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Stuttgart - Gutes Theater hält der Gesellschaft einen Spiegel vor, es thematisiert Fehlentwicklungen und bricht mit Tabus. In einer Hinsicht aber ist das Theater selbst - jedenfalls das staatlich finanzierte - ein bloßes Spiegelbild der Gesellschaft. Bei der Bezahlung der Theatermacher ist die Kluft zwischen oben und unten genauso groß wie sonst auch, gemessen am sonstigen Staatsdienst sogar noch größer.
Und übers Geld, über die sich immer weiter öffnende Schere zwischen gering Entlohnten und Topverdienern, wird genauso ungern geredet wie anderswo. In eigener Sache scheuen Geldgeber und -empfänger die sonst gerne angemahnte Transparenz, über das Finanzielle verhandeln sie lieber diskret in den Kulissen als offen auf der Bühne.
Es ist ein Verdienst des Landesrechnungshofs, diesen Vorhang der Geheimniskrämerei einmal angehoben zu haben. Mit dem Prüfbericht zu den Intendanten- und Direktorengehältern bewegt er sich aber auf einem schmalen Grat. Die Diskussion darüber kann schnell in eine reine Neiddebatte abgleiten, die der Sache nicht gerecht würde. Was, so lautet die Kernfrage, ist der richtige Maßstab, um die Bezüge zwischen 150.000 und 240.000 Euro zu beurteilen.
Stuttgart gewinnt durch die Theater an Strahlkraft
Gemessen an den regierenden Politikern, die für weniger Geld (aber bei besserer Absicherung) weit mehr Verantwortung tragen, erscheint das Salär großzügig. Im Vergleich zu Managern aus der Wirtschaft, zu den Stars aus Showgeschäft oder Fußball nimmt es sich eher bescheiden aus. Spitzenleistungen, keine Frage, sollen auch in der Kultur herausragend honoriert werden.
Gewiss, die Theater leben zu vier Fünfteln von Steuergeldern, sie erwirtschaften keine materiellen Gewinne wie Unternehmen. Aber eine Institution wie die Stuttgarter Staatstheater schafft immaterielle Werte, die nicht minder wichtig sind. Als Standort für Unternehmen und ihre Führungskräfte, zum Beispiel, gewinnt die Landeshauptstadt auch durch sie viel an Strahlkraft.
Die Frage ist nicht, ob in Baden-Württemberg insgesamt zu viel Geld für die Kultur ausgegeben wird. Mit etwa einem Prozent des Landeshaushalts erscheint der Anteil wahrlich nicht übertrieben hoch. Die Frage ist eher, wie die begrenzten Mittel zwischen den großen und kleinen Akteuren des Kunstbetriebs verteilt werden. Darum wird schon heute gerungen und, in Zeiten der Schuldenkrise, künftig eher noch heftiger. Niemand dürfte bestreiten, dass die Kultur Leuchttürme wie die Stuttgarter Oper braucht.
Ein geschlossenes System, das den Einblick von außen zu scheuen scheint
Aber daneben haben auch mittlere und kleine Bühnen ihre Berechtigung. Sie überleben oft nur dank des Idealismus und der Selbstausbeutung ihrer Träger, zuweilen am Rand des Existenzminimums. In scharfem Kontrast dazu steht das vom Rechnungshof illustrierte Anspruchsdenken der Spitzenleute an den Staatstheatern. Zusätzlich zum stattlichen Salär werden da, wie selbstverständlich, weit reichende Freiheiten und Nebenleistungen erwartet.
Natürlich sind die Besten ihres Fachs heiß umworben, bei den Dirigenten sogar weltweit. Aber der Hinweis auf den Markt, an dem sich die Gagen bildeten, rechtfertigt nicht die derzeitige Intransparenz. Entstanden ist ein geschlossenes System, das den Einblick von außen zu scheuen scheint. Zu Recht verlangen die Finanzkontrolleure mehr Offenheit. Dass Personalentscheidungen nicht im kleinsten Kreis fallen, dass es nachvollziehbare Auswahlverfahren gibt, dass die Vergütung an Kriterien geknüpft wird - dagegen lässt sich wenig einwenden.
Auch die Veröffentlichung von Gehältern ist anderswo längst kein Tabu mehr. Warum sollte, was bei Staatsunternehmen zunehmend Standard ist, hier nicht möglich sein? Es mutet schon seltsam an, wie sich der Kulturbetrieb - samt einiger Kulturpolitiker - gegen mehr Transparenz stemmt. Wollen die Theatermacher nicht den mündigen, aufgeklärten Bürger? Der sollte dann aber auch selbst beurteilen können, was ihm das Theater wert ist.


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