| Zeitungsgruppe Stuttgart |Samstag, 11. Februar 2012
Wirtschaft & Finanzen
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Kommentar zu Arbeitslosenzahlen Arbeitslose auf Abruf

Michael Heller, vom 01.09.2010 14:05 Uhr
 Foto: dpa
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Stuttgart - Nach Ansicht von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle ist der Arbeitsmarkt mittlerweile in einer so guten Verfassung, dass er die Konjunktur anschiebt. Da hat er recht, auch wenn die Entwicklung im August aufgrund des Sonderthemas Ausbildungsende nicht ganz so günstig wie zuletzt gelaufen ist. Aber die Arbeitslosigkeit wird schon bald unter die Dreimillionenmarke sinken, und das wirkt sich nicht zuletzt stabilisierend auf den Konsum aus. Wer einen Job hat, tut sich mit dem Geldausgeben nun einmal leichter als ein Arbeitsloser.

Eine Zwitterstellung bei dieser Betrachtung nehmen die Leiharbeiter ein, die jüngst in großer Zahl wieder eine Stelle gefunden haben; sie sind Arbeitslose auf Abruf, die keine Chance haben, sich sorglosem Konsum hinzugeben. Galt früher die Leiharbeit als eine Brücke zur Festanstellung, so hat die zurückliegende Krise gezeigt, dass auf diesen sogenannten Klebeeffekt kaum jemand setzen kann. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit hat jüngst ermittelt, dass nur sieben Prozent der früheren Arbeitslosen nach zwei Jahren Zeitarbeit einen unbefristeten Job finden.

Natürlich ist es verständlich, dass die Betriebe gegenwärtig Festeinstellungen vermeiden wollen, weil unklar ist, wie lange der (China-)Boom anhält. Aber die zurückliegende Konjunkturphase hat gezeigt, dass die Leiharbeiter als Puffer missbraucht werden. Diese Menschen haben in Windeseile ihre Stelle verloren und damit der sogenannten Stammbelegschaft die Arbeitsplätze gesichert. Das darf sich nicht wiederholen. Deshalb sollte zumindest der Anteil der Leiharbeit begrenzt werden, so wie es zum Beispiel Daimler praktiziert.

Kommentare (1)
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SEP
03
14:03 Uhr, geschrieben von PeK
aussitzen?
Ist die Freude nicht etwas verfrüht? Was passiert 2011 wenn europäische Arbeitskräfte auf unserem Arbeitsmarkt eintreffen? Was passiert dann mit den Jugendlichen, die noch keinen Ausbildungsplatz haben? Was passiert mit den H4 Empfängern ohne Ausbildung. Was passiert mit den Beschäftigten z.B. in der Pflege? Müssen die jetzt Angst haben von billigeren Arbeitern aus Osteuropa verdrängt zu werden? In einem anderen Artikel in dieser Zeitung erweckt die FDP nicht dem Eindruck, als ob sie sich mit diesem brisanten Thema schon lange beschäftigt hat. Hat die abwartende Haltung der Wirtschaft vielleicht gar nichts mit dem China Boom zu tun, sondern vielleicht mit der Idee, in Kürze noch billigere Arbeitskräfte zu bekommen?
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