Kommentar zu Energieversorgern Druck auf die EnBW bleibt
Judith Weber, 16.12.2011 07:02 Uhr
Die EnBW hätte die Qual der Wahl Foto: dpa
Die EnBW hätte die Qual der Wahl Foto: dpa

Stuttgart - Es sollte ein Geschäft mit Perspektive werden. Als der scheidende EnBW-Chef Hans-Peter Villis vor zwei Jahren beim Oldenburger Energieunternehmen EWE einstieg, glaubte er, sein Unternehmen damit einen großen Schritt nach vorne gebracht zu haben. Dabei war es nicht so sehr die EWE selbst, die den Konzernchef frohlocken ließ, sondern vielmehr eine Beteiligung der Oldenburger an einem weiteren Unternehmen aus der Energiebranche. Die Rede ist von dem ostdeutschen Gasgroßhändler VNG.

Kaum absehbar war damals, dass das Land Baden-Württemberg einmal als Eigner bei der EnBW einsteigen würde. Und so musste die Formel, die eine Rückabwicklung des EWE-Geschäfts bei einem Kontrollwechsel möglich macht, dem EnBW-Chef keine Sorgen bereiten. Nun droht sie den Karlsruhern jedoch zum Verhängnis zu werden. Die Oldenburger könnten sie als Druckmittel in den Verhandlungen um den Verkauf des VNG-Pakets nutzen. Schließlich haben sie nach wie vor ein großes Interesse daran, der EnBW die Aktien zum vertraglich vereinbaren Preis von 1,4 Milliarden Euro zu verkaufen. Am Markt bekämen sie dafür derzeit deutlich weniger.

Unliebsame Alternativen

Die EnBW hätte dann die Qual der Wahl und müsste sich zwischen Alternativen entscheiden, die ihr beide nicht gefallen dürften. Die Rückgabe der EWE-Anteile würden der EnBW zwar Geld in die Kassen spülen. Doch das wäre deutlich weniger als die zwei Milliarden Euro, die Villis vor zwei Jahren für den Einstieg bei den Oldenburgern zahlte, und wohl kaum ein Befreiungsschlag für den finanziell angeschlagenen Konzern aus Karlsruhe.

Die Übernahme des VNG-Pakets käme die EnBW hingegen teuer zu stehen. Um den milliardenschweren Kaufpreis zu stemmen, käme sie wohl kaum umhin, dem russischen Gaslieferanten Novatek einige Aktien weiterzureichen. Somit würde aus der Minderheitenbeteiligung, um die es ohnehin schon nur geht, eine noch geringere Beteiligung. Ein großer Schritt zum Ausbau des Gasgeschäfts sieht anders aus.

Kommentare (3)
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macnice, 14:23 Uhr

@maschmi

Sehr geehrter Martin Schmidt, mir geht es nicht um den Einstieg bei EWE vor 2 Jahren! Damals konnte man die Folgen vielleicht wirklich noch nicht vorhersehen. Doch der Einstieg des Landes vor einem Jahr fiel nicht vom Himmel. Eine sorgfältige Prüfung des Unternehmens vor(!) dem Kauf hätte auch solche Geschäfte mit EWE betrachten müssen. Die Atomkraft hat damit nur am Rande etwas zu tun. Auch ohne Fukushima gab es begründete Zweifel am Fortbestehen der Atompolitik, wie sie die CDU im Herbst 2010 beschloss. Eine Verfassungsklage wäre anhängig gewesen, da der Ausstieg aus dem Ausstieg ohne die Länder gemacht wurde, obwohl diese Gesetzesänderung die Landeshaushalte betraf.

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maschmi, 13:12 Uhr

@macnice

Wenn Sie vor 2 Jahren vorhersehen konnten, dass im März 2011 Fukushima einen GAU erleben würde und daraufhin alle, sogar die CDU, hysterisch gegen Atomkraft vorgehen würden, dann sollten Sie Ihr Geld als Hellseher verdienen. Die wirtschaftliche Situation der EnBW hat nichts mit dem Kauf von EWE zu tun und auch nichts damit, dass die EnBW nun wieder dem Land gehört. Sie ist schlicht dem Umstand geschuldet (zumindest zum Großteil), dass der EnBW von heute auch morgen die Geschäftsgrundlage entzogen wurde. Dazu kam eine neuen Krise, die due Unternehmenswerte allgemein hat fallen lassen. Woher hätte man das vor 2 Jahren denn wissen sollen, dass gleich zwei Dinge passieren, die deutsche Energieunternehmen hart treffen? MfG Martin Schmid

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DEZ
16
macnice, 09:06 Uhr

"kaum absehbar"?

"Kaum absehbar war damals, dass das Land Baden-Württemberg einmal als Eigner bei der EnBW einsteigen würde. Und so musste die Formel, die eine Rückabwicklung des EWE-Geschäfts bei einem Kontrollwechsel möglich macht, dem EnBW-Chef keine Sorgen bereiten." Selbst wenn wie im Artikel unterstellt vor zwei Jahren dies nicht absehbar gewesen ist: Hätte nicht eine umfassende Unternehmensprüfung vor dem EnBW-Deal dieses Risiko erkennen müssen? Ich zitiere die StZ aus einem früheren Beitrag: "Für Mappus steht es weiterhin außer Frage, dass der Kaufpreis von 41,50 Euro je Aktie "fair und angemessen" war. Der Festlegung sei eine umfassende Unternehmensbewertung vorausgegangen, auch eine so genannte Due-Diligence-Prüfung auf Basis öffentlich verfügbarer Informationen." Meine Frage: Wie umfassend war also diese angeblich erfolgte Unternehmensbewertung?

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