Stuttgart - Wer in den vergangenen Tagen verfolgt hat, was Bahn-Chef Grube, Ministerpräsident Mappus und Oberbürgermeister Schuster zum Thema Stuttgart 21 gesagt haben, dürfte von den Ereignissen am Mittwoch nicht überrascht worden sein. Zu keinem Zeitpunkt haben die Träger des umstrittenen Milliardenprojektes Zweifel daran gelassen, dass sie noch im August mit dem Abbruch des Nordflügels beginnen werden. Dies ist nun geschehen; den Worten sind die Taten gefolgt.
Und doch ist der Abriss des einst von Paul Bonatz ersonnenen Flankengebäudes weit mehr als nur ein kleiner Fortschritt auf dem Weg zum seit mehr als 15 Jahren geplanten Tiefbahnhof. Längst ist der Nordflügel eines der wichtigsten Symbole des Widerstands geworden; er ist zugleich das Luftschloss gewesen, in dem die Hoffnung der Gegner gewohnt hat, dass Stuttgart 21 doch noch zu verhindern sei.
Der Widerstand wird wohl bleiben
Diese Illusion ist seit Mittwoch zwar endgültig dahin, was aber bleiben wird, ist der Widerstand, der sich seit vierzig Wochen an jedem Montag vor dem Nordflügel gebildet hat – und sich jetzt wohl nur einen anderen Platz suchen wird. Eine Handvoll Demonstranten war es am Anfang, milde belächelt von den Befürwortern. Inzwischen sind es viele Tausend, und sie sind nicht nur zahlreich, sondern auch laut und kreativ.
Aus den kleinen Anfängen ist eine Bewegung geworden, die Stuttgart so sehr verändert wie kaum je eine Protestbewegung zuvor. Es wäre an der Zeit, dass dies auch die Chefs in der Bahnzentrale, in der Villa Reitzenstein und vor allem im Rathaus erkennen und ernst nehmen. Deswegen ist die brüske Ablehnung von Gesprächen nicht hilfreich, im Gegenteil.
Auch wenn der Oberbürgermeister gute Gründe hat, bei seiner Haltung für Stuttgart 21 zu bleiben, ist es dennoch die vordringliche Aufgabe eines Stadtoberhaupts, mit seinen Bürgern zumindest zu reden. Den Taten müssen jetzt auch wieder Worte folgen.
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