KommentarKommentar zu Weihnachten Eine Frage des Horizonts

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Einst riefen Engel die Hirten zur Krippe, in der das Jesuskind lag. Wie aber kommt heute das Christentum zu den Menschen? Ein Kommentar von StZ-Korrespondent Paul Kreiner.

Papst Benedikt XVI. vor einem Jahr bei der       Mitternachtsmesse zu Heiligabend Foto: dpa
Papst Benedikt XVI. vor einem Jahr bei der Mitternachtsmesse zu HeiligabendFoto: dpa

Rom - Zu beneiden ist der Papst nicht. Da hatte er im Oktober 262 Bischöfe aus aller Welt und 140 Fachberater eingeladen, damit sie darüber berieten, wie die christliche Botschaft heutzutage auf neue Weise einer entchristlichten Welt nahezubringen sei. Am Ende stand er mit 58 Vorschlägen da, an denen allerdings gar nichts neu und kreativ war. „Mach was draus!“, baten „in Demut“ Benedikts Bischöfe. Und nun soll ein einziger Mensch oder sollen Mitarbeiter, die die Welt zeitlebens nur von der dick ummauerten Vatikanbastei herab betrachtet haben, den Einfallsreichtum ersetzen, der den Seelsorgepraktikern vor Ort offenbar fehlt.

In Not ist jedoch nicht nur der Papst. Der Ratspräsident der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, befand unlängst, es gebe in der heutigen Gesellschaft eine „Unkenntnis Gottes in bereits zweiter und dritter Generation“. Der Traditionsabbruch, den die Kirchen seit Langem beklagen, wäre demnach in eine neue Phase eingetreten. Laut Schneider sind es nicht mehr nur die hergebrachten „theologischen Antworten“, die im Volk auf Verständnislosigkeit stoßen: Gott als solcher ist keine Kategorie mehr, mit der man sich beschäftigt. Viele, sagt Schneider, verstünden schon die Frage nach Gott nicht mehr. Und wenn es ihm zufolge die zentra­le Aufgabe der Kirche ist, diese Frage, „diese Sehnsucht“ wachzuhalten, dann sind Schneiders Sätze nichts anderes als das Eingeständnis kompletten Scheiterns.

Kann der „Etwasismus“ eine Lösung sein?

Wie also an solche Menschen herankommen? Ansetzen vielleicht bei dem „Etwasismus“, den der holländische Theologe Ralf Bodelier diagnostiziert – also bei der Haltung vieler Zeitgenossen, die weder gläubig sein wollen noch atheistisch noch agnostisch, die sich aber für alle Fälle ein Hintertürchen in ein „Etwas“ offen lassen, von dem sie nicht wissen und nicht wissen wollen, was es sein könnte. Aber wenn sich diese Leute – das ist ja offenkundig – für das christliche Angebot nicht interessieren?

Bei der katholischen Kirche, heißt es, seien es auch die ausbleibenden Strukturreformen, die Menschen vom Glauben abhielten. Doch womöglich dient so manche Kritik , etwa am Zölibat, auch nur als Ausrede. So wie sich Menschen immer dann besonders gerne bei Vordergründigem aufhalten, wenn sie sich mit dem Eigentlichen nicht beschäftigen wollen. Für die evangelische Kirche überlegt Präses Schneider, ob die „Gotteskrise nicht auch die Krise eines verharmlosenden Gottesbildes“ ist und ob sich die Kirche nicht selbst säkularisiere, wenn sie „nur einen immer freundlichen, kumpelhaften Gott verkündigt“.

Die Anhänglichkeit der Muslime an ihren Glauben beeindruckt

Die Frage steht tatsächlich im Raum. Sie drängt sich auch angesichts der Unerbittlichkeit auf, mit der in den westlichen Gesellschaften heute ein islamischer Herrschergott dem „Bruder Jesus“ in so herausfordernder Direktheit gegenübergetreten ist wie nie zuvor, und der verstörender Härte des Korans einer traditionell geschmeidig ausgelegten Bibel. Die Verirrungen „islamistischer“ Terroristen sind das eine, die – im Vergleich zu den Christen – offensichtlich größere Anhänglichkeit der Muslime an ihren Glauben das andere.

In dieser Anhänglichkeit zeigt sich, dass die Menschen in der Religion Werte erkennen, für die es sich lohnt, auch harte Ge- und Verbote auf sich zu nehmen. Sie zeigen, dass es Sinn hat, sich bestimmen und lenken zu lassen von einer Macht, die unsere Welt übersteigt – und sich nicht zu verheddern zwischen den zahllosen kleinen Göttern eines tagtäglich maximierten, angeb­lichen kostenlosen und von Reue freien Lustgewinns. Gerade als lustfeindliche Religion kommt das Christentum in seinen alten Ländern nicht mehr weit. Vielleicht ist es ja eine Frage des Horizonts, den die Prediger aufziehen. Im Psalm heißt es: „Die Götter der Heiden sind ein Nichts. Der Herr aber hat den Himmel geschaffen.“ Das ist doch mal eine ganz andere Dimension!

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3 KommentareKommentar schreiben

sehr befremdlich: Zunächst einmal ist es doch nicht verwunderlich, wenn immer mehr Menschen hier in Deutschland bzw. Europa ohne einen Gott 'auskommen'. Nicht zuletzt die Skandale um den Kindesmissbrauch , haben das Vertrauen vieler erschüttert und nachdenklich gemacht.  Alle anderen haben sichihres Verstandes bemüht und  die Welt mit offenen Augen betrachtet, nachgedacht wie die Welt funktioniert (dank der Wissenschaft).  Die Erkenntnisse die wir heute von der Welt haben,  machen Götter überflüssig. Diese Menschen brauchen keine religiösen Erklärungen mehr. Mit religiösen Erklärungen meine ich solche, die Ereignisse in unserer Welt durch übernatürliche, jenseitige Kräfte oder Wesen verursacht sehen. Eine religiöse Erklärung benutzt auch, wer glaubt, dass ihm beim Bestehen einer Prüfung oder bei der Genesung von einer Krankheit ein Schutzengel geholfen hat oder dass es kein Zufall sein kann, wenn eine Minute, nachdem man an einen bestimmten Menschen gedacht hat, dieser anruft.In Wirklichkeit ist doch jeder religiöse Glaube im Kern nichts anderes als simpler Geisterglaube, jeder Gläubige nichts anderes als ein gewöhnlicher Geistergläubiger, einer der häufigsten Formen von Glauben überhaupt. Auch der Gott der Monotheisten ist ein Geist, angeblich der größte.Es darf auch nicht vergessen werden, dass leider viele Menschen in  Ersatzreligionen(Esoterik) Ihren Sinn zu suchen.Glauben ist halt leichter als Denken, also wirklich eine Frage des geistigen Horizonts! Dieser hat sich zum Glück bei uns stark erweitert, was man von den islamisch geprägten Ländern nicht sagen kann.  Je gläubiger,desto niedriger ist dort das Bildungsniveau. Ich finde es sehr befremdlich wenn Herr Kreiner im unteren Teil seines Artikels die strenggläubigen Muslime quasi als Vorbild nimmt .Eine derart menschenrechtsverletzende Religion kann niemals als Vorbild dienen bzw. nachahmeneswert sein.Im Namen des Islam werden Frauen in Ihren Rechten eingeschränkt, Atheisten, Homosexuelle verfolgt, ,getötet. Will Herr Kreiner , dass  unsere Gesellschaft diese Unmenschlichkeit wieder einführt,  nachdem sie Jahrhunderte dafür gekämpft hat,  die Fesseln der Christlichen Religion und deren Dogmen abzulegen. Die Menschen können auch ohne Götterglauben ein erfülltes Leben fuhren,  warum versucht man dies ständig in ein schlechtes Licht zu rücken.  Die Welt wäre ohne die trennenden Religionen menschlicher!

Welch ein Pomp!: Der Papst trägt immer noch die Prunkkleider der antiken römischen Beamten. Er trägt nicht den einfachen Rock wie Jesus. Aber das ist nur ein Symptom, schlimmer ist, dass er diejenigen, welche die Glaubensgemeinschaft besonders bräuchten exkommuniziert und diejenigen, welche Kinder quälen schützt. Erst die Massenmedien brachten ein vordergründiges Einlenken. Im Islamismus wird Gott missbraucht um Macht auszuüben. Wer sich von Allah, dem Allbarmherzigen, leiten läßt quält keine Menschen, nicht mal Tiere! Denn sie gehören Gott!

einfacher glauben: einfach nur glauben, dass jesus für deine sünden gestorben ist, und alles ist in ordnung. die sünden vergeben und man kommt in den himmel und hat das ewige leben. last minute shopping reicht völlig. es gibt da zwar ein paar sprüche jesu' die sich nach eigener anstrengung anhören, fast schon buddhistisch mit lebenslanger lehre, geistiger anstrengung, askese, überwindung und selbstbeherrschung. da richtet es kein gott bequem ein. aber viel lieber glauben wir an die einfache version.

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