Stuttgart - In Brechts „Der gute Mann von Sezuan“ heißt es im Epilog: „Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen, den Vorhang zu und alle Fragen offen.“ Die Szene beschreibt treffend die Gemütslage der Geschäftsführerin des Friedrichsbau-Varieté, Gabriele Frenzel. Seit Jahren kämpft sie mit ihrer Einrichtung in der Rotunde der ­L-Bank gegen die Konkurrenz der Gastro-Varieté-Zelte, und erst kürzlich war sogar über ein weiteres Varieté in der Villa Berg spekuliert worden. Bisher konnte die Truppe nichts umwerfen. Doch nun droht sich der Vorhang final zu senken. Stuttgart würde damit ein Markenzeichen verlieren.

Die Entscheidung des Sponsoringpartners und Vermieters, die üppige Förderung nach so vielen Jahren einzustellen, um die Unterstützung von Kunst und Kultur breiter im ganzen Land anzulegen, ist nachvollziehbar. Damit ist aber auch klar: Wenn kein anderer die Deckungslücke schließt, gehen im Varieté im Friedrichsbau bald die Lichter aus. Aber wohl nur private Sponsoren können für die landeseigene L-Bank in die Bresche springen.

Die nächstliegende Möglichkeit, irgendeinen städtischen Zuschusstopf anzuzapfen, scheidet nämlich aus. Denn das Varieté ist nicht nur keine Kultureinrichtung wie etwa das Theater Rampe, das die Zuschusskriterien erfüllt. Es gehört auch noch einem Unternehmer, weshalb der Betrieb des Varietés und dessen finanzielle Ausstattung erst einmal die Privatangelegenheit von Peter Schwenkow ist, dem eine Gewinnerzielungsabsicht unterstellt werden darf. Weil Land und Stadt aber von dieser Traditionseinrichtung profitieren, tragen auch sie Verantwortung. Das Varieté hat es nicht verdient, dass man es einfach aufgibt.