Stuttgart - Dass die Versicherungsbranche ein Ende der Niedrigzinsphase herbeisehnt, ist nur allzu verständlich. Denn insbesondere Lebensversicherungen verlieren ihre Attraktivität, wenn das Geld der Kunden nicht mehr gewinnbringend und frei von allzu großen Risiken angelegt werden kann. In der Vergangenheit waren festverzinsliche Wertpapiere von Emittenten mit unzweifelhafter Bonität die favorisierte Geldanlage in der Branche. Seit insbesondere staatliche Schuldner nicht mehr durchweg als sicherer Hafen gelten können oder aber bei Anlegern so begehrt sind, dass sie – Stichwort Deutschland – fast keine Zinsen mehr zahlen müssen, stecken die Versicherer in der Sackgasse.

Schuldner sind auf niedrige Zinsen angewiesen

Denn die Hoffnung, dass die Zinsen bald wieder steigen könnten, hat keinen großen Realitätsgehalt. Es gibt zu viele Schuldner, die darauf angewiesen sind, dass die Zinsen niedrig bleiben. Auch die Notenbank sieht sich diesem Ziel verpflichtet; nur so glaubt sie in Zeiten der Staatsschulden- und Eurokrise verhindern zu können, dass ihre Geldpolitik wirkungslos wird. Eine dauerhafte Lösung der Krise ist aber nicht in Sicht, und deshalb gilt für höhere Zinsen das Gleiche. Das Problem könnte sich in nächster Zeit sogar noch verschärfen. Denn sehr vieles spricht dafür, dass die Inflation anziehen wird. Dann wird die Realverzinsung noch deutlicher negativ und gibt den Fingerzeig: Diese Art Sparen lohnt sich nicht.

Die Versicherungen sind deshalb gut beraten, wenn sie neue Anlageformen aufspüren – wie zum Beispiel Investitionen in Energieprojekte. Aber auch alte Favoriten gilt es wiederzuentdecken. Gewiss sollte mit Lebensversicherungspolicen nicht spekuliert werden. Aber ein mickriger Aktienanteil von drei Prozent (2011) bedeutet eben auch, dass die Unternehmen darauf verzichten, im Interesse ihrer Kunden Chancen wahrzunehmen.