Kommentar zu Stuttgart 21 April, April im August

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Die Öffentlichkeitsarbeit zu Stuttgart 21 trägt kuriose Züge. Erst ruft die Bahn den Baustart zum Tiefbahnhof aus, dann will sie davon nichts wissen. Die Kommunikation ist eines der Probleme des Projekts, meint StZ-Redakteur Thomas Durchdenwald.

Die S-21-Gegner haben am Dienstag eine Bühne bekommen. Foto: Michael Steinert 6 Bilder
Die S-21-Gegner haben am Dienstag eine Bühne bekommen.Foto: Michael Steinert

Stuttgart - Angesichts der Geschichte des seit Jahren andauernden Protests gegen Stuttgart 21 kann es kaum verwundern, dass Projektgegner die Pressekonferenz, die das Kommunikationsbüro kurioserweise zum offiziellen Starttermin der Bauarbeiten am Bahnhofstrog stilisierte, einige Minuten lang mit Lügenpack-Rufen begleiteten. Verwunderlich war schon eher, dass der S-21-Projektsprecher Wolfgang Dietrich am Dienstagvormittag plötzlich Wert auf die Feststellung legte, dass man von einem Baustart nicht reden könne, weil ja schon viele Arbeiten wie die Verlegung des Querbahnsteigs erledigt worden seien.

Wie bitte? Waren es nicht Dietrich und die Bahn selbst, die den Hype um den Baustart im Zentrum angestoßen hatten? Nur zur Erinnerung: Dietrich kündigte Anfang Juli an, dass demnächst angekündigt werde, wann mit den Bauarbeiten für den Tiefbahnhof begonnen werde. Bahn-Vorstand Volker Kefer nutzte dafür eine Podiumsdiskussion und setzte das Wort vom Baustart und den Termin 5. August in die Medienwelt. Entsprechend waren die Reaktionen: die Kunde vom „Start für das Herzstück des Milliardenprojekts“ verbreiteten die Nachrichtenagenturen deutschlandweit. Und just als es so weit war, meinte Dietrich also, dass alles nicht so gemeint gewesen sei, und korrigierte vorwurfsvoll diejenigen, die vom Baustart redeten und schrieben.

April, April mitten im August.

Ins Fäustchen lachen sich darüber die ­S-21-Gegner, die den Tag des Vielleicht-oder- vielleicht-doch-nicht-Baustarts zum Protest mit mehreren Hundert Demonstranten nutzten, auch wenn ihre Hoffnung auf ein Ende des Projekts immer unrealistischer wird. Sie werden sich gefreut haben über die Bühne, die ihnen die Kommuni­kationsarbeiter der Bahn bereiteten, die selbst nur technische Details verkündeten und Fragen zur unvollkommenen Baulogistik und zum mangelnden Lärmschutz abbügelten. Stuttgart 21 hat viele Probleme, die Kommunikation ist eines davon.