellvertreterin, Beatrix von Storch, eine hochmögend geborene Herzogin aus dem Geschlecht der Oldenburger und Mitglied der Europäischen Christlichen Bewegung, gibt ihr Schützenhilfe.

Hat Frauke Petry eine Sekunde an ihre Kinder gedacht?

Wie kommt so etwas in unsere Politik? Kommt es daher, dass Frauen inzwischen fast alles machen dürfen, was bisher nur Männer machten? Dass sie Bundeskanzlerin werden wie Angela, die reine Magd, was sich früher niemand vorstellen konnte? Dass sie zur Verteidigungsministerin aufsteigen, wie unsere Flinten-Uschi, die Zart-Knallharte, was auch nicht denkbar war. Dass sie als junge Mutter das heilige Arbeitsministerium leiten, wo einstmals so zähe Sozialknausel wie Norbert Blüm oder wie der stiergenackte Ostpreuße Herbert Ehrenberg regierten? Frauen, wo man hinsieht, zumindest im Westen: Hillary in Amerika als Kandidatin für die Präsidentschaft, Lagarde an der Spitze des Weltwährungsfonds, Erna Solberg, die Norwegen regiert und Beata Szydło, die mit Härte und Humorlosigkeit Polen zu einer Größe führen will, die es nie hatte.

Da musste eben Frau Frauke ein ganzer Mann werden und das Töten ins Visier nehmen. Zumindest verbal. Aber bekanntlich können auch Worte schon Taten sein. Und gern hätte man gewusst, ob sie beim Reden in dieser Sache nur eine Sekunde lang an ihre vier Kinder gedacht hat, und ob der hochadligen christlichen Unterstützerin gelegentlich noch der Text der Bergpredigt durch den Sinn saust. Aber an die Wähler haben die beiden schießwütigen Damen bestimmt gedacht. Gewalt ist wieder modern. Zumindest in solch radikal gesonnenen Kreisen. Doch trösten wir uns. Wenn nicht alles täuscht, ist dieser Schuss nach hinten losgegangen.