Sarrazins Zuspitzungen wurden entlarvt, sein Szenario der Angst mit Argumenten entkräftet. Foto: afp
Frankfurt - Keiner verbietet Thilo Sarrazin den Mund. Wie allen Bürgern dieses Landes steht es ihm zu, eine Meinung zu haben, sie niederzuschreiben und zwischen zwei Buchdeckel zu packen. Er darf die Werbetrommel rühren, seine Thesen vermarkten, durch Talkshows ziehen, und wenn er dabei sich selbst und andere auf Krawall bürstet, ist auch das seine Entscheidung. Als Privatmann kann er sich bis zur Enthemmung verausgaben, ohne Verpflichtung zum Stil. Eine freiheitlich-pluralistische Gesellschaft, die sich zur Meinungsfreiheit bekennt, hält das aus. Soll sie doch die Sarrazin’sche Prosa zerpflücken, die Fakten beleuchten, ihren eigenen Standpunkt überprüfen. Das stärkt.
Etwas anderes hält die Gesellschaft nicht aus: einen Thilo Sarrazin, der gar kein Privatmann ist. Er hat sein Buch als Vorstand der Bundesbank auf den Markt und sich selbst ins Getümmel geworfen. Man muss nicht Bundesinnenminister sein, um sich von einem hervorgehobenen Amtsträger eine gewisse kommunikative Zurückhaltung zu wünschen. In einer solchen Position geht es um die richtige Balance. Ein eigenes, möglichst klares Profil ist erforderlich. Ebenso erforderlich sind ein scharfer Blick für das große Ganze, ein feines Gespür für gesellschaftliche Verantwortung, ein inneres Interesse an konstruktiven Lösungsvorschlägen, wenn es schon keine Menschenliebe sein soll. Nichts davon findet sich bei Sarrazin im Stadium des fortgeschrittenen Alarmismus.
Sarrazins Szenario wurde mit Argumenten entkräftigt
Nun hat der Bundesbankvorstand einstimmig beschlossen, Sarrazins Abberufung beim Bundespräsidenten zu beantragen. Das ist gut so – und schwierig genug zudem. Denn für eine solche Situation ist das Regelwerk nicht gemacht, was etwas Tröstliches hat: Ein Sarrazin ist ein Fall für sich, ein Einzelfall. Doch ist der Fall mit dem Abgang erledigt, nach der Devise: aus den Augen, aus dem Sinn? Genug gehört vom Niedergang? Sozialdarwinismus und Biologismus, genetischer Schicksalsfatalismus und demografische Apokalypse, Sozialphilosophie und Sozialmissbrauch – vieles ist in den vergangenen Tagen mit voller Berechtigung und fundiert diskutiert worden. Sarrazins Zuspitzungen wurden entlarvt, sein Szenario der Angst mit Argumenten entkräftet. Es war keine schlechte Debatte, auch wenn ihre Hauptperson keine gute Figur gemacht hat.
Und doch wäre es ein Fehler, die Debatte zu beenden, denn es gibt nicht nur diejenigen, die sich mit Fakten gegen Analysen à la Sarrazin verwahren. Es gibt auch diejenigen, die genau die Ängste empfinden, von denen er schreibt. Ein Abbild davon vermittelt das Internet, man muss nur die Kommentare dort lesen. Das Bekenntnis zu einer pragmatischen Integrationspolitik, das in den vergangenen Jahren endlich auch von ganz oben, von der Bundesregierung, abgelegt worden ist, ist noch nicht allgemein verinnerlicht. Dabei hat dieses Bekenntnis durchaus sozial- und bildungspolitische Fortschritte ermöglicht und rechtspopulistische Eskalationen wie in anderen europäischen Ländern verhindert. Es bewegt sich etwas in diesem Land, wenn auch langsam. Ein Dilemma kommt hinzu: gelungene Integration sieht man nicht, man sieht nur ihr Scheitern, und dies desto krasser, je mehr sich der berechtigterweise kritische Blick für Missstände schärft.
Eine Frage bleibt am Schluss: Wie haben Muslime in Deutschland diese Debatte erlebt, deren Grundlage gerade auch peinliche Pauschalierungen in ihrer Sache gewesen sind? "Das schlechte und verzerrte öffentliche Image des Islams ist für liberal-gläubige Muslime wie mich inzwischen unerträglich geworden", hat etwa die westfälische Islamwissenschaftlerin und muslimische Religionslehrerin Lamya Kaddor festgestellt – und das bereits vor dem Sarrazin-Buch. Es läuft etwas schief, wenn diejenigen vor den Kopf geschlagen werden, die konstruktiv an Lösungen mitwirken.
Demagogen haben mit deutscher Bevölkerung leichtes Spiel. Wie schon gehabt.
Mich ärgert außerordentlich, dass dieser T.S. in den Medien eine absolut unverdiente Resonanz erfährt. Das Problem der Integration ist bekannt, nur haben die etablierten Parteien jahrzehntelang die Sache nie ernst genommen. Die Gastarbeiter waren als billige Arbeitskräfte willkommen, der Millionste bekam sogar ein Moped. Aber als Menschen hat man sie nie ernst genommen.
Wenn jetzt die 3. Generation sich dieses Pappschild Integration nicht mehr umhängen lassen will, weil sie gar keine Chancen auf dem Arbeitsmarkt mehr vorfindet, dann erst kommt das böse Erwachen. Wir alle haben versäumt, vor einem Vierteljahrhundert mit einer intelligenten, die betroffenen Menschen erfassenden Einwanderungspolitik die Weichen so zu stellen, dass sie für die Deutschen und jene mit Migrationshintergrund erträglich worden wären.
Das Geschirr ist zerschlagen, jetzt haben die Demagogen mit einer verschreckten Bevölkerung leichtes Spiel. Und das mit willfährigen Medien wie dem Spiegel oder der Blödzeitung, die einen T.S. als "Demokraten, der am Aussprechen behindert würde" stilisieren.
SEP
04
09:56 Uhr, geschrieben von mails8
Volk flaggt fuer Sarrazins Meinung
Es wird viel diskutiert über Thilo Sarrazin, und es gibt viel
Zustimmung.
Allerdings ist mir aufgefallen, daß laut der systemtreuen Presse es
stündlich weniger
werden,die den Thesen zustimmen.
Wers glaubt ...
Sollten wir nicht lieber anfangen zu Handeln!
Zu DDR-Zeiten haben sich diejenigen Leute welche einen Ausreiseantrag
gestellt hatten ein
Bändchen an die Autoantenne gebunden.
Wurde der Antrag abgelehnt wechselte die Farbe des Bändchens.
Ebenso wurde ein anders farbiges Bändchen angebracht wenn der
Ausreiseantrag genehmigt wurde.
Mein Vorschlag wäre.:
Jeder, welcher Sarrazins Meinung ist bindet sich ein blaues Bändchen an die
Antenne seines Fahrzeuges. Sollte bezüglich der Farbe andere Meinung
sein kann man sich ja sicherlich einigen. Man kann gespannt sein wie
viele Bändchen nächste Woche im Wind wehen werden.
Ich für meinen Teil habe schon eins angebunden
Alle Leser sollten diese Idee in den Foren verbreiten wo sie sonst
noch unterwegs sind. Auf diese Weise können wir viele Menschen
erreichen, die mit dem "System der Meinungsfreiheit" in Deutschland
nicht einverstanden sind.
SEP
03
18:05 Uhr, geschrieben von Thomas Walter
Klare Kante...
... das ist es, was sowohl Frau Thelen als Kommentatorin als auch Herr Sarrazin dem Leser bietet. So soll's auch sein. Dass sie hier mit seiner Meinung über Kreuz liegt und manche Sachverhalte anders interpretiert, macht die Sache ja erst richtig spannend.
Woher kommt sie denn, die Politiker- (nicht Politik!-) Verdrossenheit, die unsere Demokratie bedroht? Sicher nicht von den Politikern, die zu ihren Ansagen auch bei Gegenwind stehen. Klarheit in der Sache, Aufzeigen von Lösungsansätzen Durchsetzen einmal als "richtig" erkannter Szenarien, das ist es, was sich viele wünschen. Aber bitte demokratisch legitimiert und nicht mit den finsteren Strukturen aus "tausendjähriger" Geschichte.
Nur leider führt das Auswahlverfahren der relevanten Parteien für ihr Personal immer mehr zu Windkanalfiguren, die keinen Gegenwind aushalten, sondern höchstens selber, dann aber heiße Luft absondern.
Politiker oder herausgehobene Persönlichkeiten wie z.B. Bundesbankvorstände, die ihre in diesem Falle sogar - glaubt man den Umfragen zu diesem Thema - mehrheitsfähigen Meinungen dezidiert und pointiert auf die öffentliche Bühne bringen, stören da nur die eingespielten Abläufe und müssen so schnell wie möglich desavouiert werden.
Das scheint im Falle Sarrazins recht schnell zu klappen - zum Unmut des größten Teils der Bevölkerung. Da sollten sich die "Volksparteien" über künftigen weiteren Wählerschwund nicht beklagen. Sie vertreten einfach nicht mehr die Meinung des Volkes.
01:50Verkehrsrichter empfehlen Amnestie für Verkehrssünder »
Berlin - Angesichts der geplanten Reform des Flensburger Punktekatalogs hat der Verkehrsgerichtstag für den Systemübergang eine Amnestie für Verkehrssünder empfohlen. Verkehrsgerichtstagspräsident Kay Nehm sagte der "Rheinischen Post", es könne nur so funktionieren. Nehm begrüßte die Reformvorschläge von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer. Danach könnten Autofahrer künftig schon mit acht Punkten den Führerschein verlieren. Vergehen sollen dafür aber auch mit weniger Punkten als geahndet werden.
01:47Argentinien beschwert sich bei UN über London »
New York - 30 Jahre nach dem Falklandkrieg will sich Argentinien beim UN-Sicherheitsrat über seinen früheren Gegner Großbritannien beschweren. Die UN-Mission in New York bestätigte, dass das Land heute offiziell eine "Militarisierung des Südatlantiks" beklagen wolle. Grund ist unter anderem die Entsendung der "HMS Dauntless" in die Region. Argentinien hatte die von Großbritannien verwalteten Inseln 1982 besetzt. Nach einem Krieg von zweieinhalb Monaten eroberten die Briten die Inselgruppe zurück.
00:33Bedingungen an Athen für Rettungsprogramm »
Brüssel - Griechenland muss binnen einer Woche Bedingungen der Europartner erfüllen, um neue Milliardenhilfen zu erhalten. So müsse das griechische Parlament die Vereinbarung zwischen der griechischen Regierung und der Troika billigen, sagte der Vorsitzende der Eurofinanzminister, Luxemburgs Jean-Claude Juncker, am Abend in Brüssel. Das Hilfsprogramm von 130 Milliarden Euro solle dann am Mittwoch nächster Woche von den Ministern gebilligt werden, falls die Bedingungen erfüllt seien, sagte Juncker.
00:29US-Richter verwirft Klage gegen "Versklavung" von Orcas »
San Diego - Eine Klage, die Tierschützer stellvertretend für fünf Orcawale eingereicht hatten, ist von einem Richter in Kalifornien verworfen worden. Mit der Klage wollten die Tierschützer prüfen lassen, ob das in der Verfassung festgeschriebene Verbot der Sklaverei auch für Meeressäuger gilt. Bundesrichter Jeffrey Miller befand jedoch, dass sich der Paragraf nur auf Menschen bezieht. Mit der Klage sollte die Freilassung von Tieren aus dem Erlebnispark "Seaworld" erwirkt werden.
23:20US-Börsen leicht im Plus nach Einigung in Athen zum Sparpaket »
New York - Die US-Börsen haben nach einem richtungslosen Verlauf Gewinne verbucht. Allerdings bröckelte das Plus im Leitindex Dow Jones Industrial bis Handelsschluss wieder ab, so dass er nur knapp im positiven Terrain schloss. Die Stimmung am Markt wurde letztlich leicht positiv davon beeinflusst, dass es in Griechenland zu einer Einigung auf ein neues Sparprogramm gekommen ist. Der Dow Jones beendete den Tag bei 12 890,46 Punkten. Der Euro notierte zum US-Aktienmarktschluss bei 1,3283 US-Dollar.