zum Thema
Stuttgart - Die Bediensteten im öffentlichen Nahverkehr machen ernst. Nach den Warnstreiks Anfang der vorigen Woche beginnen sie am Mittwoch ihren Arbeitskampf in Baden-Württemberg. Am Donnerstag werden die Kunden in Stuttgart unter dem Ausstand zu leiden haben. Das ist zwar ein Ärgernis für jeden Betroffenen und bringt die Nahverkehrsunternehmen um beträchtliche Einnahmen. Doch Streiks sind ein legitimes Mittel der organisierten Arbeitnehmer. Wie sonst sollen sie ihre Interessen durchsetzen? Gelassenheit ist also angebracht, zumal die Arbeitsniederlegungen die großen Städte des Landes punktuell und nicht dauerhaft treffen werden. Jeder Fahrgast wird vorgewarnt und damit in die Lage versetzt, sich rechtzeitig um Alternativen zu bemühen.
Es geht in diesem Konflikt wohlgemerkt nicht um schlichte Lohnsteigerungen. Vielmehr wollen die Beschäftigten einen jahrelangen Abwärtstrend ihrer Arbeitsbedingungen umkehren. Nach dem Motto „Jetzt oder nie riskieren wir es“ streben sie eine Loslösung aus dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes an. In diesem gleichmacherischen Mammutkonstrukt fühlen sich die Bediensteten des Nahverkehrs nicht mehr angemessen vertreten. Künftig wollen sie nur noch für ihre eigenen Rechte kämpfen.
Wendet sich auch gegen Verdi
Somit wendet sich der Streik nicht nur gegen die Arbeitgeber, sondern auch gegen die Gewerkschaft, die ihn organisiert: Verdi hat den Nahverkehr bei den bundesweiten Verhandlungen über das öffentliche Tarifvertragswerk offensichtlich vernachlässigt. Dies ist kein Einzelfall - immer mehr Berufsgruppen suchen nun ihr Heil in eigenständigen Tarifbewegungen. Zurückbleiben werden diejenigen Beschäftigten, die mit Streiks nichts ausrichten können – so wie die Bus- und Stadtbahnfahrer, die schon mit wenigen Aktionen eine große Wirkung zu erzielen vermögen. Die einst so hoch gehaltene Solidarität jedoch wird im öffentlichen Dienst durchbrochen. Aus diesem Dilemma kommt die Dienstleistungsgewerkschaft nicht mehr heraus.


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Vielmehr wollen die Beschäftigten einen jahrelangen Abwärtstrend ihrer Arbeitsbedingungen umkehren ???
...ähhhm - also auf der ver.di-Seite ist zu lesen : - 30 Tage Urlaub - Bezahlung der Wegezeiten - LOB (Leistungsorientierte Bezahlung) in freien T - 100% Einmalsonderzahlung (13. Monatsgehalt) - Vergünstigungen für ver.di-Mitglieder - Vergünstigungen für Tickets..... DAS sind für mich Luxusforderungen, unangemessen & unangebracht. Vielmehr sollte mal die unsägliche LeihANschaft abgeschafft werden bzw. max. den Zweck erfüllen, für den sie einstmals gedacht war - von Solidarität keine Spur.
Arbeitszeiten
Mal ein Beispiel zu den Arbeitszeiten. Wer im Rollierrythmus arbeitet der hat z.B. als Verkehrsmeister in einer 6 Tagewoche, die erste Schicht von 20 Uhr bis 5:15Uhr und die letzet Schicht von 2 Uhr Morgens bis 11 Uhr. Das bedeutet sie Rollieren in 6 Tagen um 27 Stunden mit dem Dienstbeginn nach hinten. Als Busfahrer im Rollierplan der Rückwärtsrollierung haben sie z.B. Schichtfolgen in fünf Tagen von 16 Uhr bis 1:10 am ersten Tag und von 4:13 Uhr bis 13:00 Uhr am letzten Tag, wobei sie dann noch vom Hauptbahnhof zum Schlachthof müssen. Das bedeutet eine Rückrollierung um 22 Stunden mit dem Dienstbeginn in fünf Tagen. Die Kollegen die im Flexplansystem arbeiten, haben in der Regel wenn alles klappt zwar nicht solche starken Rollierungen (wenn’s klappt), dafür aber ein Roulettsystem bei dem man als Basisflexer nicht weis ob man die Dienstlagen wie eingegeben bekommt. Als Freiflexer werden Freitage und Dienste im Roulettsystem vergeben. Man weis also vorher nie was man bekommt. Es immer sein das man von Spät auf Früh rollieren muss und dann wieder spät hat. Und dann gesteht man uns nicht einmal zu das wir Schichtarbeiter sind und behauptet das diese Art zu arbeiten gesund ist. Es kommt immer wieder vor das man sich krampfhaft wach halten muss oder auch mal an der Ampel einschläft und dann froh ist das es keiner bemerkt hat. Die Fahrzeiten sin zum Teil so knapp das man z.B. auf den Linien 40 und 42 in der HVZ am Schlossplatz und am Vogelsang so wenig Zeit hat, das nicht einmal die Verspätung ausgeglichen wird, geschweige es für einen normalen Toilettengang reicht. Auf der Line 40 ist das auch am Wochenende so, dort haben sie zum Teil nur 4 Minuten brauchen aber 10 um zur Toilette und zurück zu kommen. Auf manchen Linien gibt es Dienste in denen die Pause durch die Wendezeit in der sie den kontrollierten Vordereinstieg mit Fahrkartenverkauf durchführen abgegolten wird. Um dem zu entgehen können sie nur Versuchen die Fahrgäste zu Ignorieren (kann ich nicht) oder ihr Brot auf der kleinen Toilette essen, weil es keinen Pausenraum in …………(wir wollen ja nicht das man weis auf welchem Hof ich bin) gibt. Weiter werden die Toiletten so selten geputzt das die Mülleimer überquellen.
@Ypsilon
@Ypsilon: Immer der Vergleich mit dem Assistenzarzt. Das Gehalt eines Arztes ist mit einem Busfahrer nicht vergleichbar, da das Gehalt eines Arztes mit der Erfahrung ansteigt und nicht auf demsleben Niveau bleibt wie bei einem Busfahrer. Ausserdem haben die Ärzte nicht erst vor Kurzem gestreikt, das war in Ordnung. Vielleicht sollte auch etwas toleranter sein. Warum soll ein Busfahrer eine gesicherte Rente haben als alle anderen Angestellten. Busfahrer sind keine Beamte und zahlen in die Rentenkasse ein. Oder zahlen Ärzte in keine Rentenkasse ein. Hauptsache Unwahrheiten verbreitet, in der Hoffnung Neid und Missgunst zu streuen. Ausserdem studiert niemand Medizin, nur um seine Familie zu ernähren, sondern es ist auch eine Passion. Wohingegen der Busfahrer - die meisten - arbeiten, um Geld zu verdienen.