Berlin - Um den heikelsten Aspekt gleich vorwegzunehmen: für die Lauterkeit, das Ansehen und den politischen Ruf unseres Außenministers Guido Westerwelle ist völlig unmaßgeblich, ob er in dienstlichen Angelegenheiten mit einem Herrn oder einer Frau Mronz verreist. Von öffentlichem Interesse wäre allenfalls, ob einem persönlichen Begleiter aus dem Umstand, dass er der Reisedelegation des Ministers angehört, geschäftliche Vorteile erwachsen - oder dies gar der heimliche Zweck des Mitreisens sein könnte.
Die Reisen erregen die Gemüter
Solche Fragen stellten sich bei Westerwelles Amtsvorgängern nie. Die meisten reisten im Regelfall solo. Und wenn sie bei Staatsbesuchen ihren Lebenspartner an der Seite hatten, dann gab es unter denen zuvor noch keinen, der sein Geld privat im Management verdient. Bei Westerwelle und Herrn Mronz ist das anders. Das allein wäre aber kein Grund, Abstand zu nehmen.
Westerwelles Reisen erregen gleichwohl die Gemüter. Von Günstlingswirtschaft ist die Rede. Der Außenminister muss sich den Vorwurf anhören, er sei korrupt und schade dem Ansehen des Landes, das er in der Welt vertritt. Die ätzende Kritik entzündet sich an der Tatsache, dass in Westerwelles Gefolge Namen auftauchen, die auch in den Spenderlisten der FDP zu finden sind. Pikant ist der Umstand, dass er einen unbedeutenden Unternehmer in seine Wirtschaftsdelegation berief, der seine Firma gemeinsam mit dem Bruder des Ministers betreibt. Diffizil ist zudem, dass Geschäftspartner seines Lebensgefährten zu den auserwählten Reisebegleitern zählen. All dies ist für sich genommen aber noch kein Skandal.
Wäre Westerwelle sensibel in solchen Fragen, dann hätte er gleichwohl zu vermeiden versucht, auch damit noch anzuecken. Aus dem politischen Alltag ist jedoch bekannt, dass es ihm gelegentlich an Fingerspitzengefühl mangelt. Es geht nicht darum, dass ihm übertriebene Parteilichkeit anzulasten wäre oder gar ein korruptes Amtsgebaren. Ein Vizekanzler wäre allerdings gut beraten, nicht einmal den Hauch eines bösen Scheins aufkommen zu lassen.