Kommentar Lust am Untergang
Joachim Dorfs, 01.07.2010 09:14 Uhr
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Christian Wulff (Mitte), der Kandidat von Schwarz-Gelb, ist am Ende zwar gewählt worden. Doch der knappe Sieg bereitet vor allem den Parteivorsitzenden Angela Merkel (CDU), Guido Westerwelle (FDP) und Horst Seehofer (CSU, re.) Probleme. Foto: dpa
Christian Wulff (Mitte), der Kandidat von Schwarz-Gelb, ist am Ende zwar gewählt worden. Doch der knappe Sieg bereitet vor allem den Parteivorsitzenden Angela Merkel (CDU), Guido Westerwelle (FDP) und Horst Seehofer (CSU, re.) Probleme. Foto: dpa
Berlin/Stuttgart - Es war nichts anderes als die heimliche Lust am Untergang, die christlich-liberale Delegierte in zwei Wahlgängen der Bundesversammlung für Joachim Gauck stimmen ließen. Erst im dritten Wahlgang reichte es für Christian Wulff – ein Fehlstart für den neuen Bundespräsidenten, eine Abmahnung für Bundeskanzlerin Angela Merkel und die von ihr geführte Bundesregierung. Die chronischen Meinungsverschiedenheiten zwischen den ehemaligen Traumpartnern, die Übellaunigkeit der sie stützenden Delegierten haben inzwischen ein solches Ausmaß erreicht, dass man trotz des mühsam errungenen Erfolgs am langfristigen Fortbestand der Koalition zweifeln kann.

Wer jedenfalls geglaubt hat, mit einem glatten Wahlsieg des niedersächsischen Ministerpräsidenten würde der schwarz-gelben Bundesregierung ein Neustart gelingen, sah sich getäuscht. CDU, CSU und FDP schaffen es inzwischen noch nicht einmal mehr, in einer Frage, die auch über ihre Regierungsfähigkeit entscheidet, eine Mehrheit von über 20 Stimmen in einen Erfolg umzumünzen.

Gauck stellte gerade für bürgerliche Kreise eine echte Alternative dar


Natürlich hatte Christian Wulff in Joachim Gauck einen Gegenkandidaten, der gerade in Westdeutschland eine Entdeckung war und in bürgerlichen Kreisen eine echte Alternative darstellte, da er mit seinen Überzeugungen der christlich-liberalen Weltanschauung viel näher ist als den sozialen und ökologischen Parteien, die ihn auf den Schild gehoben haben. Gauck wäre vermutlich ein sehr guter Präsident geworden. Er war glaubwürdig und hätte Halt und Orientierung geben können. Doch auch Wulff hat seine Qualitäten und ist in den vergangenen Wochen unter Wert verkauft worden. Er ist relativ jung, er hat Niedersachsen über lange Jahre erfolgreich geführt, und er bringt für Schloss Bellevue ungewöhnliche persönliche Erfahrungen wie etwa die einer Patchworkfamilie mit. Warum also soll Wulff dem Amt nicht neues Leben, neue Töne einhauchen?

Kommentare (14)
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JUL
02
Thomas Müllerschön, 09:22 Uhr

Eigentlich ist es ganz einfach...

am Schluß zählt was hintenrauskommt! Wulff ist gewählt und das ist gut so. Ich denke, er wird ein großer und volksnaher Bundespräsident. Ruhiges, ausgeglichenes Wesen, sympathische Familie. Ein Glücksfall für Deutschland, gerade in dieser schwierigen Zeit.

JUL
02
dick, aber nicht doof!, 08:32 Uhr

44 Abtrünnige bei CDU - Bild und Welt steckten dahinter.

Die Springer-Presse hat Wulff zunächst als möglichen Kandidaten auf das Podium gestellt. SPD und Grüne sind dann sehr bereitwillig mit ins Boot gesprungen, um der Berliner Koalition mit Hilfe von Bild und Welt - aber auch des beispringenden Spiegel - eine Niederlage zu bereiten. Dass diesen vieles nicht mehr passt, was unter Merkel geschieht, weiß schließlich jeder, der die oft sehr verräterischen Schlagzzeilen sehen muss. Diese "Leid"-Medien haben durch ihr Engangement für Gauck bewuss auch die CDU-Wahlmänner und -frauen ermutigt und beeinflusst, die dann vermutlich zusammen mit Friede Springer gegen deren Freundin Merkel Wulff 2 x das Vertrauen absprachen. Doch nachher wills wieder keiner gewesen sein, so ist das mit den Eliten in unserer Repbulik. Großkotzen und danach Schwanzeinziehen - preußisch-deutsche Tugenden.

JUL
01
Stuttgarter II, 17:02 Uhr

So viel neues...

Hier erfährt man wirklich erstaunliche Dinge, die ich noch nicht wusste: - die Wahl des Bundespräsi wird von der Kanzlerin organisiert - mehrere Wahlgänge sind einer Demokratie unwürdig - Poss und Schulz waren über den Ausgang erregt, Gysi dagegen die Ruhe selbst - Springer schreibt SPD und Grünen den Kandidaten vor - der Bundespräsi hat vorrangig die Aufgabe, politische Botschaften von Parteien zu transportieren - die schwarz-gelbe Koalition zu stürzen, ist für die Linke fremdes Interesse Danke für all das, man lernt halt nie aus. Übrigens: ich habe ja die Theorie, dass Gauck ein Ausserirdischer ist...

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