Kommentar zu Facebook Goldgrube Privatsphäre

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Facebook ist an der Wall Street die Internet-Story des Jahres. Doch in der schnelllebigen Branche gibt es keine Siege auf Dauer. Ein Kommentar von Andreas Geldner.      

Washington - Das Internet ist über weite Strecken gratis – und hat doch seinen Preis. Auch die Dienste von Facebook bezahlen seine hunderte von Millionen Nutzer letztlich damit, dass sie freiwillig Dinge von sich preisgeben, die der vermeintlich so großzügige Anbieter zu Geld machen kann. Gründer Mark Zuckerberg mag noch so sehr beteuern, dass ihn letztlich eine Vision antreibe. Das mag für ihn persönlich womöglich stimmen.

Doch wenn man die Begeisterung an der Wall Street über den bald geplanten, milliardenschweren Börsengang sieht, dann ist klar, dass es auch in dieser Branche letztlich um die Essenz des Kapitalismus geht – um sehr viel Geld. Und da muss Facebook trotz seiner rapide wachsenden Nutzerzahlen erst noch zeigen, was wirklich in dem Unternehmen steckt. Funktioniert der Handel Privatsphäre gegen Netzwerkzugang auf Dauer?

Kann Facebook tatsächlich langfristig einen Trend durchsetzen, wonach die Nutzer sich anstatt im offenen Internet immer mehr im eigenen Universum tummeln? Die Firma hat in der Vergangenheit nicht so agiert, als sei der Datenschutz für sie ein hohes Gut. Ins Weltbild ihres Chefs Mark Zuckerberg scheint das Wort Privatsphäre jedenfalls nicht so recht zu passen. Das hat das Vertrauen mancher Nutzer erschüttert. Es besteht kaum ein Zweifel, dass der Börsengang viel Geld einbringen wird. Facebook ist an der Wall Street die Internet-Story des Jahres. Doch in der schnelllebigen Branche gibt es keine Siege auf Dauer.


Milliardennutzung Der Börsenantrag des sozialen Netzwerks enthält viele bemerkenswerte Kennziffern. Dazu gehört nicht nur die ständig wachsende Zahl von Nutzern. Von den zurzeit 845 Millionen tummelt sich deutlich mehr als die Hälfte täglich auf den Facebook-Seiten. Jeden Tag schreiben diese im Durchschnitt 2,7 Milliarden Kommentare oder klicken auf den zum Markenzeichen gewordenen „Like“-Knopf.

 

Wenig Jobs, junge Firma. Trotz der globalen Reichweite von Facebook dürfte mancher mittelgroße Industriebetrieb die Zahl der Arbeitsplätze in der Firma übertreffen. Im vergangenen Jahr hatte sie 3200 Mitarbeiter – das war aber immerhin ein Zuwachs von rund der Hälfte im Vergleich zum Jahr 2010. Jugendlich ist Facebook auch angesichts der Lebensjahre seiner Unternehmensführung. Niemand ist älter als 44 Jahre.

Zuckerbergs Macht. Im Jahr 2011 wurde Mark Zuckerberg mit 1,5 Millionen Dollar entlohnt – wird aber vom nächsten Jahr an nur noch ein symbolisches Gehalt von einem Dollar bekommen. Sein Unternehmensanteil von 28 Prozent macht ihn dennoch zum Multimilliardär. Wenn der Börsengang den erwarteten Ertrag bringt, würde er zum neuntreichsten Menschen der Erde. Dank seiner Stimmrechte in der Größenordnung von 57 Prozent ist er in der Firma bisher die dominierende Figur.

 

 

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