Kolumne zur Stadtbahn Die eierlegende Wollmilchsau schmeckt nicht

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Wie ein OB eine große Vision zum regionalen Verkehrskollaps per Propaganda-Video verbreitet und eine kleine Ludwigsburger Stadträtin mit einer einfachen Frage das Luftschloss platzen lässt.

Die eierlegende Wollmilchsau – die Lösung für alle Verkehrsprobleme? Foto: Adobe Stock
Die eierlegende Wollmilchsau – die Lösung für alle Verkehrsprobleme? Foto: Adobe Stock

Ludwigsburg - Ach, wie ermüdend ist doch die seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten andauernde Verkehrsdebatte in unserem schönen Kreis. Niederflurbahn? Schnellbusse? Regionalzug? Neigungswinkel, Durchfahrtsrechte, Systemkompatibilität, wer blickt da noch durch? Unser aller Barockstadt-OB Werner Spec hat zum Glück ein Einsehen und uns ein Video geschenkt, das alles einfach erklärt.

Fahrverbote, Staus, Verkehrschaos? Plopp, plopp, plopp, alles wird zu einer flotten Melodie einfach weggeklickt. Jahrelange Planungen? Plopp weg. Düddeldum, dababadi – alles ganz einfach. Hier ein Bähnchen, da ein Busle, brummbrumm, da rollt die Lösung für alle Probleme. Flugs breiten sich von Ludwigsburg aus strahlenartige Arme über Markgröningen, Remseck, Stuttgart, Esslingen bis ins Neckartal aus, ein einzigartiges Verkehrsnetz entsteht und lässt die graue S-Bahn-Verspätung der S 4 noch älter aussehen.

Doppelstrategie nennt sich das im Politjargon der Kommunalpolitik, sieht aber eher aus wie Zehnfachstrategie. Bei Stuttgart 21 ist von der Magistrale Bratislawa– Paris die Rede. Arg viel kleiner wird hier auch nicht gedacht. Präsentiert wird das filmische Opus im Kreistag. Der Landrat Rainer Haas spricht gar von „Uraufführung“, schließlich ist man in einer Filmstadt.

Die kleine Frage der kleinen Stadträtin

Nun ist es oft so, dass aus groß aufgebauschten Gebilden durch ganz kleine Fragen ganz viel Luft gelassen wird. Diese Rolle übernimmt im Ludwigsburger Stadtparlament gerne Elga Burkhardt von der winzigen Lubu-Liste. Manchmal ist die streitbare Dame ein wenig anstrengend, weil sie im Gegensatz zu vielen Ratskollegen die Vorlagen komplett durchliest und zu jedem zweiten Satz eine „einfache Frage“ hat.

Diesmal ist alles anders. „Ich hatte keine Zeit, die Vorlage zu lesen, daher sage ich nichts“, erklärt Burkhardt zum allgemeinen Erstaunen neulich im Bauausschuss des Gemeinderates. Und fragt dann, als es um die Planungen für den Busbahnhof mit der Perspektive für eine Niederflurbahn und mehr geht: „Wie lange wollen Sie diese Doppelstrategie eigentlich verfolgen?“ Oder müsse man sich nicht irgendwann entscheiden? Puff, das hat gesessen.

Ratlose Gesichter, ehe wortreich erklärt wird, wie alles gleichzeitig gehen soll. Das tolle und mühsam gefundene politische Konstrukt, wonach OB und Landrat beide in ihrem Lieblingssandkasten spielen respektive planen dürfen, einfach mal frech „infrage“ gestellt. Chapeau!

Totgeburt oder eine Herde voller Pendler?

Der Grünen-Rat Markus Gericke, auch selten um lange Monologe verlegen, bemüht ein anderes, schon oft gebrauchtes Bild, das der eierlegenden Wollmilchsau, und zitiert dann den früheren Ludwigsburger Baubürgermeister Hans Schmid, der einmal gesagt haben soll: „Die eierlegende Wollmilchsau ist unfruchtbar und schmeckt nicht.“

Mal schauen, ob das wie auch immer am Ende aller Planungen herauskommende Vieh eine Totgeburt bleibt oder aber eine galoppierende Herde von Bahn-Pendlern aus dem ganzen Ländle nach sich zieht. Aber wie ist das so schön in dem Werbefilm: Plopp, plopp, plopp, düddeldü – und schon ist die Wollmilchsau wieder fruchtbar und kann vermutlich auch übers Wasser gehen. Ach ja: Die S 4 hatte übrigens am Dienstag schon wieder sakrisch Verspätung.