KommentarKommentar zum Bundespräsidenten Wulff in Nöten

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Bundespräsident Christian Wulff lässt kein Fettnäpfchen aus. Sein Krisenmanagement ist katastrophal, schreibt StZ-Berlinkorrespondent Armin Käfer.  

Berlin - Mit jedem neuen Detail, das über die Amigo-Affäre des Bundespräsidenten ans Tageslicht kommt, wird es schwerer, Christian Wulff zu verstehen und was diesen Mann eigentlich umtreibt. Was er sich zuschulden kommen ließ, ist anrüchig genug. Wie er damit umgeht, macht alles noch schlimmer. Wulffs Verteidigungsstrategie erweckte von Anfang an den Verdacht, er bedauere und räume nur gerade das ein, was ohnehin nicht mehr zu leugnen ist. Sein Krisenmanagement ist stümperhaft, ja geradezu katastrophal. Es offenbart zudem ein höchst problematisches Amtsverständnis.

Das gilt insbesondere für den Versuch, die Affäre aus der Welt zu räumen, noch bevor diese davon erfahren sollte. Wulff muss von der Recherchen der "Bild"-Zeitung in höchstem Maße alarmiert gewesen sein. Denn er hat sich nicht entblödet, höchstselbst bei deren Chefredakteur und sogar beim Chef des Springer-Verlages anzurufen, um eine Veröffentlichung zu verhindern, gar zu drohen. Wie verträgt sich dieses unpräsidiale Gebaren mit der Würde des höchsten Staatsamtes? Von Souveränität kündet es jedenfalls nicht. Auch nicht von Respekt vor dem Grundrecht auf Pressefreiheit. Die Kanzlerin wollte einen Politiker an der Spitze des Staates. Jetzt hat sie einen, der sich so benimmt, wie es Politikern gemeinhin unterstellt wird.