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Stuttgart - Es haben alle ihren Frieden mit der Bologna-Reform gemacht, selbst die Hochschulgruppe der Jungsozialisten ist dafür, obwohl die Idee für die seit zwölf Jahren andauernde Reform aus der Wirtschaft stammt. In Bologna ist einst die Schaffung eines einheitlichen Hochschulraums in Europa verabredet worden, man wollte das Studium straffen und die Abschlüsse vergleichbar machen. Das ist ein lobenswertes Unterfangen, und niemand möchte das Rad zurückdrehen. Aber die Reform läuft in Deutschland noch nicht vorbildlich, und bei der Nationalen Bologna-Konferenz gestern in Berlin klang dies an mit dem überraschenden Eingeständnis, dass nicht einmal der freie Wechsel der Studenten an deutschen Hochschulen gewährleistet ist. Es hakt auch an der allgemeinen Akzeptanz des Bachelor-Abschlusses, der mit sechs Semestern erreicht werden kann und unter der Ebene der früheren Diplomabschlüsse liegt. Studien belegen zwar, dass die Zufriedenheit zugenommen hat und Großbetriebe die Bachelor-Absolventen gerne einstellen, nur kleinere und mittlere Firmen sind zurückhaltend.
Aber wer sich die Zahlen genauer ansieht, wird eine tiefe Skepsis herauslesen. Nur jeder fünfte Bachelor-Absolvent einer Universität ist ein Jahr nach dem Abschluss erwerbstätig. Die Mehrzahl versucht, den ursprünglich nur für die Wissenschaftskarriere gedachten Master draufzusatteln, um einen besseren Job und ein höheres Gehalt zu bekommen. Dem Bachelor wird misstraut. Die Arbeitgeber sind mit der Ausgestaltung des Kurzstudiums auch nicht in allen Punkten zufrieden, sie beklagen fehlende Praxiserfahrung. Schließlich lässt sich in den Sprach- und Kulturwissenschaften feststellen, dass ein Großteil der Bachelor-Absolventen lediglich befristet eingestellt wird. Das Stigma vom "Studium light" bleibt haften, und die Hochschulen täten gut daran, das Bachelor-Studium attraktiver zu machen, etwa um ein "Kreativjahr" zu verlängern, wie es Experten fordern, oder um ein "Flexibilitätsfenster" zu erweitern, wie es die Uni Tübingen getan hat. Das könnte die Studienzeit verlängern, aber ist das tragisch? Brauchen wir wirklich akademische Berufsanfänger mit 22 Jahren? Wer an die steigende Lebenserwartung und das höhere Rentenalter denkt, der sagt Nein.
Master-Studienplätze sind knapp
Aber statt Klasse in den Studienfächern wird man Masse zu erwarten haben. Es kommen die doppelten Abiturjahrgänge auf uns zu, und die Länder drängen die Hochschulen wegen des drohenden Andrangs zum raschen Ausbau der Studienplätze. Die wird im Bachelor-Bereich erfolgen, was zulasten der Master-Studienplätze geht, die jetzt schon knapp sind. Studenten beklagen die hohen Hürden, die vor dem Master-Studium stehen und sie zwingen, ihre angestammte Uni zu verlassen. Dabei steht die eigentliche Belastungsprobe für die Bologna-Reform noch aus. Diese kommt 2012 oder 2013, wenn die Absolventen mit Bachelor in großen Zahlen von den Hochschulen strömen. Stehen dann Kohorten von Jungakademikern unversorgt auf der Straße, werden die 2009 eingeschlafenen Studentenproteste wieder aufflammen.
Ob die Politik die Kraft zur Korrektur im Hochschulbereich hat, ist fraglich. Ein magisches Dreieck nimmt hier die Steuerung vor. Oder ist es ein Bermudadreieck? Es besteht aus der Bundesbildungsministerin, den 16 Kultus- und Wissenschaftsministern und den 250 Hochschulen. Die Leistung dieses Politikpools ist kläglich. Dass nach langer Planung die Einführung eines modernen Verfahrens zur Hochschulzulassung gescheitert ist, ist ein Beleg dafür. Ein anderer ist die Empörung der Hochschulen über die Gängelung durch die Landesregierungen. Es knirscht im Getriebe, es fehlt die ordnende Hand im Chaos. Diese Aufgabe müsste die Bundesbildungsministerin übernehmen. Aber Annette Schavan ist nicht die starke Integrationsfigur, die für einen runden Lauf sorgen könnte.


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Bachelor / Master
... Und dann wird einem Bachelor-Absolventen bei seiner Bewerbung an einer anderen Hochschule um einen Master-Studienplatz bedeutet, in diesem oder jenem Fach habe er zu wenige ECTS-Punkte erworben, weniger jedenfalls, als für das Master-Studium vorausgesetzt würden und an dieser Hochschule im - gleichen - Bachelorstudium erreichbar seien. Ja, ist denn die Akkreditierung für den "Duddeldei"? Auch stößt bitter auf, dass zu meiner Studienzeit (70er Jahre) das Diplom nicht mit Kosten von ca. 15.000 Euro verbunden war: Die Voraussetzung für die Promotion war früher das - weitgehend - kostenlose Diplom, heute ist es der teure Master. Wie will man da den Vorwürfen entgegentreten, der Staat versuche, sich aus der Hochschulfinanzierung ein Stück zurückzuziehen? Oder der Staat versuche, per Kostenexplosion vom Masterstudium abzuschrecken?
Master nicht nur für Wissenschaftskarriere
Die Darstellung hier ist falsch. Der Master war nie und ist auch anderswo nicht allein für die Wissenschaftskarriere gedacht.
Wer ist in welcher Pflicht?
Sehr geerhter Herr Link, man fragt sich verzweifelt, wer denn jetzt in der Pflicht ist und in welcher? Vielleicht wäre es besser die Dinge auf den Punkt zu bringen, anstatt nur um den heißen Brei zu schleichen. Warum ist denn trotz dem ach so tollen Bacheler-Konzept der Wechsel nicht einfacher geworden als früher? Soll das nur an den doofen Unis liegen, oder ist nicht doch eher das ganze Konzept von A-Z Müll? Warum stellen denn die Firmen die neuen Schnellabsolventen nicht in Scharen ein, obwohl die Wirtschaft diese Schmalspurstudien so bekommen haben, wie es es wollte? Wie soll denn ein Bacheler-Studium attraktiver gemacht werden außer durch Verlängerung? Das geht aber nicht grundsätzlich, weil man sonst zugeben müsste, das das Konzept gescheitert ist und man auch beim Diplom hätte bleiben können (und sollen). Nur darum muss also der Bacheler auf Biegen und Brechen der Regelabschluss bleiben. Warum bestimmt in Deutschland eigentlich die Wirtschaft im Alleingang die Wissenschafts- und Hochschulpolitik? Warum müssen ohne Sinn und Verstand unbedingt amerkanische Strukturen hierher übertragen werden? Und warum sind sich alle politischen Lager über diese Schwachsinnskonzepte einig? Diesen Fragen solten Sie einmal nachgehen!