Kommentar zum CDU-Kreisparteitag Prinzip Hoffnung

Thomas Braun, 11.11.2012 15:50 Uhr

Stuttgart - Über Jahrzehnte hat die Stuttgarter CDU sich durchaus erfolgreich bemüht, auf ihren Kreisparteitagen ein Signal der Zuversicht und des Aufbruchs zu vermitteln. Nun ist die Partei angekommen – ihr Ziel hat sie allerdings deutlich verfehlt. Im Stuttgarter Rathaus und in der Landeshauptstadt spielt sie nur noch die zweite Geige. Auch die Wiederwahl von Stefan Kaufmann, dem manche in der CDU die Wahlniederlage bei der OB-Wahl auch persönlich ankreiden, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es für die erfolgsverwöhnten Christdemokraten auch künftig schwer werden wird, die Bürger von ihren Konzepten zu überzeugen.

CDU will großstädtischer werden

Eine großstädtische Volkspartei will die CDU werden, künftig mit Vor-Ort-Aktionen beim Wähler Punkte sammeln und im urbanen Milieu mit Themen wie Kinderbetreuung und Bildung den Grünen Stimmen abjagen. Wie das gelingen soll, bleibt offen – zumal dann, wenn es der Parteichef nicht schafft, seine Kritiker in diese Strategie einzubinden. Der Rückzug von Regionalpräsident Thomas Bopp aus dem Vorstand und die Abwahl von Iris Ripsam sind jedenfalls kein Beleg für die viel beschworene Geschlossenheit der Partei, sondern allenfalls Ausdruck des Machtwillens des Chefs .

Noch einmal ist es Kaufmann gelungen, die Basis auf seinen Kurs und seine Person einzuschwören. Doch schon eine Niederlage bei der Bundestagswahl im kommenden Jahr, bei der die CDU zwei Direktmandate zu verteidigen hat , könnte seiner Politkarriere ein Ende setzen und aus der CDU tatsächlich einen Trümmerhaufen machen. Ein „Weiter so“, wie es die Mitglieder diesmal abgesegnet haben, wird es spätestens dann nicht mehr geben können. Bis dahin gilt, wie es ein CDU-Funktionsträger formuliert hat: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

 
 
Kommentare (17)
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NOV
12
Henriette, 19:57 Uhr

Denkverbot?!

Typisch Stuttgarter Zeitung: Schon wieder eine 'Analyse' über den Niedergang der CDU/SPD in Stuttgart, ohne das Milliardengrab Tiefbahnhöfle auch nur mit einer Silbe zu erwähnen. Kein Wunder, dass die Abo-Zahlen dieser 'Zeitung' im Gleichschritt in den Keller gehen.

NOV
12
max, 15:17 Uhr

Selbstkritik?

Mit Renner hätte es die CDU wieder an die Spitze des Rathauses geschafft. Mit dem blassen Turner, der immer gewirkt hat wie ein blasser braver Konfirmand, hat sie es nicht geschafft. Der aggressiv auftretende Herr Kaufmann sollte lieber in seinen Anwaltsberuf zurückkehren, anstatt der CDU mit seinem Politikstil die nächste objektiv voraussagbare Niederlage zu bereiten. Interessiert denn die CDU gar nicht mehr, was das Volk über sie denkt? Wie will sie dann Wahlen gewinnen? Ihr pro zu Stuttgart 21 wird der CDU BW die Regierungsfähigkeit für die geschätzten nächsten 20 Jahre rauben.

NOV
12
masochist, 10:17 Uhr

drei übel

blanke machtgeilheit, dummdreiste arroganz und eine verkehrspolitik aus der adenauerzeit sind tatsächlich weder 'großstädtisch' noch 'modern'. so lange diese drei probleme nicht gelöst sind, steuert die cdu weiterhin ihren bewährten kurs. da sich die welt inzwischen weitergedreht hat, geht der aber in richtung abgrund.

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