Kommentar zum Baumkonzept
Wattierte Härte
Holger Gayer,
29.09.2010 07:06 Uhr
282 teils sehr alte Bäume im Schlossgarten sollen wegen Stuttgart 21 gefällt werden. Foto: dpa
Stuttgart - Udo Andriof und Wolfgang Dietrich haben sich nicht viel Zeit gelassen zur Einarbeitung in ihr neues Sujet. Nur vier Tage nach ihrer Vorstellung durch Ministerpräsident Mappus und Bahn-Chef Grube haben sich die beiden neuen Sprecher von Stuttgart 21 mit Nachrichten zum sensibelsten Thema überhaupt an die Öffentlichkeit gewandt: dem Schicksal der 282 teils sehr alten Bäumen im Schlossgarten. Und sie haben dabei sogleich offenbart, wie die Projektträger künftig zu handeln gedenken: hart in der Sache, watteweich in der Kommunikation nach außen. So seien einige Bäume "versetzungsfähig", sagte Andriof, andere seien "abgehend". Das Verb "fällen" kam in seinem Vortrag nicht vor.
Abseits der Semantik hat das Sprecherduo am Dienstag versucht, gleich zwei Botschaften zu verkünden. Erstens: wir bauen weiter. Zweitens: wir kommen dem gemäßigten Flügel unter den Gegnern entgegen, indem wir einige alte Bäume versetzen und viele neue gleich jetzt pflanzen, damit sie schon groß sind, wenn der Tiefbahnhof dereinst in Betrieb gehen wird. Das kostet zwar bis zu 1,5 Millionen Euro. Doch die Bahn beteuert, dass sie das Geld nicht aus dem bestehenden Risikotopf für Stuttgart 21 nimmt, sondern aus einer Schatulle, die mit den Worten "freiwilliges Engagement" überschrieben ist. Also noch ein Signal an all jene, die meinen, dass Stuttgart 21 in finanzieller Hinsicht ein Fass ohne Boden sei. Es lautet: seht her, wir bezahlen unsere guten Taten alleine, statt in den Säckel der Projektgemeinschaft zu greifen.
Nun zu glauben, dass bald wieder Frieden einzieht in der Stadt, wäre freilich naiv. Denn ähnlich wie es schon beim inzwischen abgerissenen Nordflügel war und wie es später auch beim Südflügel sein wird, sind auch die zur Fällung bestimmten Bäume im Schlossgarten längst zu Symbolen des Widerstands geworden. Die eingefleischten Gegner von Stuttgart 21 werden sich daher nicht von einer den Zahlen nach positiven Ökobilanz des Projektes beeindrucken lassen. Offen ist aber, ob die Macher die gemäßigten Kräfte des Protests, beispielsweise den Bund für Umwelt- und Naturschutz, erreichen. Denn dort sind auch wertkonservative Grüne versammelt, die dem Grunde nach einen gut ausgebauten Schienenverkehr mit möglichst vielen Bäumen am Streckenrand kombinieren wollen.
Abseits der Semantik hat das Sprecherduo am Dienstag versucht, gleich zwei Botschaften zu verkünden. Erstens: wir bauen weiter. Zweitens: wir kommen dem gemäßigten Flügel unter den Gegnern entgegen, indem wir einige alte Bäume versetzen und viele neue gleich jetzt pflanzen, damit sie schon groß sind, wenn der Tiefbahnhof dereinst in Betrieb gehen wird. Das kostet zwar bis zu 1,5 Millionen Euro. Doch die Bahn beteuert, dass sie das Geld nicht aus dem bestehenden Risikotopf für Stuttgart 21 nimmt, sondern aus einer Schatulle, die mit den Worten "freiwilliges Engagement" überschrieben ist. Also noch ein Signal an all jene, die meinen, dass Stuttgart 21 in finanzieller Hinsicht ein Fass ohne Boden sei. Es lautet: seht her, wir bezahlen unsere guten Taten alleine, statt in den Säckel der Projektgemeinschaft zu greifen.
Nun zu glauben, dass bald wieder Frieden einzieht in der Stadt, wäre freilich naiv. Denn ähnlich wie es schon beim inzwischen abgerissenen Nordflügel war und wie es später auch beim Südflügel sein wird, sind auch die zur Fällung bestimmten Bäume im Schlossgarten längst zu Symbolen des Widerstands geworden. Die eingefleischten Gegner von Stuttgart 21 werden sich daher nicht von einer den Zahlen nach positiven Ökobilanz des Projektes beeindrucken lassen. Offen ist aber, ob die Macher die gemäßigten Kräfte des Protests, beispielsweise den Bund für Umwelt- und Naturschutz, erreichen. Denn dort sind auch wertkonservative Grüne versammelt, die dem Grunde nach einen gut ausgebauten Schienenverkehr mit möglichst vielen Bäumen am Streckenrand kombinieren wollen.
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@Lech
Ja, sie haben was verpasst. Mir ging es um die Behauptung, dass der Zeitverlust durch schlechte Wartung zu erklären sei. Und so wie sie meine Referenzen inzwischen kopieren und hier einfügen, gehe ich mal davon aus, dass auch ihnen inzwischen klar ist, dass der Grund für den Fahrtzeitverlust die Baustelle und nicht schlechte (wie im Beitrag behauptet) Wartung der Strecken ist. Mission Accomplished! Im übrigen kann man bei einem Bau einer Bahntrasse, Straße oder eines Tunnels ein Restrisiko nie ganz ausschließen. Wenn nie gebaut werden würde, wenn es ein Restrisiko gäbe, dann würden Sie wahrscheinlich heute noch mit dem Ochsenkarren auf Feldwegen über die Alpen nach Italien fahren, und nicht über den Brennerpass oder durch den Gotthard-Staßentunnel. So sieht also ihre Vision von Zukunft aus. Toll :o) Falls Sie es nicht wissen: der Bau der NBS führt sicher nicht zu Verspätungen auf der jetztigen Strecke nach Ulm. Warum? Naja, weil die Neubaustrecke entlang der Autobahn gebaut wird, die Züge heute aber übers Neckar- und Filstal fahren... Der Umbau des Bahnhofs mag Verspätungen verursachen. Aber sicher nicht in dem Ausmaß wie sie das gerne hätten...
Ulmer
@Ulmer Hab ich etwas verpasst, aber im plusminus bericht ging es um den Ausbau der Rheintalstrecke und die die Statd Hof. WIe soll ein Bericht falsch sein, wenn der Bericht sich nicht mit dem AUsbau der Strecke um Augsburg befasst hat. Schön ist allerdings zu zusehen, was der Ausbau für den Fahrgast bedeutet hat und ich sehe da im Kleinen was S 21 und NBS in Bande-Württemberg bedeuten kann. Die genannte Quelle in der Ausburger Zeitung beschreibt: "„Wir haben jetzt noch auf etwa fünf Kilometern Gleise zu verlegen“, sagt Projektleiter Karl Hamberger. Im Juni 2011 soll die Strecke dann für Tempo 160 freigegeben sein, im Dezember 2011 für Tempo 230. Ohne die Probleme im Moor hätte es ein halbes Jahr früher sein können. Als die Verzögerungen im Herbst 2010 bekannt wurden, musste die Bahn von Grünen und dem Fahrgastverband Pro Bahn Kritik einstecken. Dass es im Moor schwierig werden würde, sei vorher klar gewesen, aber eben nicht in diesem Ausmaß, entgegnet Hamberger. Wie weit sich der Untergrund setzt, könne man erst sehen, wenn der Wall errichtet sei. Etliche Messfühler wurden im Moor versenkt, die über Datenleitung ihre Messungen nach München übermitteln. Die Kosten für diese sogenannten Auflastschüttungen lagen bei zehn Millionen Euro. Insgesamt sind für den viergleisigen Ausbau rund 600 Millionen Euro veranschlagt". Bauen auf Probe und Kostenexplosion Und was meint der Fahrgastverband dazu: ""Wieder einmal werden die zahlenden Kunden der Deutschen Bahn verarscht. Die Schierigkeiten des moorigen Untergrunds im Haspelmoor sind schon lange bekannt. Dass die DB Netz AG, die das Schienennetz betreibt, jetzt ihre Kunden nicht wenigstens ordentlich informiert sondern diese weitere Verzögerung so nebenbei mitteilt, ist eine Frechheit. Seit 1998 wird hier gebaut, seitdem können die Züge nicht so schnell fahren wie zuvor; die schnellsten Züge fuhren ursprünglich Tempo 200, jetzt fahren sie höchstens 160, auf einem Abschnitt sogar nur 70 Kilometer pro Stunde. Derzeit braucht jeder Zug fast 10 Minuten länger als Mitte der 90er Jahre. Hier wird seit Jahren Tausenden von Pendlern ihre Lebenszeit gestohlen: wer täglich zwischen Augsburg und München mit der Bahn unterwegs ist verliert seit 1998 pro Woche mehr als eine Stunde Lebenszeit - von den immer wieder auftretenden Verspätungen ganz zu schweigen. Eingebrockt hat der Bahn das ganze die Politik: im Bundestagswahlkampf 1998 fand auf Betreiben der CDU/CSU ein öffentlicher erster Spatenstich für die Bauarbeiten statt, obwohl kein Geld für eine zügige Fertigstellung da war. Die Bahn selber hat sich leider auch nicht besonders ruhmreich hervorgetan, denn immer wieder auftretende Verzögerungen bis zur Fertigstellung lassen die Fahrgäste verzweifeln. Das Mindeste ist eine angemessene Entschuldigung der Deutschen Bahn AG bei den zahlreichen Fahrgästen zwischen Augsburg und München; zum Beispiel könnte man als freundliche Geste einen Monat lang kostenlos Getränke und Zeitungen in allen Zügen ausgeben." Polemisch formuliert die Züge können nach Ulm gar nicht soviel Zeit einsparen bis die durch Bauverzögerungen entsandenen Verspätungen wieder eingeholt sind. Fragen Sie jetzt schon ein Pendler im Nahraum Stuttgart. Nur jetzt mal zurück. Das hat alles nichts mit dem Plusminus-Beitrag zu tun. Weitere Kritikpunkte konnte ich nicht entnehmen.
@Lech
1) Es muss überhaupt nicht geklärt werden, ob ein Halt in Pasing notwendig ist oder nicht. Der ICE hält da, weil sich die Bahn für einen Halt dort entschieden hat. Das mag ärgerlich sein für jemand der an den Hbf will, aber das ist keine Argument. Denn genauso gut könnten Sie dann den Halt in Stuttgart, Ulm oder Augsburg infrage stellen. 2) Zitat: "DIe bauarbeiten führen auch nicht zu einer entsprechenden Verlangsamung, weil selbst nach deren Beendigung - zwei Jahre verspätet - die Fahrzeit mangels Ausweichstrecken länger ist als 1995 also trotz Streckenausbau!" Wieso führen Bauarbeiten nicht zu einer Verlangsamung? Warum ist die Strecke nach Ausbau langsamer? Sie behaupten Dinge, die erstens unlogisch sind und für die Sie zweitens keine Belege und (zuverlässige) Quellen haben. Außerdem ist das primäre Ziel der Ausbauarbeiten im Haspelmoor ist nicht die Fahrtzeitverkürzung, sondern die Strecke von 2 auf 4 Gleise zu erweitern und so für mehr Stabilität im Fahrplan zu sorgen. Dass die Höchstgeschwindigket danach von 200 km/h auf 230 km/h angehoben werden kann find ich schön, führt aber gewiss nicht zu einer Verlangsamung. Nachlesen können Sie dies übrigens in der Augsburger Allgemeinen: http://www.augsburger-allgemeine.de/Home/Nachrichten/Bayern/Artikel,-Bahnausbau-Muenchen-Endspurt-_arid,2126397_regid,2_puid,2_pageid,4289.html 3) Sie werden es nicht glauben: Mit dem Ausbau von 2 auf 4 Gleise wird tatsächlich eine Verbesserung für den Güterverkehr erreicht. Also genau das was sie so gerne möchten. Na, wenn das keine Verbesserung ist. 4) Ihr sog. Argument "Mit viel Geld wird damit ein schlechteres Ergebnis erzielt" zeugt von Unwissenheit. Zwischen Augsburg und München werden im Rahmen dieses Ausbaus 116km Schienen neu verlegt, 52 Eisenbahn-, 19 Straßebrücken und 22km Schallschutzwände gebaut. Dass dies nicht innerhalb eines Jahres geht, und auch nicht ganz billig ist dürfte doch selbst Ihnen klar sein, oder? (Diese Zahlen finden sie übrigens auch über den Link am Ende des Artikels in der Augsburger Allgemeinen) Sie könnens Drehen und Wenden wie Sie wollen. Der Plusminus-Beitrag ist falsch. Wer solche Fakten verschweigt, recherchiert entweder nicht, oder betreibt gezielt Stimmungsmache. Dass sollte doch selbst jemandem Auffallen, der gegen dieses Projekt ist.