KommentarKommentar zum Friedrichsbau Letzter Vorhang?

Von Jörg Nauke 

L-Bank beendet Sponsoring und wenn kein anderer die Deckungslücke schließt, gehen im Varieté im Friedrichsbau bald die Lichter aus. Stuttgart würde damit ein Markenzeichen verlieren, kommentiert Jörg Nauke.

Das Stuttgarter Friedrichsbau-Varieté können wohl nur   private Sponsoren retten. Foto: Steinert
Das Stuttgarter Friedrichsbau-Varieté können wohl nur private Sponsoren retten.Foto: Steinert

Stuttgart - In Brechts „Der gute Mann von Sezuan“ heißt es im Epilog: „Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen, den Vorhang zu und alle Fragen offen.“ Die Szene beschreibt treffend die Gemütslage der Geschäftsführerin des Friedrichsbau-Varieté, Gabriele Frenzel. Seit Jahren kämpft sie mit ihrer Einrichtung in der Rotunde der ­L-Bank gegen die Konkurrenz der Gastro-Varieté-Zelte, und erst kürzlich war sogar über ein weiteres Varieté in der Villa Berg spekuliert worden. Bisher konnte die Truppe nichts umwerfen. Doch nun droht sich der Vorhang final zu senken. Stuttgart würde damit ein Markenzeichen verlieren.

Die Entscheidung des Sponsoringpartners und Vermieters, die üppige Förderung nach so vielen Jahren einzustellen, um die Unterstützung von Kunst und Kultur breiter im ganzen Land anzulegen, ist nachvollziehbar. Damit ist aber auch klar: Wenn kein anderer die Deckungslücke schließt, gehen im Varieté im Friedrichsbau bald die Lichter aus. Aber wohl nur private Sponsoren können für die landeseigene L-Bank in die Bresche springen.

Die nächstliegende Möglichkeit, irgendeinen städtischen Zuschusstopf anzuzapfen, scheidet nämlich aus. Denn das Varieté ist nicht nur keine Kultureinrichtung wie etwa das Theater Rampe, das die Zuschusskriterien erfüllt. Es gehört auch noch einem Unternehmer, weshalb der Betrieb des Varietés und dessen finanzielle Ausstattung erst einmal die Privatangelegenheit von Peter Schwenkow ist, dem eine Gewinnerzielungsabsicht unterstellt werden darf. Weil Land und Stadt aber von dieser Traditionseinrichtung profitieren, tragen auch sie Verantwortung. Das Varieté hat es nicht verdient, dass man es einfach aufgibt.

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11 KommentareKommentar schreiben

@Singapore: Wieso hat sich denn bloss diese seltsame Idee breitgemacht, das Ziel eines Unternehmens auf das Erzielen von Gewinnen zu reduzieren? Selbstverständlich muss jeder Unternehmer darauf achten, Gewinne zu erzielen, weil sonst sein Unternehmen nicht lange existiert. Aber das ZIEL eines Unternehmens ist es immer noch, eine Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen zu befriedigen!

...: @Manfred: wenn Theater o.Ä. nicht gefördert würden, gäbe es weder Opernhäuser noch Theater in Deutschland. Jeder einzelne Sitzplatz in der Oper wird mit mehreren 100 € subventioniert...vom Steuerzahler. Das Varieté bekommt NICHTS und ist von Sponsoren abhängig. Die Vorgehensweise der L-Bank ist schlichtweg als schäbig zu bezeichnen. 2 Wochen vor Jahresende eine 19jährige Partnerschaft zu beenden ist nicht gerade die feine Art. Das Varieté hat somit keine Chance sich nach anderen Sponsoren umzuschauen. schäbig, schäbig, lieber Herr Brand !!!!!

Kultur: Die Schließung des Varietes wäre ein kultureller Verlust für Stuttgart. Bildung und Kultur gehören generell gefördert und müssen nicht zwingend wirtschaftlich sein!

@ Toni, 10:42 Uhr: Würden Sie bitte Ihren vollen Namen und Adresse angeben? Nur damit wir sehen können, was Sie so tun und unterlassen.

Kommentar zum Friedrichsbau: Auch ein Variete o.ä. die ganzen Theaterbühnen sind ausschliesslich aus Eintrittsgeldern zu finanzieren. Es kann nicht die Aufgabe einer Stadt sein zu unterstützen. Wenn dem trotzdem so sein solle, dann muss auch der Bäcker eine städtische Unterstützung erhalten...er arbeitet ja auch für die Allgemeinheit. Also Leute - geht in das Theater/Variete oder lasst das Jammern sein. Es kann nicht immer auf die Kosten der Allgemeinheit gehen.

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