KommentarKommentar zu Annette Schavan Schavan bleibt trotzdem handlungsfähig

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Die Uni Düsseldorf hat ein Verfahren zu der Frage eingeleitet, ob Annette Schavan der Doktortitel aberkannt werden muss. Trotz der Zweifel an ihrer Dissertation sollte die Bundesbildungsministerin im Amt bleiben, meint StZ-Politikchef Rainer Pörtner.

Unter Plagiatsverdacht: Bundesbildungsministerin Annette Schavan Foto: dpa
Unter Plagiatsverdacht: Bundesbildungsministerin Annette SchavanFoto: dpa

Stuttgart - Der Fall Schavan ist kein neuer Fall Guttenberg. Der Ex-Verteidigungsminister hatte bei seiner Dissertation so umfassend, so offensichtlich abgeschrieben, dass er sein Amt nicht weiter ausüben konnte. Seine Demission war zwingend. Ob die Doktorarbeit der Bundesbildungsministerin tatsächlich als Plagiat zu bewerten ist, bleibt dagegen umstritten. Wichtige Stimmen aus der Wissenschaft stehen Annette Schavan bei, zudem war das Vorgehen ihrer ehemaligen Universität selbst nicht ohne Fehl und Tadel.

Die Philosophische Fakultät der Uni Düsseldorf hat nun ein förmliches Verfahren zu der Frage eingeleitet, ob Schavan der Doktortitel aberkannt werden muss. Am Ende dieses Verfahrens kann auch die Entlastung der Ministerin stehen – so wie im Fall des niedersächsischen Kultusministers Bernd Althusmann. Dem attestierte die Universität Potsdam zwar eine Vielzahl formaler Mängel, sah aber kein verwerfliches wissenschaftliches Fehlverhalten.

Althusmann, zeitweise Vorsitzender der Kultusministerkonferenz, blieb während der Neu-Prüfung seiner Dissertation im Amt. Mit dem selben Maßstab sollte auch Annette Schavan gemessen werden. Ihre Autorität als Ministerin ist durch das Verfahren an der Uni Düsseldorf ohne Zweifel angekratzt. Aber ihre Glaubwürdigkeit ist nicht so stark beschädigt, dass sie im Amt handlungsunfähig wäre.

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20 KommentareKommentar schreiben

Schmid 12:12: Die Dissertation wurde veröffentlicht! Im Jahre 1980. Wo waren die Kritiker 1980? Es gibt genügend Ansatzpunkte für selbstkritische Überlegungen des Universitätsbetriebes im Promotionsverfahren. Leider scheinen die Herren Professoren hier wenig geneigt eigenes Verhalten kritisch zu beleuchten. Es ist einfacher, Dissertationen mit den modernen Mitteln der EDV zu prüfen, um dann Zitate als korrekt gekennzeichnet oder auch unkorrekt gekennzeichnet zu bezeichnen. Woher nehmen solche Leute die Legitimation? Den Mitglieder des Fakultätsrates stünde es sicher gut an, die eigene Dissertation den prüfungsmassstäben der heutigen Welt zu unterwerfen. Letztlich sollte auch darüber nachgedacht werden, ob den die Prüfer in den jetzt angeprangerten Fällen ihrer Aufgabe in ausreichendem Maße nachgekommen sind. Insoweit fällt den Anklägern diese Causa wieder vor die Füße?!

Schavan: http://www.n-tv.de/politik/Warum-der-Fall-Schavan-polarisiert-article9997736.html Sehr interessant zu lesen wer da warum hinter Schavan steht!

Ehrgeiz: Superlative Suchen und besonzers Exzellenz-ehrgeizig Auftreten ist ein untrügliches Zeichen für Mittelmaß. Schavan passt gut in die Regierung Merkel.

UTSE, 08:42 Uhr: Dissertationen müssen aus gutem Grund VERÖFFENTLICHT werden. Und wenn sie veröffentlicht sind, dann darf man sie öffentlich kritisieren. So läuft das im wissenschaftlichen Gewerbe. Das hat nichts mit „an den öffentlichen Pranger stellen“ zu tun. Es geht nicht um alberne Liebesbriefe von Frau Schavan, die jemand aus ihrem Nachtkästchen geklaut hat. Am einfachsten ist es deshalb, eine gute und von Plagiaten freie Dissertation zu schreiben. Dazu ware besagte Dame aber offenbar nicht fähig oder willens.

Abgewogenes Urteil?: In der Tat ist der Verbleib von Frau Honorar-Prof. Dr. Schavan in diesem Amt ein Skandal. Wie will sie noch Vorbild für einwandfreie wissenschaftliche Standards, die sie so hoch hält, bleiben? Einer Bundeswirtschaftsministerin könnte man bei der Tradition und Mentatltät diese Hauses mehr nachsehen, aber einer Ministerin für Forschung und Bildung? Der Kommentar ist auch ein Skandälchen. Abwägen scheint bei einer Zeitung wie der StZ keine Tugend zu sein, Meinungsverkündung schon. So wie sich die Uni Postdam mit ihrem zweifelhaften Votum in der Sache Althusmann als ernstzunehmende wissenschaftliche Einrichtung beschädigt hat, könnte es der StZ bezüglich Ernsthaftigkeit und Urteilksfähigkeit ergehen. Schon alleine Frau Schavan zu vergleichen mit einem niedersächsischen Provinzpolitiker, müsste ihr peinlich sein.

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