Kommentar
Google sammelt WLAN-Daten
Alexander Mäder,
17.05.2010 06:36 Uhr
Mit Street-View-Autos sammelte Google WLAN-Daten. Das Unternehmen hat mit seinen umstrittenen Kamera-Autos für den Dienst Street View entgegen einer ersten Darstellung doch persönliche Daten aus drahtlosen Netzwerken eingesammelt. Foto: dpa
Stuttgart - Die Welt der Computer entwickelt sich rasant, und der Konzern Google ist stark genug, um überall mitzumischen. Er gefällt sich in der Rolle des Vorreiters: Sollen die anderen, also beispielsweise der Gesetzgeber, zusehen, dass sie hinterherkommen. Noch bevor sich jemand beschweren kann, scannt das Unternehmen Bücher ein und fotografiert Straßenzeilen ab. Eventuelle Probleme bespricht man hinterher - und setzt dann eine Unschuldsmiene auf: Man habe doch nichts Illegales getan und wolle nur dem Kunden schöne, neue Dienste anbieten.
Diese Masche versagt nun. Das Unternehmen hat den Datenverkehr über offene Funknetze abgegriffen und gespeichert. Man darf zwar davon ausgehen, dass es sich um ein Versehen handelt, denn es ist nicht ersichtlich, welchen Nutzen sich Google von diesen Daten versprochen haben sollte, doch der Fehler lässt tief blicken: Hat das Unternehmen noch den Überblick über die gespeicherten Daten? 600 Gigabyte sollen angefallen sein, ohne dass es jemand bemerkte. Auch die Erklärung, es handle sich um das Experiment eines einzelnen Mitarbeiters, klingt nicht vertrauenerweckend. Schließlich gehen Internetnutzer davon aus, dass Google seine Programme prüft, bevor es sie einsetzt. Diese Panne wird dem Konzern stärker schaden als alle bisherigen Diskussionen über sein Geschäftsgebaren.
Diese Masche versagt nun. Das Unternehmen hat den Datenverkehr über offene Funknetze abgegriffen und gespeichert. Man darf zwar davon ausgehen, dass es sich um ein Versehen handelt, denn es ist nicht ersichtlich, welchen Nutzen sich Google von diesen Daten versprochen haben sollte, doch der Fehler lässt tief blicken: Hat das Unternehmen noch den Überblick über die gespeicherten Daten? 600 Gigabyte sollen angefallen sein, ohne dass es jemand bemerkte. Auch die Erklärung, es handle sich um das Experiment eines einzelnen Mitarbeiters, klingt nicht vertrauenerweckend. Schließlich gehen Internetnutzer davon aus, dass Google seine Programme prüft, bevor es sie einsetzt. Diese Panne wird dem Konzern stärker schaden als alle bisherigen Diskussionen über sein Geschäftsgebaren.
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Komisch
Wieso regen sich eigentlich alle über Google Street View auf? Diese künstliche Aufregung dient doch nur der Regierung, die viel weitreichendere Einschnitte in die Privatsphäre durchführt oder plant wie die Vorratsdatenspeicherung, das Zensursula-Gesetz, usw.
ungesichertes WLAN -> selbst Schuld
hat doch jetzt sogar der BGH festgestellt. Hier wird doch schon wieder das Kind mit dem Bad ausgeschüttet. 1. Google sammelt Daten. Das ist schlecht, weil wir ja dadurch gläsern werden (und wenn irgendwann ein Hacker die ELSTER Verbindung knackt, DANN sind wir gläsern). 2. Google hat WLAN Daten aus ungesichteren Netzwerken gespeichert. Das kann prinzipiell jeder. Und sicher haben wir dadurch wieder gelernt, dass es eben nicht egal ist, was man zuhause mit der Rechnerhardware tut. Wenn Panorama WLAN Videokameras anzapft, dann sind die Hersteller der Kameras schuld (zu recht), wenn Google das gleiche tut ist Google schuld? Nicht etwa die Hersteller der WLAN Router, die kein Passwort verlangen und standardmässig ungesichert sind? Mir ist schon klar, dass es gerade hip ist auf Google zu schimpfen, allerdings warnen seriöse Menschen schon seit Jahren, die WLAN Verbindung eben nicht ungeschützt zu lassen. Jetzt haben wir mit relaativ geringen Folgen nur gezeigt bekommen, dass die Warner recht haben. Statt über Google zu lamentieren, solten wir darüber nachdenken, wie wir die Technik auch für weniger Technikbegabte verständlich machen.
Nebenkriegsschauplatz
Das, was Google da mit den Funknetzen angestellt hat, mag alles seltsam sein. Aber der eigentliche Aufreger, bitteschön, ist doch Street View. Ich wundere mich schon, daß es im Ländle nur in Hohenlohe nennenswerten Widerspruch gibt. Denn nüchtern betrachtet kann ein vorbeifahrendes Auto aus einem offenen Funknetz nur Datenschnipsel auffangen. Da ist mal 'ne E-Mail oder Aufruf einer Webseite dabei - das war's. Wer über ein unverschlüsseltes Funknetz surft, muß sich darüber im Klaren sein, daß der Nachbar (oder der Schnüffler im Auto vorm Haus) den gesamten Datenverkehr mitschneiden kann - damit läßt sich dann wirklich Schindluder treiben. Zunächst sind aber die Nutzer gefragt - wer sein Netz nicht verschlüsselt, sollte sich zuletzt über Google aufregen...