Kommentar zu Vettels Titel Weltmeister mit Zukunft
Dominik Ignée, 15.11.2010 07:18 Uhr
Nach Sebastian Vettels Titelgewinn hofft die Branche auf einen Boom. Foto: dpa
Nach Sebastian Vettels Titelgewinn hofft die Branche auf einen Boom. Foto: dpa
Stuttgart - Der Rennfahrer Sebastian Vettel besitzt ein einzigartiges Talent: Er stürzt die deutschen Liebhaber des Motorsports von einem Extrem in das nächste. Mal scheint er alles zu verlieren, weil er seinen Teamkollegen Mark Webber von der Piste rammt oder der Motor seines Red-Bull-Autos in Führung liegend hochgeht. Wenige Wochen später gewinnt er wieder und erhält sich doch irgendwie die Chance, jüngster Weltmeister der Formel-1-Geschichte zu werden. So ging es in diesem Jahr stets hin und her. Der Mann, der schon im vergangenen Jahr eigentlich hätte Champion werden müssen, hatte es noch nie gut gemeint mit seinen eigenen Nerven - und denen seiner Fans. Das ist ein Markenzeichen des 23 Jahre alten Heppenheimers.

Für alle, die zwei Jahre lang mitgelitten haben, gab es am Sonntag die ersehnte Erlösung: Sebastian Vettel ist Formel-1-Weltmeister geworden. Er hat es geschafft. Er ist der erste deutsche Titelträger nach Michael Schumacher und der jüngste Gesamtsieger seit Bestehen der Serie. Er steigt damit aus nationaler Sicht in die Beletage großer deutscher Sportstars auf. Unter Tränen meldete er auf seiner Ehrenrunde per Funk an das Team Red Bull: "Danke Jungs, ich liebe euch alle." Eine Zentnerlast war ihm von den Schultern gefallen - und seinen Fans.

Kraft seiner Ausstrahlung und seines Talents ist Sebastian Vettel auch als Star von internationalem Rang zu bezeichnen - nur fehlte zum Ritterschlag noch der Titel. Der Formel-1-Chef Bernie Ecclestone sieht in dem Deutschen eine Persönlichkeit, die das Interesse des weltweiten Publikums an seinem Rennzirkus erhöht - so wie einst Jochen Rindt, Niki Lauda, Ayrton Senna und Michael Schumacher. Seit Sonntag ist auch Vettel endgültig zur Galionsfigur aufgestiegen. Und es ist bezeichnend, dass ausgerechnet Michael Schumacher durch seinen glimpflich ausgegangenen Unfall die Siegesfahrt seines Nachfolgers zunächst für ein paar Runden aufhielt. Schumacher, der bei dem letzten Saisonrennen in Abu Dhabi vor seinem Crash rückwärts fuhr, verkörpert die Formel-1-Vergangenheit - Sebastian Vettel die Zukunft.

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