| Zeitungsgruppe Stuttgart |Samstag, 11. Februar 2012
Stuttgart 21
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Kommentar zu Stuttgart 21 Worte und Taten

Holger Gayer, Fotos: Palmer, vom 26.08.2010 07:18 Uhr
Mittlerweile protestieren Tausende gegen Stuttgart 21. Foto: dpa
Mittlerweile protestieren Tausende gegen Stuttgart 21. Foto: dpa
Stuttgart - Wer in den vergangenen Tagen verfolgt hat, was Bahn-Chef Grube, Ministerpräsident Mappus und Oberbürgermeister Schuster zum Thema Stuttgart 21 gesagt haben, dürfte von den Ereignissen am Mittwoch nicht überrascht worden sein. Zu keinem Zeitpunkt haben die Träger des umstrittenen Milliardenprojektes Zweifel daran gelassen, dass sie noch im August mit dem Abbruch des Nordflügels beginnen werden. Dies ist nun geschehen; den Worten sind die Taten gefolgt.



Und doch ist der Abriss des einst von Paul Bonatz ersonnenen Flankengebäudes weit mehr als nur ein kleiner Fortschritt auf dem Weg zum seit mehr als 15 Jahren geplanten Tiefbahnhof. Längst ist der Nordflügel eines der wichtigsten Symbole des Widerstands geworden; er ist zugleich das Luftschloss gewesen, in dem die Hoffnung der Gegner gewohnt hat, dass Stuttgart 21 doch noch zu verhindern sei.

Der Widerstand wird wohl bleiben


Diese Illusion ist seit Mittwoch zwar endgültig dahin, was aber bleiben wird, ist der Widerstand, der sich seit vierzig Wochen an jedem Montag vor dem Nordflügel gebildet hat – und sich jetzt wohl nur einen anderen Platz suchen wird. Eine Handvoll Demonstranten war es am Anfang, milde belächelt von den Befürwortern. Inzwischen sind es viele Tausend, und sie sind nicht nur zahlreich, sondern auch laut und kreativ.

Aus den kleinen Anfängen ist eine Bewegung geworden, die Stuttgart so sehr verändert wie kaum je eine Protestbewegung zuvor. Es wäre an der Zeit, dass dies auch die Chefs in der Bahnzentrale, in der Villa Reitzenstein und vor allem im Rathaus erkennen und ernst nehmen. Deswegen ist die brüske Ablehnung von Gesprächen nicht hilfreich, im Gegenteil.

Auch wenn der Oberbürgermeister gute Gründe hat, bei seiner Haltung für Stuttgart 21 zu bleiben, ist es dennoch die vordringliche Aufgabe eines Stadtoberhaupts, mit seinen Bürgern zumindest zu reden. Den Taten müssen jetzt auch wieder Worte folgen.

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Kommentare (29)
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AUG
26
09:56 Uhr, geschrieben von mariow
Worte und Taten
Es ist eine bodenlose Frechheit was sich hier Abspielt. Hier werden Firmen und privat Personen an ihrer Arbeitsausübung gehindert! Wie lange wird dies noch geduldet, das einige hirnlose ,,Randalen,, (anders kann man den Belagerungszustand von Straßen nicht nennen), nun auch über Stunden den Verkehr in einer Industriestadt mit sehr hohem Wirtschaftfaktor lahm legen können. Ich hoffe nur sehnlichst das die Landespolizei und Bundespolizei alles unternimmt, das sich solche Zustände wie gestern Abend/Nacht in Stuttgart sich nicht wiederholen. Die Gegner sollten sich endlich mal Bewusst werden was S 21 für die Stadt, Region, Land, Deutschland und Europa bringt. Es sind einmal nur Vorteile, begreift das endlich.
AUG
26
09:54 Uhr, geschrieben von Volker K.
Vorgeschmack
Die Behinderungen durch Demonstranten sind doch nur ein notwendiger und lehrreicher Vorgeschmack auf die erheblichen Behinderungen, die durch Bau und Betrieb von Stuttgart 21 verursacht werden. Wir erwarten künftig mit S21 täglich (!) mindestens viertelstundenweise Verpätungen bei zehntausenden Pendlern einschließlich Straßenbahnen. Die sollen dafür 'ansparen' oder eher büßen dass irgendwann einmal irgend wer eventuell eine oder zwei Minuten schneller von Stuttgart Richtung Wendlingen kommt?
AUG
26
09:51 Uhr, geschrieben von Herbert
@Wolfgang Krauss
Sie schreiben von der Legitimität der Demonstrationen. Solange im Rahmen der Gesetze hierbei die eigene Meinung kundgetan wird, ist das völlig ok - egal, was man von dieser Meinung hält. Nötigungen Unbeteiligter (durch Blockaden von Straßen oder Zügen) übersteigen sind aber schlicht eine Straftat und durch nichts zu rechtfertigen. Gleiches gilt für Sachbeschädigungen oder Aufrufe zur Gewalt gegen Politiker. Hier überschreiten die Projektgegner wesentliche Grenzen unserer Demokratie.
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