Kommentar zu Steinbrück Kein Gespür

Bärbel Krauß, 06.12.2012 09:20 Uhr

Berlin - Eines ist sicher: vom Glück verfolgt kann Peer Steinbrück sich nicht mehr fühlen, seit er zum Kanzlerkandidaten ausgerufen wurde – im Gegenteil. Dass die Schweizer Sarasin-Bank ausgerechnet kurz vor seiner im April vereinbarten und jetzt abgesagten Rede den Staatsanwalt im Haus haben würde, konnte der Honorar-belastete Spitzengenosse wirklich nicht wissen. Bei allem, was Steinbrück gerade widerfährt, ist auch eine Menge Pech im Spiel.

Aber Pech ist es nicht nur. Wie konnte Steinbrück nur annehmen, ein Auftritt bei einer Bank, wie der in letzter Sekunde abgesagte, könne drei Tage vor dem SPD-Parteitag kein Problem sein? Nach einer so zähen Debatte über seine Vortragshonorare? Nach all den Berichten über den Fehlstarter und seinen Absturz in den Umfragen? Das offenbart entweder ein Übermaß an Naivität, einen Mangel an Fingerspitzengefühl oder eine Mischung aus beidem. Jedenfalls hat Peer Steinbrück noch kein sicheres Gespür für die Dinge entwickelt, die gefährlich für ihn sind; entsprechend miserabel ist sein Krisenmanagement. Zugegeben, im Nachhinein ist es immer leicht, den Besserwisser zu spielen. Aber es wäre eine gute Investition gewesen, den Vertrag über den Vortrag bei der Sarasin-Bank zu kündigen und die dann anfallende Konventionalstrafe einfach zu bezahlen.