KommentarKommentar zu Stuttgart 21 Hoher Wert, hehre Worte

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Der Streit zwischen Eisenbahn-Bundesamt und dem S-21-Kommunikationsbüro offenbart Differenzen in der Informationspolitik. Ein Kommentar von StZ-Redakteur Thomas Durchdenwald.

Im Juni hat ein Lastwagen die Rohrkonstruktion umgerissen, damals war der Rost von außen sichtbar. Foto: dpa
Im Juni hat ein Lastwagen die Rohrkonstruktion umgerissen, damals war der Rost von außen sichtbar.Foto: dpa

Stuttgart - Die vom Eisenbahn-Bundesamt – im Gegensatz zur Bahn – bestätigte Überschreitung eines Grenzwerts bei einer Probe um zwei Milligramm pro Liter mag manchem wie eine Lappalie erscheinen. Und doch geht es auch um Grundsätzliches – nämlich darum, wie transparent und offen die Bahn Informationen während der Jahre dauernden Bauarbeiten für Stuttgart 21 kommuniziert. Und zwar auch solche, die weniger Erfolgsmeldungen sind, sondern eher Schwierigkeiten dokumentieren.

Beim Streit über den Schutz des Grund- und Mineralwassers, der viele Stuttgarter Bürger zurecht umtreibt, standen der Bauherr Bahn und die Aufsichtsbehörde EBA angesichts der Erkenntnisse der S-21-kritischen Ingenieure 22 bisher fest auf einer Seite. Umso überraschender ist nun ihr öffentlich ausgetragener Disput und der Umstand, dass das EBA konkrete Werte nennt, während die Bahn dies offenbar nicht für nötig hält. Doch wer den „Schutz des Grundwassers als hohes Gut“ bezeichnet, wie es die Bahn via Kommunikationsbüro tut, der sollte diesen hehren Worten auch konkrete Angaben folgen lassen.

Das unverständliche Verhalten des Kommunikationsbüros, das im Wissen der Aussagen der Aufsichtsbehörde an seinen Angaben festhält und jedwede Erklärung dafür schuldig bleibt, untergräbt in einer wichtigen Frage die Glaubwürdigkeit des Bauherrn Bahn. Das kann schon nicht in dessen Interesse sein, noch weniger aber in dem der Projektpartner, die das Kommunikationsbüro tragen und deren Embleme jede Pressemitteilung zieren. Gerade die Stadt Stuttgart, der eine konsequente, transparente und bürgernahe Information ein elementares Anliegen ist, kann dem eigentlich nicht tatenlos zuschauen.

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Paul Peter, 20:33 Uhr - Eingeständnis der von Interessen gelenkten Probenentnahme: Hallo Herr Peter, vielen Dank für das Zitieren dieser sehr aufschlussreichen (!) Textstellen und für das Eingeständnis, dass die Probenentnahme nicht unabhängig erfolgt. Ich darf den von Ihnen zitierten Text mal auseinandernehmen: ___________ „Das EBA hat das Monitoring am 7. August gegenüber der DB Netz AG förmlich angeordnet“ = übersetzt: Die Bahn, also der Täter, darf die Probennahmen beauftragen. Das bedeutet, sie, also der Täter, entscheidet, wann, wie (z.B. mit vorhergehenden Spülungen), wo, und vor allem wo nicht Proben entnommen werden. ___________ „…und sich dabei ausdrücklich auf die Überschreitung des Einleitgrenzwerts für abfiltrierbare Stoffe beim Infiltrationsbrunnen Nr. 34 bezogen.“ = Tipp für die Bahn, das Rohm beim Brunnen 34 besonders gründlich zu spülen. ___________ „Das Monitoring läuft seit Mitte August für zwei Monate.“ = Nach 2 Monaten kann die Bahn wieder tun und lassen was sie will und die Rostbrühe bedenkenlos in die Heilwasserschutzzone einleiten. ___________ „Die entsprechenden Proben werden von einem zertifizierten Prüflabor entnommen und analysiert.“ = Dort wo die Bahn es sagt. ___________ „Das Amt für Umweltschutz überwacht die ordnungsgemäße Entnahme der jeweiligen Proben vor Ort und beurteilt die vorgelegten Analysenbefunde.“ = Nochmal zum Mitschreiben: Proben werden nicht selbständig und nicht ohne Vorankündigung und nicht von einem neutralen, sondern von einem Bahn-bezahlten Institut, und auch nicht vom Amt für Umweltschutz, entnommen.

Walter Mödinger : " Der kluge Häuslesbauer " hat ..: also neben Ionenaustauschern im Keller auch 6,8 MRD Liter Wasser zum " Entsorgen " ? Ihre Behauptung und Vergleich " bestechen ", aber wen wohl ?

PP - Endlich gibt er es zu: Weder Bahn noch Politik (und so auch die Grünen) sind an einer Transparenz in Sachen S21 interessiert: "... wohl wissend, dass die Bahn nur gegenüber den Aufsichtsbehörden (s. PFB) und den Projektpartnern auskunftspflichtig ist, nicht aber gegenüber sensationslüsternen Medien und schon gar nicht gegenüber ahnungslosen Gegnern." Vielen Dank für die Bestätigung, daß also (sehen wir mal von den bewertenden Begriffen wie "sensationslüstern" und "ahnungslos" ab) die Öffentlichkeit, sprich der stink-normale Bürger, keinerlei Transparenz in Sachen S21 zu erwarten hat. Wir wissen das schon lange, aber endlich gibt es mal ein Vertreter der Bahn endlich zu! Und mit ahnungslos drängt sich sofort die Frage auf: Warum ist jemand ahnungslos? Genau, weil der Jemand nicht oder unrichtig informiert ist. Nun ja, hier zeigt sich mal wieder die besondere Logik eines PP. Dennoch vielen Dank für die entgegenkommende Beurteilung des Tuns von OB Kuhn, allerdings sind auch diese Erkenntnisse den S21-Kritikern längst bewußt geworden.

Knut Kruse :onedig: Wenn man entscheidende Worte aus dem Kontext wegläßt ( "ständig "),entstehen leicht Unklarheiten oder gar Unsinn.Jetzt bliebe noch die Frage, ob das absichtlich geschehen ist oder nicht. Der Mitforistin einen Strick drehen zu wollen, wäre im ersten Falle ehrenrührig,im zweiten nur entlarvend.

Gisela Müller, 23:58 Uhr ++++ Mit den guten Ergebnissen täuscht man darüber hinweg, daß es bei den Proben um ständig fließendes Gewässer in den Rohren handelt; : Frau Müller sie können mir aber jetzt ganz bestimmt erklären, wie das Wasser aus der Baugrube durch die Leitung wieder in das Grundwasser gelangt, wenn es nicht fliesend geschieht, weil man das ja nur vortäuschen will ? ++ Das beamen ist noch nicht erfunden !

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